PfadnavigationHomePanoramaNach Verbot bei „Die Anstalt“Danger Dan und Levit warnen bei Ersatzkonzert vor „Nazi-Patrouillen“ und Faschisten im ParlamentStand: 00:55 UhrLesedauer: 3 MinutenWELT-Redakteur Dennis Sand verteidigt die Entscheidung des ZDF, den umstrittenen Song „Keine Angst“ von Danger Dan aus der Sendung „Die Anstalt“ zu streichen: „Er grüßt auch die Hammerbande und drückt da Solidarität aus. Das ist wirklich ein Problem.“Nach der Ausladung bei der Satire-Sendung „Die Anstalt“ geben die Musiker ein Ersatzkonzert in Berlin. Die Macher der Sendung kritisierten die Ausladung. Einige von ihnen saßen nun im Publikum. Auch Mitglieder des Fernsehrates kritisieren die ZDF-Entscheider.Die Musiker Danger Dan und Igor Levit haben nach dem abgesagten Auftritt im ZDF ein Ersatzkonzert in Berlin gespielt und sich gegen Rechtsextremismus positioniert. In der vergangenen Woche habe es eine große Debatte gegeben, ob es okay gewesen sei oder nicht, sie aus einer ZDF-Sendung auszuladen, sagte Danger Dan im Columbia Theater. Das sei aber nicht die entscheidende Frage, ergänzte Pianist Levit.Die Debatte, die „wir eigentlich hätten führen müssen“, sei vielmehr: Wie gehe man mit Faschistinnen und Faschisten um, die gerade in die Parlamente gingen und auf der Straße seien, fragte Danger Dan. „Wie gehen wir um mit rechter Gewalt, die explosionsartig anwächst und immer brutaler wird?“„Und wie helfen wir?“, fragte Pianist Levit bei dem Konzert, das bei YouTube übertragen wurde. Wie unterstütze man Menschen, die in Gegenden lebten, in denen sie Angst haben müssten, aus dem Haus zu gehen, weil Nazis patrouillierten? Wie nehme man ihnen die Angst und zeige ihnen, dass sie nicht alleine seien? „Das ist die entscheidende Frage.“Wie das ZDF die Entscheidung begründetEigentlich wollte Danger Dan sein neues Lied „Keine Angst“ gemeinsam mit Levit bei der 100. Ausgabe der Kabarettsendung „Die Anstalt“ spielen, die sich laut den Künstlern mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF jedoch, den Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.Intendant Norbert Himmler sagte der „Süddeutschen Zeitung“, seiner Ansicht nach habe man es „unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun“, der in freundliche Grüße an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter münde.Lesen Sie auchDanger Dan und Levit sprachen von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Auch die Macher der Sendung „Die Anstalt“ kritisierten die Ausladung. Einige von ihnen saßen nun in Berlin im Publikum, am gleichen Abend wurde ihre Jubiläumsfolge im Fernsehen gezeigt. Beim Ersatzkonzert in Berlin spielten Danger Dan und Levit dann auch das Lied „Keine Angst“.Auch acht Mitglieder des ZDF-Fernsehrates kritisierten den Sender in einem offenen Brief wegen des Auftrittsverbots von Danger Dan und Igor Levit. In dem Schreiben, das am Montagabend vom Onlinemedium netzpolitik.org veröffentlicht wurde, beklagten die Fernsehräte, das ZDF habe die Gelegenheit verpasst, eine Debatte über Rechtsextremismus in Deutschland und die vielfältigen Möglichkeiten seiner Bekämpfung anzustoßen.Lesen Sie auchNach Meinung der Fernsehräte ist das Lied von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt. Ob ein die Programmrichtlinien verletzender Aufruf zur Gewalt vorliege, könne sich nicht nur aus der isolierten Betrachtung einzelner Liedzeilen beantworten lassen, sondern nur im Kontext der gesamten Sendung, so die Fernsehräte weiter: „Die dafür relevante kritische Einordnung des Liedtexts, auch mit den Künstlern, wäre Aufgabe der Redaktion der Anstalt gewesen. Diese Möglichkeit wurde ihr ohne Not genommen.“Man halte die Absage deshalb für einen Fehler, so die Unterzeichner des Briefes. Die Absage des Auftritts zeuge von fehlendem Mut und von fehlendem Vertrauen in die Redaktion der Sendung, sich angemessen mit dem Lied auseinanderzusetzen. Außerdem befürchten die Fernsehräte eine abschreckende Auswirkung auf andere Formate.kna/dpa/ceb/saha