Für Thorsten Frei ist der Wechsel an die Spitze der Unionsfraktion nicht nur die Rückkehr in eine ihm vertraute Umgebung. Unter Friedrich Merz war er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, also eine Art politischer Manager im Auftrag des Fraktionsvorsitzenden. Es ist für ihn auch eine Befreiung. Wenn es nicht rund läuft in der Regierung, ist der Kanzleramtschef die erste Adresse, um einen Schuldigen zu finden. Und es lief lange Zeit nicht rund in dieser Koalition. Die Sorge ist Frei nun los.Aber auch Merz. Auch für den Kanzler ist es eine Befreiung. Nicht von Frei, denn der bleibt sein Vertrauter an vertrauter Stelle. Das unterscheidet diesen Wechsel an der Spitze des Kanzleramts von früheren.Wohl aber ist es eine Befreiung von der Kritik, dass er als jemand, der keine Regierungserfahrung hatte, seine Umgebung nicht instinktsicher sortiert habe. Zum Erfolg wird der Wechsel Freis an die Fraktionsspitze also nur, wenn Merz einen besseren Kanzleramtsminister findet. Oder eine Ministerin.Bessere KommunikationIst es auch ein Fortschritt für die Koalition? Frei verspricht für die SPD ein berechenbarer Partner zu werden, der für die Kommunikation mehr Gefühl hat als sein Vorgänger. Was bleibt, ist ein Mitte-rechts-Kurs, für den auch Frei steht, angefangen bei der Migrationspolitik. Frei ist auf diesem Feld mehrmals mutig vorangeschritten. Nicht immer zum Vergnügen der SPD, noch weniger dem der Grünen und dem einer zähneknirschenden AfD.Gewinner könnte damit auch die Union als Partei sein, für die ein heißer Herbst ansteht. CDU und CSU ist es bislang nicht gelungen, sich das Vertrauen ihrer früher einmal so breiten Wählerschichten zu erhalten oder gegen den Aufstieg der AfD zurückzuerobern.Eher ist das Gegenteil der Fall, weil Reformpolitik bislang Belastungspolitik geblieben ist oder jedenfalls so wirkt. Wenn Merz und Frei daran nichts ändern können, werden sie die Schuld nicht allein auf die SPD schieben können.