KommentarFrauen mit Bart klagen Zutritt in die Frauenbadi ein, politische Provokateure tricksen das Selbstbestimmungsgesetz aus: Die Geschlechtsänderung wird zum GaudiHeute kann man das eingetragene Geschlecht ohne Aufwand ändern. Das wird missbraucht. Die Selbstdeklaration führt sich selbst ad absurdum. Die Hürden müssen wieder höher werden.21.07.2026, 05.35 Uhr6 LeseminutenManchmal wollen Frauen ganz für sich bleiben: Wer mit einem Männerkörper in ein Frauen-Bad geht, reizt die gesetzlichen Grenzen aus.Andreas Becker / KeystoneIn einem staatlichen Dokument wie dem Pass oder der Identitätskarte sind unumstössliche Fakten vermerkt. Darin steht der Name des Dokumentinhabers, sein Geburtsdatum, sein Wohnort, seine Nationalität. Auch erfährt man, ob die Person als Frau oder als Mann geboren wurde. Der Ausweis bildet die Wirklichkeit ab.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch seit man in der Schweiz und in Deutschland in einem vereinfachten Verfahren seinen Geschlechtseintrag im Personalausweis ändern kann, verdrängt die Fiktion die einst amtlich beglaubigte Tatsache.Was jetzt zählt, ist das Gefühl und nicht mehr die biologische Realität. Diese kann man jederzeit per Selbstdeklaration korrigieren lassen. Der Staat hilft dabei.Seit der Gesetzesänderung sorgt dieses kleine Dokument immer wieder für Aufruhr. Es zwingt die Öffentlichkeit dazu, eine Person als Mann oder als Frau zu behandeln, selbst wenn das äussere Erscheinungsbild dem eingetragenen Geschlecht widerspricht.Dass dabei jedes Mal eine beträchtliche Anzahl Unbeteiligter in Mitleidenschaft gezogen wird, vor allem Frauen, scheint unerheblich. Die Rechte der Mehrheit gelten weniger. Die einzelne Person mit ihren Interessen geht vor.Die Polizei ist der SündenbockAls Frauen zweiter Klasse mussten sich die weiblichen Badegäste fühlen, die Ende Juni im FKK-Bereich für Frauen im Berner Marzili-Bad einen Mann gesichtet haben. Sie sahen falsch: Die Person war zwar äusserlich als Mann «zu lesen»: Bart, Körperbehaarung, Penis. So berichteten es Besucherinnen. In Wahrheit handelte es sich um eine amtlich registrierte Transfrau, die keine geschlechtsangleichenden Operationen vorgenommen hatte. Brüste fehlten, dafür betonte ein Stringtanga den Intimbereich.Da einige anwesende Frauen sich an ihr störten, sich die Transfrau aber weigerte, die Badi zu verlassen, rief das Personal die Polizei. Die 27-jährige Person war so renitent, zudem ermutigt durch einige Unterstützerinnen, dass sie abgeführt wurde.Was folgte, ist Stoff für einen Schwank. Deshalb machte der Vorfall auch schweizweit Schlagzeilen. Es gab Proteste von queerfeministischen Aktivistinnen, der Polizei wurde «transfeindliche Gewalt» vorgeworfen, sie sei in einen «geschützten Raum» eingedrungen. Die Stadt Bern schloss sich der Kritik an, entschuldigte sich bei der Transfrau und sagte, dass im Zweifelsfall das amtliche Geschlecht im Ausweis gelte.Die Bad-Mitarbeiter wurden zu einer Schulung für «queersensiblen Umgang» verdonnert. Die Frauen, die keine Männerkörper in der Frauenbadi möchten, belehrte man, dass «negative Gefühle» durch «persönliche Begegnungen» weniger bedrohlich würden. Die zuständige Beamtin der Stadt Bern sinnierte über «sanfte Rückzugsorte» für Frauen beim FKK – geschützt durch Pflanzentöpfe.Das Aufsehen, das der Fall öffentlich erregte, galt gewiss nicht dem phantasievollen Gestaltungskonzept zum Schutz von Frauen. Selbst Leute, die das Wort «Gender-Gaga» als rechtspopulistischen Kampfbegriff ablehnen, machte der Vorgang sprachlos. Für die meisten ist es eine Farce: ein lächerliches, unwürdiges Schauspiel.Narzisstische SelbstinszenierungEs ist nicht bekannt, ob die Berner Transfrau ihre Geschlechtsänderung bewusst ausnutzte und mit einem Gefühl des Triumphs, vielleicht sogar der Macht, ins Marzili spazierte, nachdem sie ihren Ausweis vorgezeigt hatte. Die Betroffene, so teilte ihr Umfeld mit, soll das Erlebnis «traumatisiert» haben.Es zeugt von Exzentrik, mit einem Männerkörper in ein Frauenbad zu gehen, selbst wenn man sich als Frau definiert. Das Marzili-Bad an der Aare in Bern.Anthony Anex / KeystoneWas man mit Gewissheit sagen kann: Hier hat jemand ein Gesetz ausgereizt, das zum Missbrauch geradezu einlädt. Warum muss jemand mit einem Männerkörper einen Ort aufsuchen, der Frauen vorbehalten ist? Und dabei auch noch seine männlichen Geschlechtsmerkmale zur Schau stellen?Man kann nicht anders, als darin eine Provokation zu sehen, zumindest eine Rücksichtslosigkeit. Am Ende schadet das Verhalten jenen Transmenschen, die tatsächlich einen Leidensdruck haben und deren Anliegen durch solche Aktionen ins Lächerliche gezogen werden.Davon distanzieren sich oft gerade ältere Transpersonen, die ihr Geschlecht angeglichen haben, als es noch kein Selbstbestimmungsgesetz gab. Sie möchten vor allem eines: möglichst unauffällig und in Ruhe leben.Die ehemalige Transfrau Chris Brönnimann sagte zum Marzili-Eklat: Während der Transition hätte er sich nie in eine Frauenbadi gewagt: «aus Respekt vor Frauen».Stattdessen zeugt das Vordringen in geschützte Frauenräume von Exzentrik. Man will auffallen und findet eine narzisstische Befriedigung dabei. Die Behörden werden überrumpelt, vorgeführt und blossgestellt. Manchmal zeigen sie auch eine befremdliche Bereitschaft, sich zu beugen, so wie in Bern.Der Neonazi und die deutsche JustizDer Deutsche Sven Liebich macht kein Geheimnis daraus, dass seine Transidentität vorgetäuscht ist. Der verurteilte Neonazi, der früher mit queerfeindlichen Äusserungen aufgefallen ist, missbraucht das Selbstbestimmungsgesetz, um so auf dessen fragwürdige Folgen hinzuweisen. Und also auf das Missbrauchspotenzial.Marla-Svenja Liebich, wie sich der 55-Jährige nach der amtlichen Geschlechtsänderung nennt, narrt die deutsche Justiz. Er wird auch seine Freude daran haben, dass die meisten Medien das Theater mitmachen und seinen weiblichen Vornamen samt Pronomen verwenden. Dazu wird oft ein Foto von Liebich gezeigt im Leoprint-Shirt, mit roten Lippen, Schnauz und Geheimratsecken.Dass sich die Medien sprachlich verdrehen, hat mit dem Offenbarungsverbot zu tun: Die Enthüllung des früheren Geschlechts kann in Deutschland eine Geldbusse zur Folge haben.Vergangene Woche wurde Liebich, der unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt ist, von Tschechien nach Deutschland ausgeliefert. Die «untergetauchte Rechtsextremistin», wie es in der «Tagesschau» der ARD hiess, solle vorerst ins Frauengefängnis in Chemnitz verlegt werden.Das war wohl das Ziel seines Geschlechtswechsels. Liebich fürchtet angeblich, in einem Männergefängnis umgebracht zu werden. Das könnte ihm nun dennoch blühen, sollte ihm die Geschlechtsänderung wegen Täuschung aberkannt werden.Wie inhaftierte Frauen es finden, einen biologischen Mann als Mitinsassen zu haben: Dafür fehlt Liebich jede Empathie. In den USA sind mehrere Fälle bekannt, in denen biologische Männer, die sich als weiblich identifizierten und in Frauengefängnisse kamen, Mitinsassinnen sexuell genötigt und vergewaltigt haben.Man muss in Liebich nicht gerade einen Performancekünstler sehen wie die «Welt». Indem er Behörden und Justiz aber dermassen beschäftigt hält, entlarvt er die Schwächen des Selbstbestimmungsrechts.Fehlende psychologische AbklärungHätte man damals auf dem Standesamt Liebichs Antrag auf eine Änderung des eingetragenen Geschlechts geprüft und nach seiner Motivation gefragt, wäre es womöglich nicht zu diesem Katz-und-Maus-Spiel gekommen.Sowohl in Deutschland wie in der Schweiz braucht es kein psychiatrisches Gutachten und kein Gerichtsverfahren mehr, wenn jemand das «m» im Pass durch ein «f» ersetzen lassen will und umgekehrt. Früher war das erforderlich.Das Prozedere heute ist unkompliziert und auch psychologisch niederschwellig. Denn die Beamten sind angehalten, keine persönlichen Gründe zu erfragen. Niemand soll pathologisiert werden, Transidentität ist keine Störung mehr. Bereits ein Anflug von Misstrauen könnte als diskriminierend empfunden werden.Man zahlt 75 Franken beziehungsweise 40 bis 100 Euro und weist den Pass oder eine Identitätskarte vor. Änderung des Vornamens nicht zwingend.Eine Klimaanlage erfordert mehr BürokratieDer Zürcher Journalist Pierre Moret veralberte die Behörden im letzten Sommer mit derselben Absicht wie Liebich: Er wollte den Staat «mit dem Unsinn konfrontieren, den er in seinen Gesetzen festschreibt».Er änderte sein Geschlecht auf dem Papier und wollte als «Frau Pierre» in die Frauenbadi. Er wurde abgewiesen. Auch dieser Fall zog Kreise, da Moret sich bei der Fachstelle für Gleichstellung beschwerte.Auf dem Zivilstandsamt wurde Moret von der «netten Beamtin» gesagt, dass er seinen Eintrag jederzeit wieder ändern könne. Mehr wollte auch sie von dem Bären von einem Mann in Boots nicht wissen.Die Naivität befremdet umso mehr, wenn man bedenkt, was für ein bürokratischer Aufwand es ist, einen Stipendienantrag zu stellen, eine Klimaanlage an der Hausfassade anzubringen oder eine Katze aus dem Tierheim zu adoptieren. Geht es um die viel folgenreichere juristische Neuerfindung der eigenen Person, ist jegliche staatliche Neugier tabu.Der Unmut der ÖffentlichkeitEs braucht wieder höhere Hürden. Schon der gesunde Menschenverstand erfordert es, kritisch nachzufragen, sobald eine Frau mit Bart das Zivilstandsamt betritt. Indem wieder gründlicher geprüft wird, was jemanden zu dem Schritt bewegt, schützt man das Gesetz vor Missbrauch. Nur so findet man heraus, ob die Änderung des Geschlechts aus innerer Notwendigkeit erfolgt oder ob jemand nur provozieren will.Solche Vorbehalte mögen für Betroffene, die es mit ihrer Transition ernst meinen, demütigend klingen. Aber es wäre in ihrem Sinn, die Akzeptanz von Transmenschen in der breiten Bevölkerung nicht zu verspielen.Fliegt ein Gesetzesmissbrauch auf, zeigen die Reaktionen der Öffentlichkeit, was eine Mehrheit von der Selbstdeklaration hält. Sie hat kein Verständnis für Egozentriker, die die Grenzen des Gesetzes austesten und so das Personal von Saunen, Badeanstalten, Frauenhäusern, Gefängnissen und Spitälern in Nöte bringen.In der Männerbadi in Zürich, wo Frauen keinen Zutritt haben, schlägt man sich während Festivals wie der Pride oder Street Parade nicht nur mit berauschten Männern herum. Hier erlebt man es umgekehrt: Frauen fordern Einlass, die sagen: «Ich fühle mich als Mann.» So schreibt es die «Zeit». Die Männerbadi löst das Problem pragmatisch: Sie schliesst während dieser Tage für alle die Tür.Es mögen Einzelfälle sein, die jedes Mal für Aufruhr sorgen. Davon betroffen ist die Mehrheit, die dann auch draussen bleibt.66 KommentareUli Hofer HeuteEs gibt keine Frauen mit Bart.Maria Joli-Bernarding Gestern2 EmpfehlungenDie Medien machen den Zirkus leider zu oft mit. Es ist ja gerade die Groteske, die zum Beschreiben reizt. Die Journalisten vergessen dabei, dass genau solche Themen „die Rechten“ stark machen. Und: Wer solche Gesetze macht, müsste bei jedem Missbrauch mit vollem Namen und Foto abgebildet werden. Bildtext: Das unwürdige Theater um Sex, Trans und Firlefanz haben Sie DIESER PERSON zu verdanken!Passend zum Artikel
Geschlechtsänderung als Gaudi: Das Selbstbestimmungsgesetz führt sich selbst ad absurdum
Heute kann man das eingetragene Geschlecht ohne Aufwand ändern. Das wird missbraucht. Die Selbstdeklaration führt sich selbst ad absurdum. Die Hürden müssen wieder höher werden.









