PfadnavigationHomePolitikAuslandDeutscher Botschafter in MoskauLambsdorff tritt ab – „Fürchte, dass nochmal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten“Stand: 15:42 UhrLesedauer: 3 MinutenDeutschlands Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, vor dem russischen AußenministeriumQuelle: picture alliance/TASS/Artyom GeodakyanAlexander Graf Lambsdorff verlässt seinen Posten als Botschafter in Moskau. Putin sei nicht bereit, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, eine große Mobilmachung sei noch dieses Jahr möglich, warnt er.Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, hält eine weitere Mobilmachung in Russland in den kommenden Monaten für möglich. „Immer mehr Menschen in Moskau reden von einer zweiten möglichen Mobilmachung von wehrfähigen Männern nach der Duma-Wahl im September“, sagte Lambsdorff im Interview mit dem „Spiegel“. Er teile die Befürchtung, „dass noch mal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten“.Zugleich sieht er nach eigenen Angaben weiterhin keine Anzeichen dafür, dass Kremlchef Wladimir Putin zu ernsthaften Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs bereit ist. „Wenn ich mir die jüngsten Äußerungen des Präsidenten anschaue, kann ich ein nahes Ende nicht erkennen. Er wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen.“Der Diplomat verlässt Russland in diesen Tagen nach drei Jahren auf dem Posten des deutschen Botschafters. Er soll künftig Deutschland in Israel vertreten, wo er Steffen Seibert ablöst. Sein Nachfolger in Moskau soll Clemens von Goetze werden.Lesen Sie auchIn dem Interview zeichnete Lambsdorff ein düsteres Bild der innenpolitischen Entwicklung Russlands. Das Land erlebe einen staatlich vorangetriebenen Wandel hin zu einer nationalistischen und reaktionären Gesellschaft. „Es ist fürchterlich, eine schleichende Re-Stalinisierung“, sagte er.Außerdem schilderte er eine zunehmende Isolation der russischen Bevölkerung von westlichen Informationsangeboten. Russische Behörden beschränkten den Zugang zu zahlreichen internationalen Online-Plattformen immer stärker. „Wir erleben eine weitreichende Abschottung“, sagte Lambsdorff. Eine Annäherung werde dadurch schwieriger. „Wir werden einander dadurch immer fremder, denn die Russinnen und Russen leben zunehmend in einer Realität, die allein der Kreml für sie schafft.“Lesen Sie auchMit Blick auf mögliche Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine äußerte sich der Botschafter skeptisch. Dafür wäre es nötig, „bestimmte russische Positionen“ zu hinterfragen. Diese seien „völlig inakzeptabel“, was man in Moskau auch wisse. Als Beispiel nannte er die Forderung Russland, die Präsenz von Nato-Truppen in Europa auf den Stand von 1997 zurückzuführen. Lesen Sie auch„Stand heute hat sich Russland nicht einen Millimeter von solch abwegigen Forderungen wegbewegt, woran man erkennen kann, dass Putin derzeit keinen ernsthaften Verhandlungswillen hat.“ Voraussetzung für Verhandlungen sei aus seiner Sicht zunächst ein Waffenstillstand.Kurz vor seiner Abreise war Lambsdorff ins russische Außenministerium einbestellt worden. Nach Angaben des russischen Außenministeriums erhielt er dabei eine Protestnote wegen angeblicher deutscher Unterstützung ukrainischer Angriffe auf russische Infrastruktur. Das Auswärtige Amt in Berlin bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Nach Angaben des Botschafters war es die fünfte Einbestellung während seiner Amtszeit.Auch bezüglich seiner Kontakte zu russischen Stellen berichtete Lambsdorff von erheblichen Einschränkungen. Deutschland wird von Russland offiziell als „unfreundlicher Staat“ eingestuft. Der Zugang zu Entscheidungsträgern sei zwar grundsätzlich vorhanden gewesen, habe sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich schwieriger gestaltet.Lambsdorff zeigte sich von seiner Zeit als Botschafter enttäuscht. Er habe gehofft, dass während seiner Amtszeit „Russlands schrecklicher Krieg gegen die Ukraine enden“ würde. „Ich bin Optimist. Aber angesichts der Gesamtlage kann ich momentan nur pessimistisch auf Russlands nahe Zukunft schauen.“lfb
Deutscher Botschafter Lambsdorff tritt ab – „Fürchte, dass nochmal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten“ - WELT
Alexander Graf Lambsdorff verlässt seinen Posten als Botschafter in Moskau. Putin sei nicht bereit, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, eine große Mobilmachung sei noch dieses Jahr möglich, warnt er.










