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E-Commerce: Lieferdienst Picnic macht Rewe die Marktführerschaft streitig Der Lebensmittel-Lieferdienst ist im Heimatmarkt Niederlande erstmals profitabel – und will das bald auch in Deutschland schaffen. Nun steht der Start in einer weiteren Großstadt an.

Lieferung von Picnic: „In allen großen deutschen Metropolen vertreten.“ Foto: PicnicDüsseldorf. Picnic-Mitgründer Michiel Muller hat einen klaren Fokus: Mit seinem Lieferdienst will er in Deutschland den nationalen Champion Rewe vom ersten Platz verdrängen. Und im Grunde sieht er sich schon am Ziel.„In den Regionen, in denen wir aktiv sind, sind wir der führende Anbieter für die Lieferung von Lebensmitteln“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. In einer Pressemitteilung formulierte es das niederländische Unternehmen jüngst noch plakativer: Da feierte es sich schon als „Marktführer“ in Deutschland.Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen, zeigen, mit welchem Tempo der Lebensmittellieferdienst wächst. So hat er in Deutschland 774 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Plus von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt das Unternehmen sogar über seiner eigenen Prognose, die 750 Millionen Euro betragen hatte.Dabei ist das Start-up erst 2018 in Deutschland gestartet und hat sich lange auf Nordrhein-Westfalen konzentriert. Doch nun folgt Schlag auf Schlag die bundesweite Expansion. Nach Berlin, Hamburg, Stuttgart und Leipzig folgte jetzt der Start in München. „Damit sind wir in allen großen deutschen Metropolen vertreten“, sagt Muller.„Wir sehen hier ein riesiges Potenzial für unser Geschäft“, sagt Muller. Picnic werde in Deutschland die Regionen erweitern und neue Städte erschließen.Automatisierung ist „Schlüssel zur Profitabilität“Ob Picnic tatsächlich Marktführer ist, lässt sich nur schwer überprüfen, weil Rewe keine Zahlen für seinen Lieferdienst veröffentlicht. Geschätzt wird das E-Commerce-Geschäft Rewes auf etwa eine Milliarde Euro. Aber darin ist ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag für den Umsatz im Abholdienst enthalten, bei dem die Kunden zwar online bestellen, aber die Waren im Laden abholen.Picnic-Co-Gründer Muller: „Die Marke von einer Milliarde Euro erreichen.“ Foto: Piroschka van de WouwDoch spätestens im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Wechsel an der Spitze der Lieferdienste stattfinden, denn Picnic wächst im gleichen Tempo weiter. „Ende des Jahres wird der Umsatz in Deutschland auf das Jahr hochgerechnet die Marke von einer Milliarde Euro erreichen“, prognostiziert Muller. Und Rewe konzentriert sein Wachstum nach eigenen Angaben stärker auf den Abholdienst, um den vor 14 Jahren gestarteten Geschäftszweig operativ profitabel zu bekommen.Picnic ist das im Heimatmarkt Niederlande nun erstmals gelungen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist das Unternehmen dort einen operativen Gewinn (Ebitda) von vier Millionen Euro aus. „Das ist natürlich sehr wichtig für uns, weil es zeigt, dass unser langfristiger Plan funktioniert“, sagt Muller. In Deutschland will er in wenigen Jahren auch profitabel sein.Unter dem Strich ist Picnic zwar noch defizitär, der Verlust in der Gruppe schlug 2025 mit 227 Millionen Euro zu Buche, bei einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Doch das liegt an hohen Investitionen in den Expansionsmärkten Deutschland und Frankreich. So hat allein der Bau des automatisierten Lagers in Oberhausen rund 150 Millionen Euro gekostet. Weitere automatisierte Lager in Berlin und Hamburg sind in der Planung.Gerade die Automatisierung der Lager ist für Muller „der Schlüssel zu einer nachhaltigen Profitabilität“, wie er sagt. Mit der Erhöhung des Automatisierungsgrads verbessere sich stetig die Profitabilität.Automatisiertes Lager von Picnic in Oberhausen: Investition von 150 Millionen Euro. Foto: PicnicAuch E-Food-Experte Matthias Schu von der Hochschule Luzern ist davon überzeugt, dass Picnic es schaffen kann, im deutschen Markt in die schwarzen Zahlen zu kommen. „Das Modell hat aus meiner Sicht großen Charme und kann nachhaltig betrieben werden“, sagt er.Geschafft hat das bisher noch kein Unternehmen. Lieferdienste wie Gorillas und Getir mussten trotz hoher dreistelliger Millionenfinanzierungen aufgeben, das von Rewe unterstützte Start-up Flink musste sein Geschäft massiv schrumpfen und ist weit von der Profitabilität entfernt. Auch der drittgrößte Lieferdienst in Deutschland, Knuspr, ist noch in den roten Zahlen.Partner Edeka gibt Kapital für die ExpansionDer Erfolg von Picnic hat neben der Lagerautomatisierung eine Reihe von weiteren Gründen. Einer ist das Geschäftsmodell: So gibt es bei Picnic keine freie Wahl der Lieferzeiten, sondern das Unternehmen fährt feste Routen und kann dadurch die Fahrzeuge besser auslasten.Auch fokussiere sich Picnic auf die App, in der man die Kundschaft direkt adressiere und auch eine hohe Frequenz an Wiederholungskäufen schaffe, erklärt Experte Schu. „Zudem hat man unzählige Daten über den Kunden, die man zur Optimierung nutzen kann“, sagt er. Verwandte Themen DeutschlandREWEEdekaBerlinHamburgNiederlande430Millionen Eurohat Picnic im Herbst 2025 bekommen, ein großer Teil davon stammt von Edeka.Und nicht zuletzt hat Picnic einen starken Partner: So ist der größte deutsche Lebensmittelhändler Edeka direkt an Picnic beteiligt, der Anteil soll mittlerweile bei mehr als 30 Prozent liegen. Bei der Finanzierungsrunde im vergangenen Herbst über 430 Millionen Euro kam ein großer Teil von Edeka. „Das gibt Picnic ein großes Cash-Polster an Risikokapital, um die Expansion voranzutreiben und Skaleneffekte zu erreichen“, sagt Schu.Nicht zuletzt sorgt Edeka als Großhändler dafür, dass Picnic ein großes Sortiment bieten kann. Ergänzt wird das seit Kurzem durch einen Bereich, den Picnic „Markthalle“ nennt: eine Auswahl von Angeboten lokaler Lieferanten, wie etwa Bauern, Fischhändlern oder Käseherstellern. Muller sagt: „Das erschließt uns neue Kundengruppen.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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