PfadnavigationHomeGeschichteAnthropologische ArchäologieDie Geheimnisse der Budapester in der RömerzeitStand: 14:14 UhrLesedauer: 4 Minuten„Respectus“, einer der rekonstruierten Einwohner von Aquincum, der römischen Stadt nördlich des Budapester Stadtzentrums, im dortigen RömermuseumQuelle: AP Photo/Bela SzandelszkyDas Römermuseum Aquincum in Budapest hat für eine Ausstellung die Gesichter von 16 Einwohnern der Römerzeit mit modernen Methoden rekonstruiert. Das Ergebnis erinnert an heute: „dieselben Berufe, dieselben Probleme.“Aquincum war eine geschäftige Siedlung am Ufer der Donau. Nördlich des Lagers der Legio II Adiutrix (nur wenige Jahre der Legio X Gemina) lag eine Zivilstadt, die so bedeutend war, dass sie von griechischen Geografen wie Claudius Ptolemäus erwähnt und auf römischen Karten verzeichnet war. Noch in der Spätantike nannte Sidonius Apollinaris die Stadt „mächtig“.Südwestlich der historischen Stätte liegt heute beiderseits des Flusses das Zentrum Ungarns Hauptstadt: der historische Teil Buda westlich der Donau, Pest am östlichen Ufer. Das Römermuseum in Budapest-Aquincum zeigt jetzt eine besondere Ausstellung: Gestützt auf die Auswertung von mehr als einem Dutzend Schädel aus der Blütezeit von Aquincum in der mittleren und späteren Kaiserzeit sind die Gesichter und die persönlichen Geschichten von 16 Bewohnern rekonstruiert worden. „Unser Hauptziel war, einige dieser Personen den Menschen von heute etwas näherzubringen“, sagt Loránt Vass, Archäologe und Co-Kurator der neuen Schau. Zunächst bis zum 31. Oktober 2026 und erneut ab Frühjahr 2027 ist die Ausstellung mit dem Titel „Einst waren wir wie ihr“ zu sehen.Vordergründig geht es um scheinbar schlichte Fragen: Wie sahen die Menschen damals aus? Wie lauteten ihre Namen? Was wissen wir über ihre Schicksale? Um das herauszufinden, nutzten die Experten des Museums neben DNA-Analysen auch moderne Methoden aus Archäologie und Anthropologie. Das Ergebnis sind realistische Modelle von Gesichtern, kombiniert mit individuellen Lebensgeschichten.So ließen sich aus den archäologischen Funden mittels des genetischen Fingerabdrucks die Farbtöne der Haut, der Haare und der Augen ermitteln – und sogar, ob eine etwa Sommersprossen hatte. Form, Dichte und weitere Merkmale der Schädel ermöglichten Schlüsse über das Alter und die Gesichter der Personen sowie darüber, ob sie Verletzungen erlitten oder erkrankt gewesen waren.Lesen Sie auchIm nächsten Schritt erweckten die Macher der Ausstellung die fast 2000 Jahre alten Bewohner von Aquincum in gewisser Weise zum Leben: Sie gaben ihnen Namen und wiesen ihnen, gestützt auf alle vorhandenen Informationen, wahrscheinliche Berufe und Biografien zu. Diese Details seien unter Berücksichtigung von „authentischen historischen Grundlagen“ sowie der Ergebnisse der Schädel-Analysen zusammengestellt worden, sagt Péter Vámos, ebenfalls Co-Kurator. „Wir haben alles einbezogen, was uns Anthropologie und genetische Studien über ihre Lebensgeschichten verraten konnten.“Einer der Charaktere, ein Bauarbeiter mit dem (einer in Aquincum gefundenen Grabstele entlehnten) Namen „Respectus“, wird als ein Mann beschrieben, der in Aquincum seinen Lebensunterhalt mit dem Verputzen von Wänden und dem Spalten von Steinblöcken verdiente. Diese körperlich belastende Arbeit nutzte seine Knochen spezifisch ab. Außerdem war sein Nasenbein gebrochen und einer seiner Zähne ausgeschlagen – vielleicht Folge einer Rauferei in einer örtlichen Taverne?Lesen Sie auchDie Geschichte und der soziale Status von „Respectus“ sind typisch für die dargestellten Bewohner von Aquincum. Die Untersuchungen der Knochen ergaben, dass fast alle Individuen von einem „ziemlich hohen Maß“ an Entzündungen betroffen gewesen seien, sagt Vass: „Sie mussten oft hart arbeiten. Und viele haben phasenweise gehungert.“ Sie dürften daher zur unteren Mittelschicht der Gesellschaft gehört haben.Von den insgesamt 16 rekonstruierten Gesichtern sind sechs aus Silikon nachgeformt, bemalt sowie mit lebensechtem Haar, Kleidung und Schmuck verziert. Den Vorteil dieser Rekonstruktionen gegenüber digitalen Modellierungen erklärt Emese Gábor, die diese Arbeiten angefertigt hat: „Sie können aus allen Blickwinkeln betrachtet werden und sind absolut lebensgroß.“Lesen Sie auchHistorisch interessant sind auch die durch DNA-Analyse ermittelbaren ethnischen Ursprünge einer Person. So lässt sich auch einiges über die Zusammensetzung der einstigen Gesellschaft der im heutigen Ungarn gelegenen römischen Siedlung sagen. Während einige Bewohner aus dem Herzen des Reichs im heutigen Italien kamen, waren andere offenbar bis aus dem heutigen Schottland oder dem heutigen Syrien zugewandert. Einige gehörten zu sarmatischen Stämmen aus der eurasischen Steppe oder waren Nachfahren der Kelten, die in der Eisenzeit in der Region gelebt hatten.Bei den meisten Ausgrabungen von Knochen aus der Römerzeit würden Fundstücke untersucht, dokumentiert und eingelagert, sagt Loránt Vass. Sie hätten dann „kein Gewicht, kein Leben, keine Seele“. Das Museum hofft, bei den Besuchern durch die andere Art der Konfrontation mit den antiken Vorfahren besonderes Interesse zu wecken.Der Titel der Ausstellung „legt nahe, dass sie so waren, wie wir heute sind“, betont der Experte. „Sie hatten dieselben Berufe, dieselben Probleme.“ Die Lebensbedingungen und die sozialen Stellungen mögen andere gewesen sein, aber „Menschen sind Menschen“. Loránt Vass: „Ich denke nicht, dass sich das im Laufe der Geschichte großartig verändert hat.“Aquincum Museum / Archäologischer Park Budapest. Bis 31. Oktober und erneut ab Frühjahr 2027.AP / sfk
Archäologie: Die Geheimnisse der Budapester in der Römerzeit - WELT
Das Römermuseum Aquincum in Budapest hat für eine Ausstellung die Gesichter von 16 Einwohnern der Römerzeit mit modernen Methoden rekonstruiert. Das Ergebnis erinnert an heute: „dieselben Berufe, dieselben Probleme.“







