Marco Rubio findet bei Donald Trump häufig Gehör. Anfang des Jahres erfüllte der Präsident ihm den Wunsch, den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro zu entführen. Hernach schlug er – angeblich im Scherz – vor, Rubio als Präsidenten Venezuelas zu installieren, wie die „New York Times“ berichtet hat. Neulich bezeichnete er ihn sogar als seinen möglichen Nachfolger: Der Außenminister könne sich doch 2028 mit Vizepräsident J. D. Vance im Tandem für das Präsidentenamt bewerben.Von einer Sache aber hat Rubio Trump noch nicht überzeugt: von einer Intervention in Kuba. Gelingt ihm das jetzt mit einem neuen Bericht seines Ministeriums?Rubio, dessen kubanische Eltern schon vor Fidel Castros Revolution in die Vereinigten Staaten emigriert waren, hat den Sozialisten in Lateinamerika den Kampf erklärt. Ein Sturz des kubanischen Regimes wäre für ihn die Erfüllung eines Traums, auf den er schon lange hinarbeitet. Dabei dürfte er auch die vielen Exilkubaner in Florida, wo er 1971 geboren ist und Senator war, im Blick haben. Die hegen nämlich eine große Abneigung gegen den Sozialismus und tendieren bei Wahlen zu den Republikanern.Auf hundert Seiten hat das amerikanische Außenministerium nun ein düsteres Bild von Kuba gezeichnet. Es sieht in dem dortigen Regime eine rote Gefahr für die Vereinigten Staaten. „Kuba, das Zentrum des Kommunismus im 21. Jahrhundert“ heißt der Titel des Berichts, der am Montag veröffentlicht wurde.Der Karibikstaat, der in diesem Jahr schon mehrere landesweite Stromausfälle erlebt hat, der seit Monaten aus Venezuela kein Öl mehr erhält, der unter der größten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion leidet und dessen wichtige Verbündete Russland und Iran derzeit anderweitig gebunden sind – dieser kriselnde Inselstaat soll für die USA eine Gefahr darstellen?Ja, ist sich das amerikanische Außenministerium sicher. Wer denke, Kuba sei harmlos, weil es arm sei, verkenne vollkommen die Bedrohung, heißt es in dem Bericht. Die Macht des kubanischen Regimes sei seit jeher „ideologisch, subversiv und parasitär“ gewesen. Und erstaunlich beständig. Das Regime habe den Fall der Sowjetunion überstanden und sich mit anderen Feinden der Vereinigten Staaten verbündet. Der Bericht nennt Moskau, Peking, Teheran. Mitten im Zentrum dieser Achse: Havanna.Kuba habe nie über militärische Fähigkeiten verfügt, um die Vereinigten Staaten in einem konventionellen Krieg zu besiegen. Aber es habe eine Methode entwickelt, die eine Gefahr darstelle, so die Analyse. Kuba versuche seit fast sieben Jahrzehnten, die USA von innen heraus zu zerstören, und sei bis „in die höchsten Ebenen der US-Regierung eingedrungen“. Kubanische Agenten hätten noch heute einen großen Einfluss auf amerikanische Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten. „Viele der bedeutendsten Umbrüche der jüngeren amerikanischen Politikgeschichte – von den George-Floyd-Unruhen über den Aufstieg der Antifa bis hin zur Zunahme terroristischer Aktivitäten an amerikanischen Universitäten – lassen sich in irgendeiner Form auf kubanischen Einfluss zurückführen.“Der Bericht erwähnt auch die „Democratic Socialists of America“, eine politische Bewegung, zu der etwa der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, ein linker Demokrat, gehört. Diese Gruppe sei zwar nicht von Kuba kontrolliert, trete jedoch leidenschaftlich, fast mit „religiöser Bekenntnis“ für die Sache des kubanischen Regimes ein.Rubio dürfte versuchen, mit dem Bericht Trumps Fokus wieder etwas mehr auf Kuba zu lenken. Im März noch hatte der amerikanische Präsident bei einer Rede in Miami gesagt, Kuba sei „als Nächstes dran“ – da war er noch beflügelt von der erfolgreichen Intervention in Venezuela im Januar. Seit Monaten liegt der außenpolitische Fokus Trumps jedoch auf Iran und der Straße von Hormus. Vor einigen Tagen aber sagte er vieldeutig dem Fernsehsender Fox News, „viele Dinge“ würden in den nächsten Monaten in Kuba geschehen, auch wenn er die Sache nicht mit Venezuela vergleichen wolle.