PfadnavigationHomeWeltplusBackstageGeschichte80 Jahre WELT – 80 Geschichten aus acht JahrzehntenVeröffentlicht am 08.04.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: picture alliance/imageBROKER, Martin U. K. Lengemann/WELT; Montage: Infografik WELT/skWir feiern Geburtstag: Im April 1946 startete WELT, damals von Hamburg aus, als überregionale und überparteiliche Zeitung für ganz Deutschland.Mit einer 80-teiligen Serie erinnert das Geschichtsressort der Redaktion, das natürlich WELTGeschichte heißt, an die vergangenen acht Jahrzehnte, jeweils mit einem wesentlichen Ereignis des entsprechenden Jahres und wie es in WELT abgebildet wurde.Wie aber entsteht so eine Serie, oder allgemeiner gefragt: Wie arbeitet WELTGeschichte? Das Ressort besteht aus zwei Redakteuren, dem Amerikanisten und Kulturhistoriker Martin Klemrath sowie mir, dem Zeithistoriker Sven Felix Kellerhoff. Eng mit unserem Kernteam verbunden ist weiterhin als freier Autor der promovierte Historiker Berthold Seewald, der nach seinem Berufsleben als WELT-Redakteur im Feuilleton und verwandten Ressorts Anfang 2023 in den Ruhestand ging – seit 2012 hatten wir gemeinsam WELTGeschichte zum eigenständigen Online-Kanal ausgebaut.Unsere Themen finden wir auf unterschiedlichen Wegen. Da sind einmal aktuelle Entwicklungen, die wir historisch einordnen oder mit Hintergrundinformationen kontextualisieren. Aktuelle Beispiele dafür sind etwa ein Artikel über Sklaverei im Islam aus Anlass einer stark auf den transatlantischen Menschenhandel konzentrierten UN-Resolution oder ein Nachruf auf die Actionfilm-Ikone Chuck Norris. Solche kurzfristig auftretenden Themen sind gewissermaßen die Königsdisziplin: Man muss in kurzer Zeit aus vorhandenem Wissen und seriös recherchierten ergänzenden Informationen einen Beitrag schaffen, der Bestand hat, denn das Netz vergisst nichts.Lesen Sie auchDer Hauptteil aller WELTGeschichte-Artikel gehört jedoch zu einer anderen Gruppe – wir nennen sie die mittelfristigen Themen. Sie sind mindestens tage-, oft sogar wochenlang im Voraus planbar, denn meist beruhen sie auf demnächst erscheinenden Büchern oder wissenschaftlichen Aufsätzen, auf Ausstellungen oder auf Filmen, die ins Kino kommen. Da in diesen Fällen häufig uns persönlich bekannte Fachleute – etwa die Autoren selbst oder Verlagslektoren – für die Qualität der Recherche bürgen, erfordern solche Themen weniger Überprüfungen. Gleichwohl verlässt sich WELTGeschichte niemals auf nur eine Darstellung, sondern zieht zusätzliche Quellen und Literatur heran. Beispiele sind etwa ein neues Buch über die Kaiserin Messalina oder über Alkoholkonsum (und Alkoholmissbrauch) in der DDR.Aus Kapazitätsgründen nur relativ selten kann das WELTGeschichte-Team langfristige Themen angehen, was in der Regel eigene Archivrecherchen, oft einschließlich Dienstreisen, bedeutet. Solche Inhalte bringen wir zuerst auf der Geschichtsseite der WELT AM SONNTAG und anschließend online. Die Spanne ist breit, sie reicht von den im Bombenkrieg offengelegten antiken Resten in europäischen Städten bis zu Konrad Adenauer in seiner Zeit als Kölner Oberbürgermeister. Für die kommenden Monate können sich WELTGeschichte-Leser freuen auf exklusive Recherchen über einen seinerzeit einflussreichen, heute gleichwohl vollkommen vergessenen NSDAP-Dissidenten oder das skandalöse Vorhaben einer Stadt in den „neuen Bundesländern“, einen Stasi-Spitzel zum Namenspatron eines Platzes zu machen.Lesen Sie auchUnd wie ist es nun mit der Serie zu 80 Jahren WELT? Ein solches Großprojekt passt in keine der üblichen Kategorien. Seit September 2025 arbeitet WELTGeschichte in Absprache mit der Chefredaktion und dem Unternehmensarchiv der Axel Springer SE daran. Zugutekommt uns dabei, dass ich bereits seit dem Jubiläum 2006 an entsprechenden Vorhaben beteiligt war. Doch das lässt sich nicht einfach wiederholen – also musste ein komplett neues Konzept her.Während wir 2006 auf jeweils einer Doppelseite Auszüge aus WELT-Kommentaren des jeweiligen Jahrzehnts abdruckten, die zusammen wie ein Kaleidoskop ein Bild der Zeit aus Sicht unserer Redaktion ergaben, greifen wir diesmal für jedes Jahr ein zentrales Ereignis heraus. Dieses schildern wir einerseits so, wie es unsere damaligen Kollegen in der Redaktion sahen, andererseits aus der Perspektive der naturgemäß besser informierten nachgeborenen Beobachter. Was WELTGeschichte zum 100. Jahrestag der WELT ab April 2046 machen wird, entscheiden wir – oder unsere Nachfolger – im Herbst 2045.Herzliche GrüßeSven-Felix Kellerhoff, Leitender Redakteur für Zeit- und KulturgeschichteDieser Beitrag entstand am 08. April 2026 in unserer Reihe „Backstage“, in der wir in zweiwöchigem Rhythmus den WELTplus-Abonnenten die Arbeit in der Redaktion vorstellen. Alle 14 Tage verschaffen wir Ihnen besondere Einblicke in den Redaktionsalltag wie diesen hier.