PfadnavigationHomeIconRangeroverWie Range Rover sein erstes Elektromodell interessant machen willVon Heike BlümnerStand: 13:11 UhrLesedauer: 4 MinutenDer Range Rover Velar in der Belgravia Edition – inspiriert vom Charakter des Londoner Stadtteils BelgraviaQuelle: Range RoverAls Inbegriff des Luxus-SUVs nennen die Briten das Auto „Chelsea Tractor“ – und der war bisher ein Verbrenner. Hier erzählt der deutsche Managing Director Martin Limpert, wie das Unternehmen eine neue Form der Mobilität erobern will.Alan, ein hochgewachsener, schlanker älterer Herr mit grauen Haaren wartet am Eurostar-Ausgang am St. Pancras Bahnhof in London auf mich. Er wird mich ins Hotel fahren. Wir kennen uns nicht, aber er begrüßt mich mit einer Liebenswürdigkeit, als wäre ich eine besonders geschätzte Person in seinem Leben.Willkommen in Großbritannien! Dem Land, in dem es derzeit politisch eher wie im alten Italien zugeht. Doch some things never change, oder? Vermutlich wird in Großbritannien sogar höflich intrigiert. Aber nicht nur in der Politik geht es um den Balanceakt: Wie sehr kann man sich verändern und dabei trotzdem noch der Gleiche bleiben?Lesen Sie auchDiese Frage stellt man sich auch beispielsweise bei Range Rover – beziehungsweise glaubt, die Antwort darauf finden zu können: Ende des Jahres kommt der erste vollelektrische Range Rover Electric auf den Markt, was in diesem Umfeld keine Kleinigkeit ist.Und auch sonst ist bei der Luxusautomarke einiges los: Unlängst wurde die „London Edition“ vorgestellt, bei der verschiedene Modelle wie zum Beispiel Evoque, Velar oder Sport als Hoxton-, Belgravia- oder Battersea-Ausgabe herauskommen, deren Erscheinungsbild und Ausstattung vom Charakter der jeweiligen Londoner Stadtteile inspiriert ist.„British“ in einer globalisierten MarkenweltMan engagiert sich unter anderem bei der Chelsea Flower Show und ist offizieller Fahrzeugpartner bei Wimbledon – eine Veranstaltung, die tief in der Psyche des Landes verankert ist und wo selbst die Autos auf duftendem englischen Rasen geparkt werden.56 Jahre nach Erscheinen des ersten Range Rovers, der nach wie vor im Stammwerk in Solihull in den West Midlands und in der Nähe von Liverpool gebaut wird, betont der Konzern seine Herkunft besonders stark. „Reinventing British Heritage“ wird die Exerzitie genannt.Nun ist die Überlegung vielleicht haarspalterisch, ob man – rein chronologisch gesehen – ein Erbe neu erfinden kann. Aber die Frage, was „Britishness“ in einer globalisierten Marken- und Luxuswelt ausmacht, ist womöglich nicht so sehr fixiert wie man anhand der Traditionsverliebtheit der Inselbewohner vielleicht denken mag.Lesen Sie auchKaum eine nationale Selbstbeschreibung in Europa ist so geschärft wie die britische und gleichzeitig so raumgreifend: von der königlichen Familie bis zu den Gallagher-Brüdern von Oasis, von Tea Time bis Scotch, von Oxford bis Glastonbury, von Savile Row bis Fred Perry – die großen individuellen Erfolgsgeschichten des Landes tragen ihre Britishness wie einen zusätzlichen Schutzschild, sorry, wie eine Wachsjacke gegen das eintönige Schmuddelwetter globaler Trends. Range Rover ist Teil dieser großen Erzählung auf der ganzen Welt: Auch deutsche Vorstadtbewohner cosplayen „im Range“ ein bisschen Landadel.„Britishness“ ist jedenfalls nicht mehr die Verengung auf eine bestimmte Nationalität, auch was die Eigentümer angeht. Große Traditionsmarken von Bentley bis Mini sind in ausländischem Besitz und auch hinter Jaguar und Land Rover steht ein indischer Konzern.„Britishness“ hat von daher etwa vor allem etwas mit Produktionsort, Machart und Spirit zu tun – und letzterer ist zwar wahrnehmbar, aber eben auch so schwierig einzufangen wie ein Parfum.An der Spitze von Range Rover steht seit 2025 ein Deutscher. Martin Limpert war zuvor 14 Jahre bei Porsche in unterschiedlichen Positionen tätig, und hat einen großen Teil seiner Karriere in asiatischen Ländern verbracht. Nun ist er Global Managing Director bei dem britischen Autokonzern.Man stößt mit deutscher Direktheit mitunter an GrenzenIn Wimbledon sitzt er auf der Terrasse der Range-Rover-VIP-Suite und ist in puncto freundliche Beflissenheit schon auf Fahrer-Alan-Niveau angekommen: Er sei „etwas über Mitte vierzig Jahre“ alt, erklärt er diskret und lacht. Und: „Man stößt mit deutscher Direktheit mitunter an Grenzen. Man ist hier viel feinfühliger und subtiler.“Andererseits und „sehr deutsch“, habe er „rein aus Interesse“ den britischen Einbürgerungstest gemacht „und zu 100 Prozent bestanden.“ Dafür habe er „obsessiv gelernt“ und dabei einiges über das örtliche Rechtssystem bis hin zur Popkultur gelernt. Veranstaltungen wie Wimbledon hätten eine ähnlich identitätsstiftende Bedeutung wie in Deutschland der Weihnachtsmarkt.Oder Autos an und für sich. Die Deutschen seien „engineering-besessen“, sagt er in Denglisch. Versteht jeder: Die deutsche Seele ist mit dem dazugehörigen Körper verschraubt und gelötet. Die britische hingegen sei von „Understatement“ geprägt, so Limpert. Und schon ist er wieder beim Range Rover: Das reduzierte, klare Design von außen und im Innern des Wagens – „keine großen Screens, keine Überdekoration“ – selbst die Kaffeehalter verschwänden in der Konsole.Petrol-Head wechselt zum E-AutoEr selbst sei ja „eher ein Petrol-Head“, im Moment fahre er noch einen V8, aber „ich switche jetzt auf elektrisch.“ Die ungeheure Kraft und Ruhe im Range Rover Electric hätten ihn begeistert: „Man schließt die Tür und wie in einem Schutzraum, in dem man den stressigen Tag hinter sich lässt.“Auch Fahrer Alan habe ich gefragt, wie es sich im womöglich britischsten aller Autos fährt. „Großer Spaß“, sagt er. Dann – kurze Pause – als hätte er gerade einen unangemessenen Gefühlsausbruch zur Schau gestellt: „Ich weiß nicht, ob das die korrekte Art ist, es zu ausdrücken. Wahrscheinlich ist es besser zu sagen, dass es grundsätzlich erfreulich ist.“