Wochenlanges Algorithmen-Training, elektrische Stimulation und ein doppelter Bypass zum Gehirn verhalfen einem Querschnittsgelähmten zu ungeahnten Fähigkeiten. Der heute 45-jährige Keith Thomas aus Massapequa im Bundesstaat New York, der seit einem Tauchunfall im Pool vom Hals abwärts gelähmt ist, konnte wieder selbstständig essen, sich an der Nase kratzen und einen Händedruck fühlen. Zudem verbesserten sich Armkraft und die Sensibilität im Handgelenk – auch über einen längeren Zeitraum. Das berichtet ein Team des Feinstein Institute for Medical Research im Magazin Nature Medicine.Anzeige

Chad Bouton, einer der Autoren, spricht von einer Weltpremiere. „Der Ansatz ist ein neuer Weg zur Behandlung schwerer Lähmungen. Wir umgehen nicht nur die Verletzung, sondern verdrahten das Nervensystem tatsächlich neu.“ Eine Einschränkung nennen die Forschenden aber auch: Bei ihrem Patienten waren nicht alle Nervenfasern des Rückenmarks komplett durchtrennt.

Signale aus dem Gehirn auslesen – und wieder einspielen

Vor drei Jahren hatte das Forschungsteam fünf Mikroelektrodenarrays in Thomas’ Gehirn implantiert. 128 Kanäle zeichneten Signale aus dem für Bewegung zuständigen motorischen Kortex auf und 96 Kanäle jene aus dem sensorischen Kortex, der Empfindungen registriert. Über entsprechend trainierte Algorithmen konnte das System nach einiger Zeit aus den Gehirnsignalen ablesen, welche Bewegung der Patient anstrebte – ob er seine rechte Hand öffnen oder schließen wollte.Anzeige