Vor der Fensterscheibe des Bäckers am Marktplatz liegen bunte Blumen. An die siebzig Kerzen stehen drum herum, einige flackern noch, dazwischen vereinzelte Zettel mit Botschaften. Hin und wieder bleibt ein Passant stehen. Der Femizid an einer 58 Jahre alten Kroatin hat Kelkheim aufgewühlt.„Die Stadt steht unter Schock“, sagte Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) im Rahmen einer eilends anberaumten Pressekonferenz. Das Stadtoberhaupt hatte sich eigentlich im jährlichen Kalabrienurlaub befunden, sich angesichts der schrecklichen Nachrichten aber gleich ins nächste Flugzeug gesetzt. Viele Menschen wollten nun mit ihm reden, sagte er, und viele zeigten ihm Bilder auf ihren Telefonen. Bilder vom Opfer, vom Täter, von den erwachsenen Kindern der beiden, die in Kelkheim aufgewachsen sind und dort selbst eine Familie gründen wollen.Inzwischen haben sich Magistrat und Polizei zum Tathergang besprochen. Demnach geschah die Tat am Marktplatz, weil die ehemals gemeinsame Wohnung des Paares sich direkt gegenüber in der Frankfurter Straße befindet. Die Frau wollte vor dem Mann aus dem Haus fliehen, er folgte ihr und stach vor dem Haus mindestens dreißigmal mit einer Machete auf sie ein. Die Frau versuchte, über die Frankfurter Straße zu entkommen, erlag jedoch ihren Verletzungen.Als er die Waffe fallen ließ, konnte sie ihn überrumpelnDer Marktplatz war zu diesem Zeitpunkt belebt, zahlreiche Menschen hatten sich bei schönstem Wetter vor den Gaststätten versammelt und warteten auf den Anpfiff des Halbfinalspiels. Um die dreißig Menschen haben die Tat mitansehen müssen, darunter auch zahlreiche Jugendliche und Kinder. „Die Kinder haben jetzt Bilder im Kopf, die sie wohl ihr Leben lang nicht loswerden können“, sagt Bürgermeister Kündiger.Als der erste Stadtrat Dirk Hofmann (CDU) später am Tatort eintraf, hätten dort noch zahlreiche weinende Heranwachsende gesessen und seien betreut worden. „Jeder, der seelsorgerischen Beistand gebraucht hat, hat ihn bekommen“, sagt Hofmann. Der Anblick der weinenden Kinder lasse ihn so schnell nicht los: „Das macht was mit einem.“ Unter den Notfallseelsorgern sei auch eine Rathausmitarbeiterin gewesen, die ihre Ausbildung gerade erst abgeschlossen hatte und für die es der erste Einsatz war. Unter den Umstehenden hatten viele sofort den Notruf gewählt, berichtet der Bürgermeister, die Telefonzentrale sei sofort überlastet gewesen.Drei Bürger zeigten besonders viel Mut und stürzten sich auf den Täter. Weil er die Machete trug, gelang es nicht, ihn an der Tat zu hindern. Doch als er die Waffe fallen ließ, konnten sie ihn überrumpeln und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Darunter zwei Männer, die in Kelkheim leben, ein 32 Jahre alter Afghane und ein erst 17 Jahre alter Jugendlicher mit pakistanischem Hintergrund. Bei dem dritten handele es sich um einen 28 Jahre alten deutschen Frankfurter aus den westlichen Stadtteilen, der zum Sporttraining nach Kelkheim gekommen war. „Wir haben fest vor, diese drei mutigen Menschen zu ehren“, sagt Bürgermeister Kündiger. Allerdings seien sie im Moment wichtige Zeugen für die Tat, daher würden ihre Namen nicht bekannt gegeben und man wolle ihre Persönlichkeitsrechte respektieren.Polizei und Rettungsdienst seien in kürzester Zeit eingetroffen, ebenso die Notfallseelsorger des Kreises. Die Feuerwehr hatte den Tatort für die nächtlichen Ermittlungsarbeiten beleuchtet, die Malteser versorgten die Helfer mit Essen. „Auch für die Helfer waren es schreckliche Bilder“, sagt Kündiger. Die Polizei habe sehr junge Beamte im Einsatz gehabt, die nun ebenfalls mit dem Anblick fertig werden müssten.„Die Tat wird noch sehr lange Thema in dieser Stadt bleiben“, sagte der Bürgermeister. Am Samstagabend um 18.30 Uhr ist eine Gedenkveranstaltung am Marktplatz geplant, die von Stadtoberen und Gemeindepfarrern gemeinsam gestaltet wird. Am Dienstag findet durch den Verein Frauen helfen Frauen, der das Frauenhaus im Kreis trägt, eine Mahnwache statt. „Die Stadt muss und wird zusammenhalten“, ist sich der Bürgermeister sicher.Hilfetelefon: Gewalt gegen FrauenDas Hilfetelefon ist ein bundesweites und anonymes Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder sich bedroht fühlen. Unterstützung finden Betroffene unter der Telefonnummer 116 016 oder über die Onlineberatungsstelle unter onlineberatung.hilfetelefon.de.
Femizid in Kelkheim: Junge Männer versuchten, den mutmaßlichen Mörder zu stoppen
Der mutmaßliche Mord an einer 58 Jahre alten Bürgerin erschüttert Kelkheim. Drei mutige Männer konnten den Täter festhalten, der jüngste davon war erst 17. Viele Kinder waren Zeugen der Tat.















