Seit den achtziger Jahren kämpfen ein Anwalt und ein Privatdetektiv im ZDF für Gerechtigkeit. Doch damit ist jetzt Schluss. Was sagt das über das heutige Fernsehen?Paul Jandl19.07.2026, 15.00 Uhr3 LeseminutenWas, wenn Polizisten und Staatsanwälte irren oder gar selbst korrupt sind? Dr. Renz (Günter Strack) und Detektiv Matula (Claus Theo Gärtner) im Jahr 1987.United Archives / kpa / ImagoAls im Jahr 1981 alles begann, hat man keinen Anwalt gebraucht. «100 Folgen, ok» stand ganz formlos auf der Restaurantrechnung des Fernsehproduzenten Georg Althammer. Gezeichnet war der kuriose Vertrag mit «C. T. G.». Damit war Claus Theo Gärtner zum Privatdetektiv Josef Matula avanciert. Es sollten schliesslich aber nicht nur hundert Folgen der Serie «Ein Fall für zwei» werden, für die der Schauspieler vor der Kamera stand, sondern dreihundert. 2013 war dann Schluss mit Matula. In der Rolle des Detektivs folgten harmlosere Charaktere nach.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jetzt scheint das öffentlich-rechtliche ZDF die Lust an der Serie verloren zu haben. Aus und vorbei. Zum Abschied gibt es 2027 noch eine Staffel mit vier Folgen und ein spielfilmlanges Special.Superreich neben ganz arm«Ein Fall für zwei» war ein deutsches Krimi-Kuriosum. Statt wie in «Der Kommissar», «Derrick» oder «Der Alte» die Moral ganz den staatlichen Ermittlern zu überantworten, gab es hier ein Gegenprogramm. Was, wenn Polizisten und Staatsanwälte irren oder gar selbst korrupt sind? Dafür war beim «Fall für zwei» das Doppelgespann aus Anwalt und Detektiv da. Zu Unrecht Verdächtigte oder unschuldig in der Zelle Schmorende wurden wieder in Freiheit gebracht.Ein seriöser, aber zu juristischen Winkelzügen fähiger Anwalt kooperierte mit einem halbseidenen, menschenfreundlichen Privatdetektiv. Der Umgang miteinander war rau, das Umgehen allzu kleinlicher Gesetze legitim, wenn es nur zum Ziel führte: den armen Schlucker vor der Macht öffentlichkeitsscheuer Kartelle oder heimtückischer Intimfeinde zu schützen. Die Stadt Frankfurt war dafür immer die ideale Kulisse. Superreich neben ganz arm. Das erste «Fall für zwei»-Duo bildete das am perfektesten auch selbst ab.Der onkelige Lebensgeniesser Dr. Renz alias Günter Strack war als Anwalt S-Klasse-Fahrer. Sein proletarischer Adlatus Josef Matula fuhr diverse Alfa Romeos zu Schrott. Der eine war ein schwerfälliger Perfektionist, der andere beherrschte die Ganovenrolle virtuos. In Blitzgeschwindigkeit konnte sich Matula zu Boden werfen und aus der Schusslinie rollen. Er konnte Zäune überspringen und bürgerliche Konventionen unterlaufen. Durch seine Kontakte in die Unterwelt war es möglich, denen da oben zeigen, wo der Hammer hängt. Beim ZDF hat man sich das am Anfang sehr amerikanisch gedacht, und es war auch ein bisschen links.Der ewige MatulaSelbst für eine Serie lief das immer ein bisschen seriell ab, auch wenn die Anwaltsdarsteller wechselten. Auf Günter Strack folgten Rainer Hunold, Matthias Herrmann und Paul Frielinghaus. Claus Theo Gärtner blieb sich als Josef Matula bis 2013 treu, wurde allerdings schon aus Altersgründen zur Vaterfigur für die allmählich wesentlich jüngeren Juristen, denen er zuarbeitete. Mit siebzig hat Gärtner die Rolle, für die zwei Dutzend Lederjacken zerschlissen hat, aufgegeben. In der Zahl der Auftritte übertraf Gärtners Matula sogar Horst Tapperts Oberinspektor Derrick. Endstand Reibeisenstimme gegen Tränensäcke: dreihundert zu zweihunderteinundachtzig Folgen.Vielleicht ist im Fernsehen die Zeit der Charakterköpfe vorbei. 2014 hat man beim «Fall für zwei» einen Neustart hingelegt, bei dem das Duo Antoine Monot als starkbärtiger Anwalt Benjamin Hornberg und Wanja Mues als Privatermittler Leo Oswald einander in bester Freundschaft und optischer Gegensätzlichkeit ergänzen. Stimmungsmässig ist es ein bisschen mehr Apfelwein-Frankfurt statt harter Bars, aber serienästhetisch sollte es dem Konzept nach richtig krachen. Schnelle Schnitte. Die Stadt als Moloch aus Glasfassaden. Die Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sind immer tough und sitzen in schicken Büros oberer Stockwerke.Mehr Apfelwein-Frankfurt statt harter Bars: Privatermittler Leo Oswald (Wanja Mues) und Anwalt Benjamin Hornberg (Antoine Monot).Daniel Dornhöfer / ZDFDamit ist es im nächsten Jahr vorbei, und man kann sich fragen, ob man die Serie vermissen wird. Das ZDF, so hört man, will seine Krimibestände durchforsten. Für den Freitagskrimi soll es «eine stärkere Fokussierung auf wenige Formate geben». Das muss nichts Schlechtes sein. Schaut man deutsches Fernsehen, hat man ohnehin das Gefühl, dass hinter jedem Busch ein Mörder lauert, der seinerseits von einem Kommissar samt Hilfskommissar belauert wird.Passend zum Artikel