Seit dem sechsten und letzten Wochenende der Weltmeisterschaft steht fest, dass die Spanier auf jede Frage eine Antwort gehabt haben, selbst auf jene, von der viele sagen, dass sie sich gar nicht seriös beantworten lässt: Wer ist der beste und damit größte Fußballspieler, seit Fußball gespielt wird?Am Samstag sagte Rodri, der Kapitän der spanischen Mannschaft, der am Tag danach als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, dass der Argentinier Lionel Messi der beste Spieler der Geschichte sei. Davor und danach hat kein Spanier dem Kapitän widersprochen. Warum auch? Selbst nachdem Argentinien im Finale gegen Spanien kein Schuss aufs Tor gelungen war, hätte man noch mit guten Gründen argumentieren können, dass nicht der Sieger Rodri, sondern der Verlierer Messi den Titel als bester Spieler des Turniers verdient hätte.Nicht Pelé, nicht Beckenbauer, nicht MaradonaIn diesen Wochen hat der 39-jährige Messi eine WM gespielt, wie sie in der Geschichte nur die allerwenigsten gespielt haben, egal, wie jung sie waren. Und wie sie ganz sicher noch nie ein 39-Jähriger gespielt hat. Nicht Pelé, nicht Franz Beckenbauer, nicht Diego Maradona. Nicht all die Spieler, die sonst immer aufgezählt werden, wenn es darum geht, wer nun der Größte von allen ist.Es war in diesen Wochen aber nicht nur auffällig, wie schön Messi gespielt hat, sondern auch, wie schön über Messi geschrieben wurde. Etwa vom Journalisten Barney Ronay, der nach dem Halbfinalsieg gegen England im „Guardian“ geschrieben hat, dass Messi schon immer einen Vorteil gegenüber jedem anderen Spieler gehabt habe. Er habe in jedem Spiel mit Messi spielen dürfen. Und weil er noch nie ein Spiel ohne Messi spielen musste, habe man als Beobachter manchmal das Bedürfnis, ihm auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Du weißt schon, dass es nicht immer so ist, oder?Das war wirklich schön. Aber können schöne Sätze bei der Beantwortung der Frage nach dem größten aller Fußballspieler helfen? Ja, können sie, nur nicht so.Shakespeares’ GlückSein Argument lautete so: Die Hälfte der Menschen, die seit 1600 geboren worden seien, sei in den vergangenen 100 Jahren geboren worden. Und die Menschen, die zu der Zeit Shakespeares gelebt hätten, seien so mit Landwirtschaft beschäftigt gewesen, dass damals schätzungsweise nur zehn Millionen lesen und schreiben konnten. Heute dagegen könnten im westlichen Kulturkreis mehr als eine Milliarde Menschen lesen und schreiben. Also fragte Sam Bankman-Fried: „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der größte Schriftsteller im Jahr 1564 geboren wurde?“Dieses Argument gegen Shakespeare ist auch ein Argument gegen Pelé, Beckenbauer und Maradona. Kann der größte Fußballspieler aller Zeiten wirklich im 20. Jahrhundert geboren sein, als dieser Sport noch so weit von dem Entwicklungsstand entfernt war, auf dem er heute ist? Es ist damit aber auch ein Argument gegen Messi, Jahrgang 1987, weil es wahrscheinlich ist, dass in diesem immer noch jungen Spiel der Beste erst kommt. Doch wenn man Messi in diesen Wochen wieder gesehen hat, muss man schon auch fragen: Wie kann es eigentlich noch besser gehen?
Lionel Messi bei Fußball-WM 2026: Der beste Spieler aller Zeiten?
Auf der Suche nach dem größten Fußballer, seit Fußball gespielt wird, stößt man auf Englands Dichterfürsten Shakespeare. Dessen Glück der frühen Geburt verheißt etwas noch Größeres als Messi.











