Die Sonne brennt im Frankfurter Zoo, mehr als 30 Grad, kein Wölkchen am Himmel, aber ein Pfleger lässt es im Alpakagehege regnen. Zwei der drei dort beheimateten Kleinkamele demonstrieren allerdings ungeniert, dass sie nach dieser Hilfe nicht gefragt haben. Kaum haben sie den ersten Spritzer Wasser abbekommen, drehen Lady und Yasmin um. Nur Diego bleibt stehen. Den beiden Stuten ist die Abkühlung zu viel. Kein Wunder, vielleicht: Alpakas stammen aus den kargen Anden Südamerikas. Dort herrscht, auf einer Höhe von mehreren Tausend Metern, das ganze Jahr über Frost oder eisiger Wind.Im Frühjahr werden die Alpakas im Zoo geschoren. Ein bis zwei Kilogramm wiegt das Vlies, und es wäre im Sommer unnötiger Ballast. Mit der Hitze kämen die Vierbeiner gut zurecht, sagt die Sprecherin des Zoos, Caroline Liefke. Sie gingen einfach in den Schatten, so wie Lady. Die steht zwei Meter abseits des Schlauchs, und ihr Fell beginnt in der Hitze zu dampfen. „Die wird sich wahrscheinlich gleich wälzen“, ruft Tierpfleger Jan von der Heydt und dreht das Wasser ab.Anders als die Alpakas sind die Zebras gleich um die Ecke an hohe Temperaturen gewöhnt und brauchen keine Erfrischung. Drei Stuten stehen im Schatten der Dachschräge ihres Stalls. Die schwarz-weißen Wildpferde stammen aus Ostafrika und sind die Steppe des Flach- und Hügellandes gewohnt. Aktuell arbeite man mit einem Klimaexperten an den Plänen für ein großflächiges Savannenareal, heißt es vom Zoo. Man wolle dort für eine möglichst natürliche Belüftung und Beschattung auch für Besucher und Mitarbeiter sorgen.Brillenbär Chimbo leckt im Frankfurter Zoo bei sommerlicher Hitze an einer Eistorte. Die Bären stammen wie die Alpakas aus Südamerika.Frank RumpenhorstLöwen brauchen keine Abkühlung. Stattdessen ruhen sie sich laut Infotafel bis zu 20 Stunden täglich aus. Ob Mani und Zarina bei dieser Hitze sogar noch länger schlafen als üblich, kann Liefke nicht sagen. Für die asiatischen Löwen sei der heiße deutsche Sommer wie ein Gruß aus der Heimat, Probleme bereite ihnen die Hitze jedenfalls nicht. „Die Tiere können außerdem immer rein und raus, so wie sie es wollen.“„Wenn man da als Ente reingeht, ist das schlecht“Die Sumatra-Tiger nebenan haben sogar ein eigenes Schwimmbecken, denn im Gegensatz zu den Löwen sind sie agile Schwimmer. Der Pool ist so tief angelegt, dass keine Sprünge nach draußen möglich sind, aber wer sich ins Wasser verirrt, ist in akuter Lebensgefahr. „Wenn man da als Ente reingeht, ist das schlecht“, konstatiert Liefke.Manche Zootiere mögen das Wasser nicht nur, sie kämen ohne es gar nicht aus. An den Robbenklippen spannt sich ein Sonnensegel über das Becken. Darunter ziehen drei Seehunde ihre Bahnen durch die grünlichen Fluten. „In der Hitze wachsen Algen schneller“, sagt die Zoosprecherin. Ein Taucher habe sie am Morgen entfernen müssen. Am Ufer dösen vier weitere der tierischen Torpedos, manche im Schatten, andere in der Sonne. Robben sind Kaltwassertiere, zu Hause in der Nordsee und im Wattenmeer. Jetzt liegen sie in der Frankfurter Hitze. Ob sie leiden? Darüber kann man nur mutmaßen.Ausnahmezustand am PinguinbeckenAn der Pinguinanlage drehen die Tiere auf. Der Anblick des Pflegers reicht aus, um die rasanten Schwimmer zur Meute werden zu lassen. Der rote Eimer kann nur eines bedeuten: Es wird gefüttert. Ein platschender Mob stürzt sich ins Wasser und versucht, die Fische noch in der Luft zu fangen. Begleitet von lautem Gelächter der Zuschauer schwimmen die ersten erfolgreichen Jäger ans Ufer zurück und würgen den Fang für ihre Jungtiere wieder hervor. Die anderen rangeln weiter.Ausgerechnet die Humboldt-Pinguine kommen mit der Hitze offenbar am besten zurecht. Die Seevögel von der Küste Perus und Chiles sind seit Dezember 2018 im Zoo heimisch. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern brauchen sie keine Kühlung und treiben die Energiekosten nicht in die Höhe. Die Eselspinguine, die sechs Jahrzehnte lang im Frankfurter Zoo heimisch waren, hielten maximal vier Grad aus. Das Exotarium der Eselspinguine musste deshalb antarktische Bedingungen simulieren und wurde künstlich gekühlt.Manchen Arten ist Frankfurt also doch zu warm. Für sie könnte es auf längere Sicht heißen: Abschied nehmen. Das beträfe dann zum Beispiel die Schneeeulen, heißt es. Ihr Gefieder schützt sie vor extremen Minusgraden, schwitzen können sie dagegen nicht. Bereits von 20 Grad an kann es für sie ungemütlich werden. In erster Linie gehe es aber darum, auch in einem wärmeren Klima gute Bedingungen für die Zoobewohner zu schaffen.Für die Brillenbären Chimbo und Manu genügt der Gefrierschrank. Sie bekommen einen vierstöckigen Eiskuchen. Wasser mit Äpfeln, Gurken und anderem Obst, Schicht für Schicht in einem Eimer eingefroren. In der heißen Jahreszeit stellen die Pfleger den beiden Brillenbären mehrmals in der Woche einen Eisblock hin. Der kühlt und beschäftigt, denn an Leckereien kommt nur, wer sich Mühe gibt.Dösen in der Sonne: Petra, die Grande Dame des Zoos, wurde dieses Jahr fünfzig.Frank RumpenhorstFlusspferd Petra feierte im April seinen fünfzigsten Geburtstag – ein nahezu biblisches Alter für diese Art. Da die schwergewichtige Dame kaum noch aus dem Außenbecken klettern konnte, hat man ihr eine Treppe gebaut. Petra blubbert in ihrer trüben Wassersuppe vor sich hin. Dann setzt sie ihre 1,5 Tonnen langsam, aber zielgerichtet in Bewegung. Gemächlich wechselt Petra vom Außen- in den Innenpool. Draußen ist es ihr womöglich zu langweilig geworden.„Wir schwitzen alle. Das ist nun mal so“Die, die sich im Zoo wirklich mit der Hitze arrangieren müssen, tragen weder Federn noch Fell. Die Pfleger schleppen Futter, misten Ställe aus, arbeiten in aufgeheizten Häusern. Man müsse sich auf vermehrte Hitzeperioden einstellen, heißt es. Nicht nur im Hinblick auf die Tiere. „Gegen die Sonne gibt es Sommerkleidung, gegen den Winter Winterkleidung, und die Öffnungszeiten stehen fest, egal was das Thermometer sagt“, äußert Liefke. „Wir schwitzen alle. Das ist nun mal so.“Mit dem Masterplan „Zookunft 2030“ versuche man, sich gut aufzustellen und nachhaltige Klimakonzepte zu entwickeln. Gleichzeitig müsse man an die Bestandsgebäude und Gehege denken, die nicht Teil des geplanten Umbaus seien. Einige der Bauten stammten noch aus der Adenauer-Ära. Von der Klimatisierung bis zur Wasserverneblung diskutiert und prüft der Zoo nach eigenen Angaben mehrere Veränderungen. „Die Erneuerung großer Teile des traditionsreichen Frankfurter Innenstadtzoos ist dringend notwendig. Der Klimaaspekt wirkt in alle Bereiche hinein.“Und die Besucher? An einem Tag vor zwei Wochen, als die 40-Grad-Marke geknackt wurde, kamen weniger als 400 in den Zoo, sonst sind es im Durchschnitt mehr als 2000 täglich. „Das war richtig krass“, sagt die Sprecherin. Es scheint, als hätten die Menschen noch mehr Schwierigkeiten als so manche Tierart, sich an die tropischen Temperaturen anzupassen.
Hitzewelle: Wie sich die Tiere im Frankfurter Zoo abkühlen
Wenn das Thermometer auf bis zu 40 Grad klettert, möchte man die Tiere im Frankfurter Zoo bemitleiden. Zu Unrecht, wie sich zeigt.










