Mit dem Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionschef ist der Kanzler einen seiner größten Konkurrenten los. Das eröffnet ihm die Chance für weitere Befreiungsschläge.
I m hellen Anzug, vor vorbeiziehenden Segeljollen – dafür, dass sich in der Unionsfraktion gerade ein Tsunami ereignet hatte, wirkte Friedrich Merz bemerkenswert gelöst beim ZDF-Sommerinterview. Auf die Frage nach einem möglichen Kabinettsumbau antwortete er sogar ziemlich beschwingt: „Ja, das könnte eine Gelegenheit sein.“
Bei aller zur Schau gestellten Betroffenheit über den Fall seines wichtigsten Mannes – für den Kanzler bietet der Rücktritt von Jens Spahn tatsächlich die Gelegenheit, seinen engsten Machtzirkel neu zu ordnen. Das heißt: Fraktion und Regierung anders aufstellen und die eigene Position festigen.
Zwar hatte Spahn sich in den vergangenen Monaten vom durch Maskenaffären geschwächten Wackelkandidaten zum unverzichtbaren Pfeiler der schwarz-roten Machtarchitektur gewandelt. Doch hundertprozentig vertraut hat der Kanzler seinem zurückgetretenen Fraktionschef nie, das war immer wieder zu hören und auch zu spüren.
Zu ehrgeizig, zu machtbewusst war Spahn selbst, seine Ambitionen sich neben Merz als der bessere Manager zu präsentieren, blieben keiner politischen Beobachterin verborgen. Einen seiner größten Konkurrenten ist Merz nun los, das eröffnet ihm die Chance für weitere Befreiungsschläge.










