Der Marktplatz in Kelkheim war gut gefüllt, um die drei-, vierhundert Bürger waren am Samstagabend gekommen. Viele gingen noch einmal an der improvisierten Gedenkstätte für die getötete 58 Jahre alte Frau vorbei und legten Blumen ab, manche verharrten dort einige Minuten. Die Notfallseelsorge des Main-Taunus-Kreises in ihren lila Westen war vor Ort und sprach mit den Menschen, die es wollten. Bedrückt war die Stimmung, still, es fiel kein lautes Wort.„Es ist gut, dass wir diesen Rahmen für die Gedenkfeier gewählt haben“, sagte Pfarrer Patrick Smith von der evangelischen Lukasgemeinde am Rande der Veranstaltung. Es habe auch die Überlegung gegeben, sie in einer Kirche abzuhalten. Doch Bürger hätten ihm bereits gestanden, den Marktplatz wegen der Tat momentan lieber zu meiden. „Auf diese Weise können wir uns den Ort zurückerobern und ihn nicht den Gewalttätern überlassen“, sagt er.Eine kleine Bühne war aufgebaut, die Stadtoberen und drei Pfarrer gestalteten die etwa halbstündige Gedenkstunde, eine Geigerin spielte zu Beginn und zum Abschluss. Die kroatische Gemeinde hatte ein Foto der Getöteten aufgestellt, auf dem sie mit offenem Blick, leisem Lächeln und langem Haar zu sehen ist.Das Team der Notfallseelsorge des Kreises hatte seinen bisher schwierigsten Einsatz.Peter JülichLeicht ist es wohl keinem gefallen, tröstende Worte zu finden, und fast alle Redner thematisieren die Sprachlosigkeit, die einen angesichts des Ungeheuerlichen befällt. Heute sei nicht der Tag, politische Erklärungen abzugeben oder die Tat zu erklären, sagte Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Es gehe vielmehr darum, die Sprachlosigkeit auszudrücken. „Ich kann nur hoffen, dass diese Feier dazu beiträgt, unsere Herzen zu beruhigen und dass wir ein Stück weit zur Normalität zurückfinden“, so Kündiger.„So eine Veranstaltung kann kein Schlussstrich sein“, ergänze der Erste Stadtrat Dirk Hofmann (CDU), aber sie sei ein starkes Zeichen. Man solle versuchen, Worte zu finden, da sie vermögen, Trost zu spenden. „Wir Kelkheimer halten zusammen, und wir lassen niemanden mit seinen Sorgen allein.“Die Fürbitten der Geistlichen, darunter auch Bruno Diklic für die katholische kroatische Gemeinde sowie Klaus Waldeck von der katholischen Pfarrgemeinde St. Franziskzus, schlossen die Angehörigen und Freunde des Opfers, aber auch Zeugen und Einsatzkräfte ein. „Gib uns offene Augen, den Mut zum Eingreifen und eine Gesellschaft, die Gewalt nicht verharmlost“, verlas Pfarrer Waldeck. Beim gemeinsamen Vaterunser stimmten fast alle Anwesenden ein, dankbar, sich an vertrauten Worten entlangzuhangeln.Unter den Besuchern auf dem Marktplatz ist die Betroffenheit spürbar.Peter JülichIn Kelkheim hat die Gewalttat viele Menschen erschüttert, das war an diesem Abend deutlich spürbar. Man umarmte sich, man schämte sich nicht, zu weinen.Der Trauerprozess ist bei weitem noch nicht abgeschlossen, weitere Veranstaltungen werden folgen. Am Dienstag um 20 Uhr, eine Woche nach der Tat, wird am Marktplatz eine Mahnwache des Vereins Frauen helfen Frauen stattfinden. Dort wird auch Christiane Augsburger (SPD) sprechen, ehemalige Bürgermeisterin von Schwalbach, die beim Main-Taunus-Kreis das Dezernat für Frauen und Gleichstellung leitet.
Kelkheim: Gedenkfeier nach dem Femizid
Mit einer Gedenkfeier versuchen die Kelkheimer, die Gewalttat in ihrer Stadt zu verarbeiten. Vielen steht die Erschütterung noch ins Gesicht geschrieben.











