Friedrich Merz spricht über Krisen gern so, als beobachte er sie von außen. Im ZDF-Sommerinterview war das beim Rücktritt von Jens Spahn besonders deutlich zu sehen. Der Kanzler wusste seit zehn Tagen, dass Spahn und sein Mann mithilfe einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten Eltern geworden waren. Er habe ihm zunächst „viel Glück“ für das Kind gewünscht und sich gedacht: „Hoffentlich geht er kommunikativ damit gut um und erklärt es gut.“

Merz respektierte Spahns Wunsch, die Nachricht selbst öffentlich zu machen. Menschlich spricht das für ihn. Politisch beließ er es offenbar aber auch dabei. Er fragte Spahn nach eigener Aussage nicht, wie er mit der absehbaren Debatte umgehen wollte. Er bereitete auch niemanden in der CDU darauf vor. Mit der Empörung habe er „nicht in diesem Umfang“ gerechnet. Sie habe „wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun und auch mit der Kommunikation“. Merz' Schuldiger? Jens Spahn. Und es soll weitere geben.

Die vielen Schuldigen des Friedrich Merz

Wie kann ein Kanzler so wenig Gespür dafür haben, wie seine eigene Partei reagieren würde? Die Union hatte sich erst wenige Monate zuvor erneut gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. Spahn hatte diese Position als Fraktionsvorsitzender mitgetragen, obwohl die Leihmutterschaft zu diesem Zeitpunkt bereits vereinbart war.