Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind Väter geworden. Doch die eigentlich schöne private Nachricht hat – auch innerhalb der Union – eine Debatte ausgelöst. Denn das Ehepaar hat das Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. Diese Praxis ist in Deutschland nicht zulässig, bleibt allerdings straffrei. Spahn selbst und seine Partei sprechen sich offiziell gegen eine Legalisierung aus. Wegen dieser offensichtlichen Diskrepanz zwischen Privatleben und politischer Einstellung gab es am Freitagmittag die erste Rücktrittsforderung.Der Landesvorsitzende der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, sagte zur Bild-Zeitung, Spahn habe sich „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“. Er warf Spahn vor, er nehme für sich in Anspruch, als Privatperson anders zu handeln als in seiner Rolle als CDU-Mandatsträger. „Die CDU steht für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen“, sagte Peters weiter. „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.“MeinungFamilie:Die Leihmutterschaft sollte entkriminalisiert werdenDie Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, kritisierte die Inanspruchnahme von Leihmutterschaft ebenfalls. Frauen dürften nicht als Brutkasten missbraucht werden, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab“, so Heil weiter. Der CDU-Abgeordnete David Preisendanz verteidigte Spahn dagegen. Er sehe die politische Widersprüchlichkeit, sagte er der FAZ. Dennoch falle es ihm schwer, Menschen zu kritisieren, die sich ihren Kinderwunsch erfüllten.Erst im Februar hatte der CDU-Parteitag einen Antrag der Frauen-Union beschlossen, in dem die Forderung bekräftigt wurde, Leihmutterschaft weiterhin zu verbieten. Damit sollten „Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken“ verhindert werden.Spahn müsse jetzt Fragen beantworten, meint Grünen-Chef BanaszakBerlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hält die aktuelle Debatte über Leihmutterschaft für schwierig. „Für mich persönlich wäre es nicht der richtige Weg“, sagte Evers, der wie sein Parteikollege Spahn mit einem Mann verheiratet ist, dem Berliner Tagesspiegel. Er sehe das ethische Spannungsfeld, in dem sich dieses Thema und die Frage nach der Legalisierung bewegten, so Evers am Donnerstagabend am Rand der „queeren Wahlarena“ in Berlin-Kreuzberg. Das Thema Leihmutterschaft sei eines, bei dem es schwer sei, Position zu beziehen. „Ich sage ganz ehrlich: Ich glaube, wir Männer sind die Falschen, um diese Frage zu beantworten.“Am Freitagnachmittag äußerte sich Spahn selbst in einem Gespräch mit der Bildzeitung. Er und sein Partner hätten sich ein Kind gewünscht und „lange miteinander gerungen, wie das möglich sein könne“. Schließlich hätten sie sich entschieden, von einer Leihmutter in den USA ein Kind austragen zu lassen, „weil dies dort unter guten Bedingungen geschehe“.Spahn sagte weiter, er wolle sich der öffentlichen Debatte um seine Vaterschaft stellen Er verwies darauf, dass in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft verboten sei sowie eine ärztliche Behandlung zu diesem Zweck. Nicht verboten sei es, „durch Leihmutterschaft Eltern zu werden“.Auf die Rücktrittsforderungen angesprochen, erklärte Spahn, nur die Fraktion könne darüber entscheiden. Er werde deshalb die Frage, ob er weitermachen wolle, mit seiner Fraktion erörtern. Unabhängig davon sagte er, dass es für ihn nichts Wichtigeres gebe „als meine Familie.“Kanzler Friedrich Merz sagte auf einer Pressekonferenz mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, es gebe in Deutschland eine klare Rechtslage und in der CDU einen Parteitagsbeschluss zu dem Thema. Er sehe nicht, dass sich daran etwas ändern solle. Alles Weitere werde bei der nächsten Sitzung des CDU-Präsidiums besprochen.Mit Material der Deutschen Presse-Agentur
CDU-Landeschef Peters fordert Rücktritt Spahns - Diskussion um Leihmutterschaft
Der Chef der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, hält ihn als Fraktionsvorsitzenden nicht mehr für tragbar.










