Auf dem Buchcover von Wilhelm Herzogs „Menschen denen ich begegnete“ fallen einem gleich prominente Gesichter ins Auge: Lenin und Trotzki, Thomas Mann und Franz Werfel. Der Autor, ein bedeutender Publizist der Weimarer Republik, stammt aus einer jüdischen Berliner Familie und wurde 1933 ins Exil getrieben. Seine Werke sind seit vielen Jahrzehnten nicht lieferbar. Thomas B. Schumann, der das Buch nun in seiner Edition Memoria neu herausgebracht hat, fragen wir: Wie lesen sich Herzogs Erinnerungen heute?

Thomas B. Schumann: Die Erinnerungen in Form von Porträts des so vielseitigen und einst so einflussreichen Publizisten und Zeitschriftenherausgebers Wilhelm Herzog lesen sich nach wie vor sehr spannend und lebendig. Sie umspannen die Zeit von 1900 bis 1933, also die wilhelminische Ära und die Weimarer Republik. In einigen wenigen Fällen reichen die Texte auch darüber hinaus.

Herzog, 1884 in Berlin geboren, kannte nahezu alle Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, über die er authentisch und anschaulich schreibt, aus direkten Begegnungen: Walther Rathenau, Kurt Eisner, Max Liebermann, Frank Wedekind, Alfred Kerr, Rainer Maria Rilke, Paul Cassirer, Heinrich und Thomas Mann.

Zeitlebens ein Pazifist