Ein 60 Jahre alter Mann geht in den Abendstunden des 14. Juli in einer belebten öffentlichen Umgebung mit einer Machete auf seine 58 Jahre alte Frau los und tötet sie vor Zeugen. Mindestens dreißigmal sticht der kroatische Staatsangehörige auf sie ein. Sie, ebenfalls Kroatin, erleidet Verletzungen am Kopf, am Hals, im Nacken, am Oberkörper, denen sie noch am Tatort erliegt. Das sind die Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt, die in diesem Fall ermittelt.Auch die weiteren Hintergründe der Tat, wie die Staatsanwaltschaft sie beschreibt, entsprechen denen eines klassischen Femizids. Das Ehepaar war demnach seit 1991 verheiratet, lebte aber seit etwa drei Jahren in Trennung. Versöhnt habe sich das Paar nicht mehr, dennoch habe die Frau den Mann zwischenzeitlich wieder in die einst gemeinsame Wohnung aufgenommen.Bereits 2025 soll die Frau den Wunsch geäußert haben, sich scheiden lassen zu wollen, der Mann habe das aber nicht akzeptiert. Wiederholt soll er gedroht haben, seine Ehefrau im Falle der Scheidung umzubringen. Seitens der Polizei unterbreitete Hilfsangebote habe die Frau abgelehnt, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Sie habe demnach gedacht, ihr Noch-Mann werde ihr nichts antun, da er sie noch liebe.Debatte um Sicherheit in der Stadtmitte„Jeder hat eine Geschichte zu erzählen“, sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW), der wegen der Tat in seiner Stadt seinen Urlaub unterbrochen hat. Die Menschen seien beunruhigt und hätten einen großen Redebedarf. Täter wie Opfer hätten seit vielen Jahren in Kelkheim gewohnt, man kenne beide, sie seien in der kroatischen Gemeinde der katholischen Kirche aktiv gewesen. Das Paar habe zwei erwachsene Kinder. Umso erschütternder sei nun die Tat.Schließlich habe der Beschuldigte seine Ehefrau aus übersteigertem Besitzdenken getötet, wohl in der Annahme, dass sie fremdgegangen sei, heißt es weiter von der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Frankfurt erließ einen Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen.In Kelkheim debattieren die Menschen nach Worten des Bürgermeisters auch über die Sicherheit der Stadtmitte. „Das läuft in eine völlig falsche Richtung“, sagt Kündiger. Im Frühjahr erst befassten sich die Stadtverordneten mit dem Thema der Videoüberwachung im Bereich der Bücherei, die sich direkt am Marktplatz befindet. Dazu wurde auch die Einschätzung der örtlichen Polizeiwache eingeholt. Diese stellte fest, dass Kelkheim kein Kriminalitätsschwerpunkt sei. Es käme nur alle 5,2 Wochen zu einer Straftat im öffentlichen Raum. „Hier hätten lediglich vier Diebstähle möglicherweise durch die Videoanlage verhindert oder aufgeklärt werden können, wenn flächendeckend der ganze Marktplatz überwacht worden wäre“, heißt es in einer Stellungnahme der Polizei.Der Bürgermeister sieht ein anderes Problem: Es gebe in Deutschland an die tausend versuchte oder vollendete Femizide pro Jahr. Dieser Fall unterscheide sich aber dadurch, dass er auf offener Straße vor Zeugen durchgeführt worden sei und nicht in der Wohnung. Am Donnerstagabend wollen sich Magistrat und Stadt besprechen, zudem soll es ein öffentliches Gedenken geben. „Die Menschen brauchen einen Abschluss“, sagt Kündiger.Hilfetelefon: Gewalt gegen FrauenDas Hilfetelefon ist ein bundesweites und anonymes Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder sich bedroht fühlen. Unterstützung finden Betroffene unter der Telefonnummer 116 016 oder über die Onlineberatungsstelle unter onlineberatung.hilfetelefon.de.