Bloss nicht bewegen: Die Koalas des Zürcher Zoos nehmen den Hitzesommer gelassenDie putzigen Beuteltiere bleiben immer cool – obwohl sie kaum Wasser trinken. Wie kann das sein?14.07.2026, 05.04 Uhr5 LeseminutenTarni, das Koala-Männchen des Zürcher Zoos, lässt sich von der Hitzewelle nicht aus der Ruhe bringen.Dennis Mettler / Zoo ZürichEs ist heiss an diesem Montag, dem ersten Tag der Sommerferien, im Zoo hoch oben über Zürich. Vor der Kasse am Eingang warten Mütter, Kinder, Kinderwagen. Im Schatten, immerhin. Hier geht es langsam vorwärts, einen Eintritt nach dem anderen. Das ist praktisch. So muss man sich nicht allzu sehr bewegen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Menschenschlange der Zoobesucher macht es ähnlich wie jener Bewohner der Anlage, den die Verantwortlichen zum Star des Tages auserkoren haben: Tarni, das Koala-Männchen des Zürcher Zoos. Er bewegt sich ebenfalls kaum und bleibt bei hohen Temperaturen am liebsten im Schatten. Ein Vorbild für hitzegeplagte Stadtzürcher?Der Zoodirektor Severin Dressen muss lachen, als ihm beim Medientermin im Australienhaus des Zoos diese Frage gestellt wird. Natürlich kann man Koalas und den Homo sapiens nicht miteinander vergleichen. Aber Koalas sind trotzdem faszinierende Tiere. Gerade an Hundstagen wie diesen.Tarni zeigt, wie man es richtig macht, wenn man zu jenen Beuteltieren gehört, die normalerweise in Eukalyptuswäldern im Osten und Südosten Australiens leben: Er nimmt’s gelassen. Hängt lässig in den Bäumen im Innenbereich der Anlage. Lässt sich von den staunenden Blicken und den zahlreiche Kameras hinter der Glasscheibe nicht aus der Ruhe bringen. Gähnt, döst, schläft ein – ohne vom Baum zu plumpsen. Das muss man erst einmal schaffen.Seine einzige Gesellschaft in dem Raum: ein Bürstenschwanz-Rattenkänguru, das auf dem Boden herumhoppelt. Auch dieses Tier ist in der freien Wildbahn nur in Down Under anzutreffen.Wasser trinken? Nein danke!Koalas sind Meister im Energiesparen. Sie ruhen bis zu 20 Stunden am Tag (auch hier erschöpfen sich die Parallelen, wenn man an ebenso arbeitsame wie gestresste Stadtzürcher denkt). Jede Bewegung kostet Kraft und erzeugt noch dazu Körperwärme. Für dicht behaarte Tiere wie Tarni wäre das keine gute Strategie zum Überleben. Koalas schwitzen nicht, und sie hecheln auch nicht, um den eigenen Körper zu kühlen. Denn, so erläutert es Dressen den Journalisten um ihn herum: Das würde viel zu viel Wasser brauchen. Und auch da sind Koalas sehr strikt: Sie trinken extrem wenig. Ihr Name stammt vermutlich aus einer Sprache der Ureinwohner des fünften Kontinents und lässt sich mit «trinkt nicht» übersetzen.Wie sollte er auch? In seinem trockenen Habitat in Australien gibt es nur wenig Wasser. Flüssigkeit beziehen Tarni und seine Freundin Téa und das gemeinsame Jungtier Zoey (die sich getrennt vom Männchen im Innenraum nebenan befinden) vor allem aus Eukalyptusblättern und allenfalls aus dem Tau, der sich auf diesen Blättern befindet.Téa (links) und Zoey, Mutter und Tochter der Zürcher Koala-Familie.Monika Bader / Zoo ZürichOb die im Zoo Zürich servierten Eukalyptusblätter aus Schweizer Anbau ebenfalls Tau zu bieten haben, liess sich am Montag nicht in Erfahrung bringen. Dafür gab der Direktor Dressen gewohnt selbstbewusst zu Protokoll: «Wir bieten unseren Koalas den Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels.»Das Statement wirft Fragen auf: Leben Tarni, Téa und Zoey hinter der Glasscheibe im Australienhaus des Zoos besser als ihre Artgenossen in Australien? In einem zwar dicht «bewaldeten», aber doch künstlich angelegten Streifen «Natur» von etwa 15 Metern Länge?Dressen findet: ja. Im Zoo gibt es keine Buschbrände und auch keine Dürreperioden, die selbst die sparsamsten Exemplare in Australien an ihre Grenzen bringen. In gewissen Regionen brachen die Koala-Populationen in den vergangenen Jahren um bis zu 50 Prozent ein. Daher, sagte Dressen, seien gesunde Reservebestände in Zoos weltweit umso wichtiger. Schätzungen gehen davon aus, dass in australischen Wäldern noch etwa 500 000 der putzigen Beuteltiere leben.Er schläft auch in ähnlichen Positionen: Tarni, das einzige Koala-Männchen des Zürcher Zoos.Walter Bieri / KeystoneUm Tarnis Mitbewohner im Zürcher Zoo, das Bürstenschwanz-Rattenkänguru, ist es deutlich schlechter bestellt. Bis im vergangenen Jahr galt die Tierart als vom Aussterben bedroht. Stark gefährdet indes ist dieses Beuteltier nach wie vor.Königspinguine müssen drinnen bleibenUnd die anderen Tiere im Zürcher Zoo? Leben sie ebenfalls in einem «Fünf-Sterne-Hotel», auch im Hitzesommer 2026? Welche Tierart hat am meisten mit der Hitze zu kämpfen, und was tut der Zoo dagegen?Dressen, der nicht nur Biologe, sondern auch PR-Profi ist, lässt sich auch bei diesen Fragen kaum in die Karten blicken. Gestellt werden sie ihm mehrmals, von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, von Tele Züri, von der NZZ. Er antwortet mit einer Gegenfrage: «Was machen Nashörner oder Zebras in Afrika, wenn es heiss ist? Sie suchen sich ein schattiges Plätzchen.» In der Lewa-Savanne des Zoos sei das nicht anders. Ein Augenschein nach dem Termin bei den Koalas zeigt: Schatten ist bei ruhenden Nashörnern und Zebras tatsächlich Trumpf.Das einzige halbwegs problematische Beispiel, das dem Zoodirektor in den Sinn kommt, sind die Königspinguine des Hauses. Auf der App des Zoos posieren sie stolz in verschneiter Winterlandschaft. Vor einem Stand mit Glace und Getränken werben sie für Eiscrème ohne Palmöl.Aber in der Realität müssen sich die 19 ausgewachsenen Exemplare und 5 Jungtiere des Zoos mit einer vergleichsweise bescheidenen Innenanlage samt kleinem «Swimmingpool» begnügen. Der Raum ist gekühlt, die Lufttemperatur beträgt 10 Grad. Seit März waren die Zürcher Königspinguine nicht mehr draussen an der frischen Luft.Allein, Dressen gibt Entwarnung: Das sei ein normaler Vorgang, mit dem Hitzesommer habe das nichts zu tun. Die Tiere würden 30 Grad durchaus aushalten. Aber man wolle sie vor Mücken schützen – beziehungsweise vor übertragbaren Krankheiten wie der Vogelmalaria.Der Eindruck täuscht: Die Innenanlage der Königspinguine ist viel bescheidener, als diese Aufnahme glauben machen könnte.Walter Bieri / KeystoneWas die erhabenen Vögel wohl selber davon halten? Von der Hitze? Vom Eingesperrtsein? Von der Tatsache, dass die viel kleineren Humboldtpinguine des Zürcher Zoos draussen schwimmen dürfen – sie, die Könige aller Pinguine, aber nicht?Man kann sie nicht fragen. Das Verhalten der Kolonie indes dürfte eine Antwort liefern. «Das vergangene Jahr war sehr produktiv», sagt Dressen. Die Zürcher Königspinguine brachten fünf Küken zur Welt. Und was noch wichtiger ist: Sie nahmen die Jungtiere an, kümmerten sich gemeinsam um sie, zogen sie auf. Für den Zoodirektor steht fest: «Das zeigt, dass es unsere Königspinguine gut haben bei uns.»Auch im Hitzesommer 2026.Passend zum Artikel