Vor 30 Jahren war vieles im Internet rein textbasiert, grafische Webbrowser hießen da noch Mozilla oder Netscape – und natürlich Internet Explorer, Microsofts Versuch, weitreichende Kontrolle über das Web zu erlangen. Ähnliches sollte wohl auch der Comic Chat von Microsoft leisten, ein Internet-Relay-Chat-Client, der den geschriebenen Text der Chat-Teilnehmer in Sprechblasen auf Comic-Bildern verfrachtete und damit eine andere „Nutzererfahrung“ liefern sollte.

Comic Chat erblickte 1996 das Licht der Welt, 30 Jahre später hat Microsoft nun angekündigt, den IRC-Client als Open Source zu veröffentlichen. Das Comic-Chat-Projekt ist nun auf GitHub verfügbar. Erste Releases, die auf modernem Windows-Betriebssystem laufen sollen, haben die Entwickler bereits als Beta-Versionen bereitgestellt. Die Binärdateien seien absichtlich nicht signiert, sodass Windows beim Start SmartScreen-Warnungen anzeigen könnte, erklären die Programmierer dazu.

Comic Chat und Comic Sans

Eine Geißel des Internets, sagen manche, ist der Zeichensatz „Comic Sans“. Der wurde zwar bereits 1994 entworfen, fand mit Comic Chat aber seine erste große Bühne und ist seitdem nicht mehr daraus zu tilgen.

Microsoft sieht in der Veröffentlichung der Quellen keinen neuen Anlauf, die Software zu etablieren, sondern will damit einen Blick in die Vergangenheit des Internets liefern. Für einige sei das ein legendäres Stück Microsoft-Geschichte, die sie nur aus Erzählungen, Screenshots und Debatten über Typografie kennen würden. Nun können Entwickler, Historiker und Retro-Computing-Fans die ungewöhnliche Idee einmal selbst ausloten und den Quellcode analysieren, finden die Entwickler.