KONTEXT:Wochenzeitung

Es ist zum Haareraufen. Immer wieder soll irgendwo in Stuttgart etwas abgerissen werden, weil es angeblich nicht mehr für die heutigen Ansprüche taugt. Dieses Mal ist es die Schleyerhalle. Anstatt wirklich über Alternativen nachzudenken, will man vollendete Tatsachen schaffen.

Seit vier Jahrzehnten Stuttgarts "große multifunktionale Veranstaltungsarena". Fotos: Julian Rettig

Bis 2035 will Stuttgart klimaneutral werden – auch wenn dies selbst aus Sicht der Stadt zunehmend unwahrscheinlich wird. 2035 klingt nach einem in weiter Zukunft liegenden Zeitpunkt, beispielsweise wenn man die letzten Amtszeiten von Trainern der deutschen Fußballnationalmannschaft als Maßstab nimmt. Für das Bauen ist 2035 allerdings fast schon so wie morgen. Gebäude, über die zu bauen heute nachgedacht wird, stehen dann gerade mal ein paar Jahre. Sie sind quasi noch Kinder. Viel Energie muss aufgewendet und viel CO2 ausgestoßen werden, um sie zu bauen. Und wenn dafür andere abgerissen werden, ist die Energie futsch, die für deren Bau aufgewendet wurde. Und auch wenn das neue Gebäude unglaublich energieeffizient ist, dauert es einige Jahrzehnte, bis der Betrieb den Energieaufwand für den Neubau amortisiert hat. Heißt auch: Die Häuser, die jetzt stehen, sollte man, wenn möglich, nicht abreißen. Besser ist es, sie energetisch zu sanieren.