Die Geschichte von Delivery Hero beginnt 2008 mit der Feststellung des schwedischen Unternehmensberaters Niklas Östberg, dass die Bestellung von Pizza nach Hause kaum digitalisiert und via Telefon ein wenig umständlich ist. Östberg gründet daraufhin den Pizzalieferdienst „OnlinePizza“ und hat in Skandinavien damit viel Erfolg. 2011 tut sich Östberg mit Berliner Gründern zusammen, die eine ähnliche Idee verfolgten – und gründet mit ihnen Delivery Hero. Der Restaurantlieferdienst wächst rasant, übernimmt immer wieder kleinere Konkurrenten. 2017 geht Delivery Hero an die Börse, 2020 steigt das Unternehmen zwischenzeitlich in den Dax auf.Im vergangenen Jahr erzielte Delivery Hero einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro und war weltweit in 65 Märkten aktiv. In Deutschland galt Delivery Hero trotz anhaltend schwacher Profitabilität als Erfolgsgeschichte, bewies das Unternehmen doch, dass Deutschland nicht „nur“ Autos, Maschinenbau und Chemie kann, sondern auch in neuen Märkten international erfolgreiche Anbieter hervorbringen kann.Sicherlich hat Delivery Hero in den vergangenen Jahren immer wieder Fehler gemacht, gerade im Umgang mit Aktionären. Aber wenn man dem Gründer und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Östberg eines nicht vorwerfen kann, ist das zu viel Zurückhaltung. Delivery Hero hat von Beginn an aggressiv expandiert.Uber, Doordash und Meituan haben tiefere TaschenUnd trotzdem musste Östberg in den vergangenen Monaten feststellen, dass Delivery Hero im Wettbewerb mit den großen Konkurrenten Uber und Doordash aus den Vereinigten Staaten sowie Meituan aus China zu klein ist. Östberg hatte zuletzt nach zahlreichen Reibereien mit kritischen Aktionären schon seinen Rückzug angekündigt. Er sieht den Verkauf an Uber zu einer vernünftigen Unternehmensbewertung von 13 Milliarden Euro mutmaßlich als beste verbleibende Option an.Für Europa bleibt hingegen nur die Erkenntnis, dass es am Ende doch mal wieder am Kapital mangelt, um im Technologiesektor langfristig mit den ganz großen amerikanischen Plattformen mitzuhalten. Das gilt allen voran für Geschäftsmodelle, die sich direkt an Konsumenten richten und verhältnismäßig leicht zu kopieren sind. Langfristig größere Erfolgsaussichten haben europäische Start-ups mit tiefgreifenden technischen Innovationen, etwa in der Kernfusion oder im Quantencomputing.