Die Bundesanwaltschaft hat vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf Anklage gegen vier mutmaßliche Köpfe der Reichsbürger-Gruppe „Königreich Deutschland“ (KRD) um den 60 Jahre alten Hauptbeschuldigten Peter Fitzek aus Sachsen-Anhalt erhoben. Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft den deutschen Staatsbürgern vor, Rädelsführer des als kriminelle Vereinigung eingestuften KRD gewesen zu sein. Sie sollen unter anderem unerlaubte Anlage- und Versicherungsgeschäfte getätigt, Urkunden gefälscht und Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Die Beschuldigten waren Mitte Mai 2025 festgenommen worden, das Bundesinnenministerium verbot damals das KRD sowie sämtliche seiner Teilorganisationen.Fitzek hatte sich 2012 in Wittenberg von Anhängern zum König des KRD „krönen“ lassen, seither nannte sich der gelernte Koch und Karatelehrer „Peter I.“, erdachte eine Fantasiewährung namens „Neue Deutsche Mark“, baute ein eigenes Bank- und Versicherungssystem auf und machte seinen Gefolgsleuten weis, sie schuldeten dem deutschen Staat keine Steuern mehr. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft erwirtschaftete das KRD seit 2020 durch Spenden, Seminargebühren und illegale Bank- und Versicherungsgeschäfte rund zehn Millionen Euro.Pseudostaatliche Strukturen, eine eigene Währung – und SteuerhinterziehungLaut Bundesanwaltschaft hat sich das KRD für einen souveränen Staat im Sinne des Völkerrechts gehalten und strebte an, sein behauptetes „Staatsgebiet“ auf die Grenzen des Deutschen Reiches des Jahres 1871 zu erstrecken. „Ziel der Gruppierung ist es, das System der Bundesrepublik Deutschland durch ein eigenes zu ersetzen. Entsprechend der Ideologie der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter warb die Vereinigung für den Systemausstieg aus der Bundesrepublik Deutschland und den Anschluss an das KRD“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft.Zu diesem Zweck habe das KRD pseudostaatliche Strukturen und eben auch ein Bank- und Versicherungssystem mit Filialen in Dresden, Ulm, Menden und Lutherstadt Wittenberg geschaffen. Auch habe das KRD Unternehmen mit dem Versprechen anzuwerben versucht, Waren und Dienstleistungen steuer- und abgabenfrei vertreiben zu können. Hierdurch seien Gelder in Höhe von über zwei Millionen Euro hinterzogen worden, so die Anklagebehörde.Gemäß der „Verfassung“ des KRD habe Peter Fitzek als sogenannter „Oberster Souverän“ über die Kontrolle und Entscheidungsgewalt in allen wesentlichen Bereichen verfügt, die ideologische Ausrichtung bestimmt und eigene „Gesetze“ erlassen. Die drei anderen nun angeklagten Männer sollen in leitender Funktion tätig gewesen sein. Neben Fitzek sollen zwei der Männer im KRD-„Meldeamt“ zudem fiktive, dem Bundespersonalausweis ähnelnde Identitätskarten ausgegeben haben – was in der Anklage nun als „bandenmäßige Urkundenfälschung“ gewertet wird.