Fitnessaggregatoren wie Urban Sports Club haben den Sportmarkt revolutioniert. Das bedeutet ein breites Angebot für­ Kund*innen und Zwänge für Studios.

D reißig durchtrainierte Großstädter jagen ihren Puls an diesem Montagmorgen im fensterlosen Keller des alten Fabrikgebäudes in Kreuzberg in die Höhe: Hampelmänner, Strecksprünge, Kniehebelauf. Auf 40 Minuten brutales Zirkeltraining folgt die letzte Herausforderung: der Cardio-Push. „Gruppen- oder eine Einzelübung?“, ruft der muskelbepackte Trainer über die ohrenbetäubende Musik in das Mikro. „Einzel!“, schallt es aus dreißig Kehlen unisono zurück.

Die Individualisierung der Großstädter macht auch vor dem Fitnessmarkt nicht halt. Wer zum Intervalltraining der Berliner Fitnessstudiokette Beat81 kommt, ist meist nicht Mitglied im Studio, sondern zahlt eine Monatsgebühr an Sportflatrate-Anbieter, sogenannte Fitnessaggregatoren. Die haben die Branche binnen weniger Jahren grundlegend umgekrempelt. Ihr Angebot umfasst alles: Intervalltraining, Meditations- und Tanzkurse, Pilates und Yoga.

Beim Yoga in Kreuzberg

„Heute läuft ein Großteil der Besuche in unseren regulären Klassen über Aggregatoren“, erzählt Yogastudioinhaber Moritz Ulrich. Der groß gewachsene Mann steht an einem Donnerstagmorgen in seinem Studio in Kreuzberg. Hinter ihm verlassen die letzten Kursteilnehmer*innen mit Matte unterm Arm das lichtdurchflutete Studio, von draußen dringt Gezwitscher herein. Ulrich betreibt seit 2013 das Peace Yoga Berlin in der Glogauer Straße, einen zweiten Standort gibt es in der nahen Eisenbahnstraße. „Früher kamen die Leute mehr über Zehnerkarten oder eine Monatsmitgliedschaft“, erzählt er auf dem Studiosofa. Das ist vorbei. Neue Studios berichten, bis zu 90 Prozent ihrer Teilnehmer*innen über Aggregatoren zu generieren.