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Florian Warwegs Analyse des Auftritts von Joachim Gauck bei Markus Lanz, die neulich sowohl in der Berliner Zeitung als auch in der Ostdeutschen Allgemeinen zu lesen war, ist deshalb bemerkenswert, weil sie weit über die Bewertung einer einzelnen Fernsehsendung hinausweist. Sie legt eine Spannung offen, die unsere politische Gegenwart zunehmend prägt: die wachsende Distanz zwischen einer Sprache, die Demokratie und Zusammenhalt verteidigen möchte, und den Erfahrungen vieler Bürger, die sie eigentlich erreichen soll.
Dafür kann man Warweg dankbar sein – unabhängig davon, ob man jede einzelne seiner Einschätzungen teilt. Denn die eigentliche Frage lautet nicht, ob Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat verteidigt werden müssen. Die eigentliche Frage lautet, warum die Sprache ihrer Verteidigung immer weniger Menschen erreicht.
Gerade an einer Persönlichkeit wie Joachim Gauck wird diese Spannung sichtbar. Seine Sprache ist von Verantwortung, Freiheit und moralischer Orientierung geprägt. Sie will zusammenführen, nicht ausgrenzen. Dennoch hinterlässt sie bei vielen Bürgern den Eindruck, dass zwischen den politischen Bekenntnissen und ihrer eigenen Lebenswirklichkeit eine wachsende Distanz entstanden ist. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der Debatte. Sie handelt nicht zuerst von Joachim Gauck. Sie handelt von der Frage, wodurch politische Sprache ihre Bindungskraft verliert.






