Georgios Kefalas / KeystoneJames Murdoch, der schwerreiche Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch, ist seit über fünf Jahren Hauptaktionär des Messebetreibers MCH. Eine Antwort darauf, wie sich die meist verwaisten Ausstellungshallen in Basel beleben liessen, bleiben auch seine Leute schuldig.21.07.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenVon oben betrachtet, wirken manche Probleme weniger gravierend. Andrea Zappia, Verwaltungsratspräsident und interimistischer CEO des Basler Messebetreibers MCH, hat sein Büro im 28. Stock des Messeturms.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der prächtige Blick aus seinem Eckbüro reicht bis weit in den Schwarzwald. Wenn man steil nach unten schaut, rücken aber auch – klein wie Bauklötze – die Messehallen ins Blickfeld.Andrea Zappia hat beim Basler Messebetreiber MCH zwei Hüte auf. Er ist Verwaltungsratspräsident und seit über 15 Monaten auch interimistischer CEO.Georgios Kefalas / Keystone«Wir tun alles, um die Hallen zu füllen»MCH besitzt in Basel fünf Hallen. Dazu gesellen sich über zwei Dutzend Ausstellungs- und Konferenzräume, einschliesslich des Basler Kongresszentrums. Die Messehallen sind für Zappia die grosse Herausforderung. «Wir tun alles, um die Hallen zu füllen», sagt er im Gespräch mit der NZZ.Früher bestimmten die grossen Fach- und Publikumsmessen den Puls im Messequartier. Veranstaltungen wie die Muba oder die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld lockten jährlich Tausende von Besucherinnen und Besuchern an. Beide Veranstaltungen gibt es nicht mehr.Seit den Pandemiejahren ist das Geschäft noch schwieriger geworden. «Die Nachfrage nach Kongressen ist gross. Das Kongresszentrum ist nahezu ausgelastet. Im Messegeschäft haben wir es mit härteren Bedingungen zu tun», sagt Zappia.Manager mit zwei HütenDer Italiener, der noch immer von Mailand nach Basel pendelt, übernahm 2021 das Präsidium im Verwaltungsrat. Im März vergangenen Jahres wurde ihm auch die Geschäftsführung übertragen. Der bisherige CEO musste seinen Posten innerhalb von sechs Tagen räumen. Es hiess, Zappia löse ihn nur interimistisch ab. Doch über 15 Monate später hat der Manager noch immer zwei Hüte auf.Zappias Aufstieg zum starken Mann bei MCH ist kein Zufall. Der Manager gilt als enger Vertrauter von James Murdoch, dem grössten Aktionär von MCH. Der Milliardär und Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch war 2020 im Rahmen einer Kapitalerhöhung beim Messebetreiber eingestiegen.Weil wegen der Pandemie alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten, war MCH in schweres Fahrwasser geraten. 2022 benötigte der Messebetreiber eine weitere Finanzspritze. Murdoch schoss abermals Geld ein. Inzwischen kontrolliert er fast 42 Prozent des Kapitals.Auch Zappia ist mit eigenem Geld eingestiegen. Seine Beteiligung liegt bei 1,2 Prozent, was ihn laut dem Informationsdienst Bloomberg zum drittgrössten Aktionär von MCH macht. Der Kanton Basel-Stadt hält 37,5 Prozent.Der Messeturm, in dem sich unter anderem auch die Zentrale von MCH befindet, wurde 2003 fertiggestellt. Er war acht Jahre lang das höchste Hochhaus der Schweiz.Georgios Kefalas / KeystoneVerbunden auch via die TV-Gruppe SkyMurdoch und Zappia kennen sich seit vielen Jahren. Der Italiener begann, nachdem er zunächst für den amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble sowie für die beiden Sportwagenhersteller Ferrari und Maserati tätig gewesen war, 2003 für den Fernsehsender Sky Italia zu arbeiten. 2011 wurde er zum CEO befördert.Die TV-Gruppe Sky, deren Hauptmarkt neben Italien Grossbritannien ist, gehört zum Medienimperium der Murdoch-Familie. James Murdoch leitete bis 2012 das Unternehmen selbst. Wie eng Zappia nach wie vor mit Sky verbunden ist, zeigt sich darin, dass er auch dem Aufsichtsgremium von Sky Showtime, einem Joint Venture zwischen der TV-Firma und dem Filmproduzenten Paramount Global, vorsteht.Gefragt, ob er sich monatlich, wöchentlich oder sogar täglich mit Murdoch über MCH austausche, winkt der Manager ab: Die Gespräche konzentrierten sich auf die sechs Verwaltungsratssitzungen im Jahr. Murdoch gehört dem heute sechsköpfigen Verwaltungsrat von MCH seit Ende 2020 an. Zappia sagt, er führe zudem einmal im Monat informelle Gespräche mit den Verwaltungsratsmitgliedern der beiden Hauptaktionäre.James Murdoch (im Bild mit seiner Frau Kathryn) sorgt bei MCH für Glamour. Der britisch-amerikanische Milliardär stieg 2020 beim Unternehmen ein und gehört seither auch dem Verwaltungsrat an.Pascal Le Segretain / GettyAufregung wegen «Basler WEF»Bis vor kurzem dominierte in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass sich der vielbeschäftigte Geschäftsmann und Mäzen James Murdoch für die Geschäfte von MCH nur marginal interessiert. In Basel ist der New Yorker selten anzutreffen, auch weil manche der Verwaltungsratssitzungen nur virtuell stattfinden.Im März berichteten Medien aber auf einmal darüber, dass Murdoch zusammen mit seiner Frau Kathryn in Basel eine Art Konkurrenzveranstaltung zum Davoser Weltwirtschaftsforum plane. Das amerikanische Magazin «Vanity Fair» wurde auf das Vorhaben aufmerksam, nachdem die Amerikanerin Rachel Goslins auf Linkedin gepostet hatte, sie verlasse ihre Führungsposition bei der Denkfabrik Milken Institute, um sich dem «Basel Project» zuzuwenden.Goslins heuerte als Chefin einer anderen amerikanischen Denkfabrik, des Futurific Institute, an. Dieses ist eng mit Kathryn Murdoch verbunden. Auf der Website der Organisation, wo sich auch der Artikel aus der Zeitschrift «Vanity Fair» findet, wird Murdoch als Mitgründerin genannt.Auf der Suche nach dem richtigen FormatAn was für einer Veranstaltung Goslins im Rahmen des «Basel Project» arbeitet, liegt noch immer im Dunkeln. Dem Vernehmen nach soll der Anlass Meinungsmacher aus unterschiedlichen Kreisen wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft zusammenführen. Anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen ist offenbar auch geplant, die breite Öffentlichkeit einzubeziehen.Zappia sagt, es sei viel zu früh, um über das Format zu sprechen. Man habe es ohnehin schon einmal gewechselt und werde es wohl noch einmal ändern. «Das ist bei jedem neuen Anlass so, der den Anspruch hat, etwas Innovatives und Einzigartiges zu schaffen.»Klar ist, dass MCH und Lupa, die Beteiligungsgesellschaft des Ehepaars Murdoch, zu je 50 Prozent am Erfolg der Veranstaltung partizipieren. Goslins leitet das Projekt von den USA aus. Unterstützt wird sie von einem Team, das laut Zappia zurzeit aus vier Leuten besteht.Was der Präsident von MCH auch sagen kann: Der Anlass wird nicht vor 2028 zum ersten Mal stattfinden. Im Mediencommuniqué zu seinem letztjährigen Geschäftsabschluss schrieb der Messeveranstalter noch, der Anlass werde, beginnend in Basel, erstmals 2027 durchgeführt. «Dieser Hinweis war falsch», sagt Zappia.MCH verfügt in Basel über fünf Messehallen. Die Gebäude stehen seit Jahren die meiste Zeit leer.Erich Meyer / ImagoVerluste von über 400 Millionen Franken angehäuftMCH hatte jahrelang nichts als Verluste ausgewiesen. Zwischen 2017 und 2023 resultierte ein Fehlbetrag von insgesamt 420 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr gelang es dem Unternehmen zum zweiten Mal in Folge, einen Überschuss zu erzielen. Der Gewinn erhöhte sich von 3 auf knapp 19 Millionen Franken.Der Turnaround steht aber weiterhin auf tönernen Füssen. Der Messebetreiber verdankte den letztjährigen Überschuss hauptsächlich dem Verkauf der Liegenschaft einer Tochterfirma in Effretikon. Diese brachte einen Mittelzufluss von 14 Millionen Franken.Sieht man von der Art Basel ab, fehlen dem Unternehmen aber weiterhin zugkräftige Grossveranstaltungen. Die weltweit führende Kunstmesse hat den Strukturwandel im Messegeschäft ohne grosse Blessuren überstanden und ist mittlerweile auch erfolgreich in Miami, Paris und Hongkong mit Ablegern vertreten.Auch im angestammten Bereich Uhren versucht MCH mit der Basilia-Messe ab nächstem Jahr zwar, eine neue Bühne für die Promotion vor allem von Schmuck zu schaffen. Aber man räumt selbst in der Zentrale der Basler Firma ein, dass die neue Messe bei weitem nicht die Dimensionen der früheren Baselworld erreichen werde.Weiterer Verkauf von TafelsilberDie Erfolgsrechnung dürfte auch im laufenden Jahr von einem Sondereffekt profitieren. MCH veräussert das bisherige Parkhaus auf dem Basler Messeareal der Immobilienfirma HRS. Diese will es abreissen und durch ein Hochhaus mit insgesamt 410 Wohnungen ersetzen.Am liebsten würde MCH das gesamte Immobilienportfolio abstossen. Dann wäre das Unternehmen auch nicht mehr mit millionenschweren Abschreibungen konfrontiert, wie sie in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Wertberichtigungen verbucht werden mussten.In fast allen grossen europäischen Messestädten sind das Geschäft der Messebetreiber und die Immobilien getrennt organisiert. In Mailand etwa gehörten die Liegenschaften einer Stiftung, sagt Zappia.Die Rundhofhalle ist mehr als siebzig Jahre alt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, gilt aber als stark renovationsbedürftig.Georgios Kefalas / KeystoneWas passiert mit der Rundhofhalle?Der grösste Klotz am Bein von MCH ist die Rundhofhalle. Der Präsident hofft allerdings, das stark renovationsbedürftige Gebäude in fünf Jahren dem Kanton Basel-Stadt überlassen zu können.Das baselstädtische Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt bestätigt auf Anfrage, dass der Vertrag für die derzeitige Nutzung im Baurecht Mitte 2031 auslaufe. Ob es zu einem «Heimfall der Halle» kommt, ist laut dem Departementsvorsteher, Regierungsrat Kaspar Sutter, aber offen. Sutter weist darauf hin, dass ohne die Rundhofhalle die Durchführung der Art Basel kaum vorstellbar sei.Allerdings könnte man bei MCH auch zu dem Schluss kommen, sich bei der künftigen Ausrichtung der Art in Europa auf Paris zu konzentrieren. Vor diesem Szenario fürchtet man sich in der Stadt am Rheinknie seit Jahren. Auch der Investor James Murdoch hat die Bedenken bis anhin nicht glaubhaft aus dem Weg geräumt.Passend zum Artikel