Trotz anderslautender Erfolgsmeldungen: Die Stadtwerke (SWM) verfehlen ihr Ökostromziel deutlich. Der Stadtrat hatte die SWM 2009 beauftragt, vom Jahr 2025 an so viel Ökostrom zu erzeugen, wie ganz München an Strom benötigt. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatten die SWM verkündet, das Ziel erreicht zu haben. Nun legt das für die Stadtwerke zuständige Wirtschaftsreferat dem Stadtrat offiziell Zahlen vor. Sie stehen im nicht-öffentlichen „Leistungscontrolling“ für eine Ausschuss-Sitzung an diesem Dienstag. Demnach haben die SWM in ihren über halb Europa verteilten Anlagen 5,44 Terawattstunden (TWh) klimaneutralen Strom erzeugt und ins Netz eingespeist. München aber habe im vergangenen Jahr rund 6,2 TWh benötigt, so die Schätzung der SWM.Demnach haben die SWM das Ökostromziel um gut zwölf Prozent verfehlt. Im Frühjahr hatten die SWM auf SZ-Anfrage bereits eingeräumt, dass die „vergütete“ Menge Ökostrom bei 5,8 TWh gelegen habe. Der Unterschied zwischen vergüteter und eingespeister Menge resultiert daraus, dass die SWM teilweise von örtlichen Netzbetreibern bezahlt werden, wenn eine Windanlage wegen Netzüberlastung vorübergehend abgeriegelt wird. Entscheidend für die positive Wirkung von Ökostrom aber ist die tatsächlich eingespeiste Menge.Der größte Teil des Ökostroms stammt aus Windkraftanlagen. In diesem Bereich lagen die Stadtwerke 2025 knapp elf Prozent unter der geplanten Erzeugung. Bei der Wasserkraft wurde das Ziel um 16 Prozent verfehlt, bei Photovoltaik sogar um gut 47 Prozent. Wirtschaftsreferat und SWM begründen das Windkraftdefizit mit Abriegelungen von Anlagen, vor allem in Skandinavien, mit Schäden und mit der Windschwäche. Dass bei Photovoltaik nur etwas mehr als die Hälfte des Plans erreicht wurde, liege laut SWM an „Verzögerungen bei der Umsetzung von PV-Projekten“. Das Defizit bei der Wasserkraft liege laut SWM an der lang anhaltenden Trockenheit, die sich auch auf Flüsse und damit die Wasserkraftwerke auswirke.Die Stadtwerke betonen ihre große Leistung, innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten ihre einst minimale Ökostrom-Kapazität enorm gesteigert zu haben, von 0,5 auf 6,7 TWh. Ihre Erfolgsmeldungen begründen sie damit, dass sie sich auf die rechnerische Erzeugungskapazität bezögen. Der tatsächliche Wert weiche davon immer ab, mal nach unten, mal nach oben. Diese Interpretation des Stadtratsauftrags weicht allerdings vom Wortlaut des Beschlusses ab. Darin wird nicht der Aufbau von theoretischer Kapazität gefordert, sondern dass der benötigte Strom tatsächlich erzeugt wird.Eine Sprecherin des Wirtschaftsreferats verweist auf Anfrage auf die rechnerische Erzeugungskapazität, die den Verbrauch in einem durchschnittlichen Jahr decke. Zudem habe man in Verlautbarungen „transparent“ darauf hingewiesen, dass die tatsächliche Erzeugung je nach Jahresverlauf darunter liegen könne.Windkraft ist für die Stadtwerke der wichtigste Baustein beim Ausbau der eigenen Ökostrom-Kapazitäten. Christian Charisius/picture alliance/dpaDass die SWM zumindest in die Nähe des Ziels kamen, liegt an einem unerwarteten Rückgang des Stromverbrauchs. Während die SWM 2009 davon ausgegangen waren, dass München Mitte der Zwanzigerjahre rund 7,5 TWh benötigen würde, liegt der heutige Verbrauch deutlich darunter – bei geschätzt 6,2 TWh. Für die kommenden Jahre erwarte man aber tatsächlich einen Anstieg, weshalb man am Ausbau festhalten wolle. Dieser ist in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten: Zwar stieg die erzeugte Menge von 2021 auf 2022 deutlich, zuletzt aber sank der Wert wieder.Auch die Zahl der Kunden, die den vergleichsweise teureren Ökostrom beziehen, geht nach unten. Seit 2021 sank laut SWM deren Zahl von gut 232 000 auf gut 192 000. Die Menge des verkauften Ökostroms sank demnach sogar um knapp 30 Prozent. Ein SWM-Sprecher erklärt den Rückgang mit einem gestiegenen Energiebewusstsein aufgrund der Energiekrise und einer höheren Preissensibilität.Die Linkspartei kommentierte bereits im Mai, als die SZ über das Verfehlen des Ökostromziels erstmals berichtete, das Agieren der Stadtwerke kritisch: „Sich zu feiern, während das Ziel offensichtlich verfehlt wurde, schlägt dem Fass den Boden aus“, wurde Linken-Stadtrat Christian Schwarzenberger zitiert. Seine Kollegin Katharina Horn fordert, dass die SWM als kommunaler Energieversorger mehr in die erneuerbaren Energien in der Region München investieren sollten: „Das Potenzial ist da, wir müssen es nur nutzen.“Das Wirtschaftsreferat verweist auf einen jüngst eröffneten Solarpark in der Region sowie das Realisieren eines sehr großen PV-Mieterstromprojekts, zusammen mit der Münchner Wohnen. Zudem planten die SWM eine Beteiligung an einem großen Offshore-Windpark in der Ostsee.
Münchner Stadtwerke verfehlen Ökostromziel
Die Stadtwerke München erzeugten 2025 deutlich zu wenig Ökostrom. Wind- und Wasserkraft sowie Photovoltaik blieben unter Plan.







