KommentarSchweizer Touristen würden sich einen stärkeren Franken wünschen – doch seine derzeitige Schwäche ist ein gutes ZeichenDer Franken gilt als sicherer Hafen. Doch trotz Nahostkonflikt hat er gegenüber Dollar und Euro an Wert verloren. Der Grund dafür ist aus Schweizer Sicht erfreulich.17.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenPro Franken erhält man momentan weniger Dollar oder Euro als zu Beginn des Iran-Kriegs.Christian Beutler / KeystoneOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sommerzeit ist Ferienzeit. Und die Ferienzeit geht einher mit dem Rechnen in fremden Währungen. Ein etwas stärkerer Franken wäre da für viele Schweizerinnen und Schweizer, die ihre freien Tage im Ausland verbringen, sehr willkommen. Denn eine Aufwertung der Heimwährung senkt die Kosten für Ausflüge, Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche. Doch diesen Gefallen tut die Schweizer Währung den Reisenden momentan nicht. Ganz im Gegenteil: Der Franken neigt seit Monaten zur Schwäche, was das Ferienvergnügen verteuert.Grosse Zinsdifferenz zum AuslandAuf den ersten Blick wirkt das überraschend. Denn der Franken geniesst den Ruf einer Fluchtwährung. Kommt es zu Konflikten wie momentan in der Golfregion, fliesst in aller Regel viel Geld in den sicheren Hafen des Frankens, was dessen Wert erhöht. Anfang März, zu Beginn der Eskalation im Nahen Osten, kam es tatsächlich zu solchen Zuflüssen. Doch bald schon ebbte die Fluchtbewegung ab. Und heute notiert der Franken gegenüber dem Dollar auf einem 6 Prozent tieferen Niveau als zu Kriegsbeginn, das Minus gegenüber dem Euro liegt bei 2 Prozent.So widersprüchlich es klingen mag: Die leichte Schwäche des Frankens ist ein Zeichen der Stärke. Sie bringt zum Ausdruck, dass derzeit in der Schweiz einiges runder läuft als im Euro-Raum oder in den USA. Das Schlüsselwort heisst Zinsdifferenz. Diese ist derzeit besonders gross. So liegen die Zinsen in den USA und im Euro-Raum weit höher als in der Schweiz. Investoren, die ihr Geld zinsbringend anlegen wollen, wählen deshalb eher eine Anlage in Dollar oder Euro als ein Engagement in Franken. Und diese Nichtbeachtung drückt den Wert des Frankens.Doch das ist kein Grund zur Sorge. Denn die Zinsen sind im Ausland höher, weil die gestiegenen Energiepreise dort auch die Inflationsraten stärker nach oben getrieben haben. Und mit erhöhter Inflation stellen sich die Finanzmärkte auf eine straffere Geldpolitik und höhere Zinsen ein. Das vergrössert die Zinsdifferenz zur Schweiz, wo die Inflation niedrig und keine Zinserhöhung absehbar ist. Der schwächere Franken spiegelt somit nicht zuletzt, dass die Schweiz die Inflation – und erst recht die Staatsverschuldung – weit besser im Griff hat als das Ausland.Eine Währung wie GoldAll dies erinnert ans Gold. Auch das Edelmetall wirft keine Zinsen ab – ähnlich wie der Franken, der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit einem Leitzins von null Prozent zur unrentablen Anlage erklärt wird. Und wie der Franken ist auch das Gold eine Fluchtanlage, die in Kriegszeiten oft an Wert gewinnt. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Goldpreis aber um 23 Prozent eingebrochen. Ein Grund: Angesichts steigender Zinsen verabschiedeten sich Anleger vom zinslosen Gold. Es ist dasselbe Muster wie beim Franken, einer goldähnlichen Währung.Die SNB kann mit diesem Umfeld gut leben. Zwar musste sie bei Kriegsausbruch mittels Devisenkäufen etwas nachhelfen bei der Frankenabschwächung. Seither läuft die Sache aber wie von selbst in die gewünschte Richtung: Der leicht schwächere Franken hilft der SNB zum einen, die Gefahr einer deflationären Preisentwicklung zu mindern und somit eine Rückkehr zu Negativzinsen zu vermeiden. Zum andern ist der Franken aber noch immer stark genug, um den Teuerungsdruck aus dem Ausland abzudämpfen. Der Franken liegt sozusagen im «sweet spot».Doch Wechselkurse können sich schnell ändern. Für eine Aufwertung des Frankens sprechen strukturell und langfristig weiterhin die Konstruktionsfehler der europäischen Währungsunion, der ungebremste Anstieg der Staatsverschuldung in der EU und den USA, die im Ausland deutlich höhere Inflation und nicht zuletzt die hohe Stabilität der Schweizer Institutionen. Bis diese Faktoren am Devisenmarkt aber wieder schwerer wiegen als die Zinsdifferenz, kann es noch etwas dauern. Für günstigere Sommerferien im Ausland wird es kaum reichen.Passend zum Artikel