Die lokalen Repräsentanten des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Jan Theissen und Tobias Bochmann schließlich gehen dann auf die wahrscheinlich entscheidende Komponente ein: die "rein ökonomische Zwecklogik eines Immobilienwirtschaftsfunktionalismus". Tatsächlich wurden in der Königstraße und den sie angrenzenden Straßen in den letzten Jahrzehnten einige Gebäude abgerissen; dass Thalia nun in einen Neubau ziehen wird, dem ein Kaufhaus weichen musste, ist deswegen eine wenig überraschende Pointe: Bis heute ist es nicht gelungen, ökologische, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Kriterien aneinander zu koppeln – in den wirtschaftlichen Modellen und Systemen spielen Ressourcenabbau und deren ökologische Folgen keine Rolle.
In dieser Gemengelage kann der Denkmalschutz kaum alleine dafür verantwortlich gemacht werden, sollte sich der Abriss nicht vermeiden lassen. Auf der einen Seite fehlt es an Konzepten, wie Gemeinwohl und Wirtschaft im Bereich der Immobilienentwicklung besser aufeinander abgestimmt werden können, wie Rendite-Orientierung und kulturelle Werte gemeinsam verhandelt anstatt gegeneinander ausgespielt werden können. Auf der anderen Seite muss es zu einer weit über den Denkmalschutz hinausgehenden Praxis werden, Gebäude zu erhalten und sie neu zu nutzen. Dies müsste ein gesellschaftlicher Prozess sein, in den die Vertretungen der Immobilienwirtschaft ebenso wie die kultureller Träger und der Bewohnerschaft eingebunden werden sollten – gesucht ist eine "Antwort auf die großen Defizite städtebaulicher Praxis, die insbesondere den parzellen- und grenzüberschreitenden, funktionalräumlichen Maßstab, aber auch die Beziehung von Menschen zu ihrem unmittelbaren baulichen Umfeld zu wenig berücksichtigt".








