Botschafter sind weit mehr als Überbringer offizieller Positionen ihrer Regierungen. Sie repräsentieren ihr Land, pflegen Kontakte weit über die Regierungsebene hinaus, verstehen die Sprache, die Kultur und die politischen Mechanismen ihres Gastlandes. Gute Botschafter bauen selbst in Zeiten größter Spannungen Gesprächskanäle zum vermeintlichen Feind auf.
Kaum ein Botschafterposten verlangt derzeit mehr Fingerspitzengefühl, historische Kenntnis und ein reicheres persönliches Netzwerk als jener in Moskau – der übrigens zugleich die größte deutsche Auslandsvertretung weltweit ist. Doch genau jene Botschafter-Eigenschaften wurden Alexander Graf Lambsdorff während seiner mehr als dreijährigen Amtszeit von vielen Beobachtern kaum zugeschrieben. Statt als Vermittler oder Gesprächspartner wahrgenommen zu werden, blieb der deutsche Botschafter vor allem durch öffentliche Konfrontationen und wiederholte Vorladungen ins russische Außenministerium in Erinnerung.
Ein Botschafter im Schatten der Eiszeit
Seine durchaus ernüchternde Bilanz zieht sich wie ein roter Faden durch Lambsdorffs Zeit in Russland. Als der 59-Jährige im Sommer 2023 seinen Dienst in Moskau antrat, befanden sich die deutsch-russischen Beziehungen bereits im freien Fall. Dreieinhalb Jahre später verlässt er die russische Hauptstadt Richtung Tel Aviv – ohne erkennbare diplomatische Akzente gesetzt zu haben oder langfristig in Erinnerung bleiben zu wollen.










