«Schlechtleistung» oder «politische Willkür»? Es droht ein erbitterter Streit um ein deutsches RüstungsprojektVerteidigungsminister Boris Pistorius kommunizierte das Ende der Fregatte 126 als Befreiungsschlag. Doch eine drohende Milliardenklage macht den Rüstungsstopp nun zum Risiko.Armin Arbeiter, Berlin16.07.2026, 16.35 Uhr3 LeseminutenDas Verteidigungsministerium beendete die Pläne für die Fregatte 126. Das könnte ein Nachspiel haben.Visualisierung / PDDrei Wochen lang konnte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius das Ende der Fregatte 126 (F-126) als teuren, aber notwendigen Befreiungsschlag darstellen. Die Kosten für die sechs geplanten Schiffe stiegen laut dem Verteidigungsministerium von rund 10 auf mehr als 18 Milliarden Euro.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Auch wenn es bis dato nur Gerüchte sind: Es ist durchaus möglich, dass Pistorius bereits früher über die Mehrkosten und Verzögerungen informiert war und das Projekt früher hätte stoppen müssen. Das Argument, dass die F-126 bereits viele Jahre vor seiner Amtszeit lanciert worden sei und er das Problem «geerbt» habe, verlöre dann massiv an Kraft.Zudem geht es für Pistorius nun nicht mehr «nur» um 2,3 Milliarden Euro, die bereits in das gescheiterte Kriegsschiffprojekt geflossen sind, sondern um die Frage, ob der Bund für den Ausstieg noch einmal zahlen muss.Gauweiler belässt es zudem nicht bei einem juristischen Schlagabtausch mit dem Verteidigungsministerium, sondern zieht den Konflikt gezielt ins Parlament. In Schreiben an die Vorsitzenden des Haushalts- und des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags – Lisa Paus (Grüne) und Thomas Röwekamp (CDU) – äussert er den Verdacht, dass die Abgeordneten von der Bundesregierung nicht vollständig über die rechtlichen und finanziellen Risiken des Abbruchs informiert worden seien. Die Schreiben liegen der NZZ vor.Damen behauptet, das Ministerium habe nicht erkennen lassen, dass es den Vertrag beenden wolle. Es habe weder eine Fristsetzung noch eine Abmahnung oder eine vergleichbare Warnung gegeben. Das Beschaffungsamt der Bundeswehr hätte also laut Gauweiler Damen vor dem Rücktritt ausdrücklich eine letzte Gelegenheit geben müssen, vertragsgemäss zu liefern.Zugleich, so Gauweiler, habe das Amt in demselben Schreiben seine Zufriedenheit mit der bisherigen Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht und auf die «gemeinsamen Bemühungen» verwiesen, einen «geordneten Projekttransfer sowie einen erfolgreichen Abschluss der F-126 zu ermöglichen». Das Vertrags-Aus stehe deshalb auch im Widerspruch zum damaligen Stand der Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen den Parteien.Pistorius reagiert gelassenZusätzlich werde die Entscheidung des Verteidigungsministeriums dadurch belastet, dass es die Medien nahezu zeitgleich mit Damen über den Projektausstieg informiert habe, erklärte Gauweiler.Pistorius wies am Mittwoch den Vorwurf eines Rechtsbruchs scharf zurück. Es sei legitim, dass sich ein Unternehmen gegen einen gekündigten Auftrag zur Wehr setze. Die Grundlage dafür sei jedoch die «Schlechtleistung» – und das wüssten alle Beteiligten. Tatsächlich verzögerte sich das Schiffbauprojekt so stark, dass die erste Fregatte statt 2028 erst in den 2030er Jahren einsatzbereit gewesen wäre.Die Damen-Werft wisse, dass das Verteidigungsministerium Schadenersatzforderungen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro stellen könne, so der Verteidigungsminister.Er sehe die Causa gelassen, «das mögen am Ende die Juristen prüfen», ergänzte er. Das Verteidigungsministerium habe «sehr sorgfältig überlegt, warum wir das tun und dass wir es tun müssen, um weiteren Schaden für den Steuerzahler abwenden zu können».Eine alternative Beschaffung ist bereits beschlossen: Die deutsche Marine soll anstatt der F-126 acht Fregatten des Typs «Meko (Mehrzweck-Kombination) A-200 DEU» erhalten. Im März beschloss das Verteidigungsministerium, vier dieser Schiffe als sogenannte Brückenlösung zu bestellen. Bis zur Fertigstellung der F-126 hätte die Marine diese Schiffe vorrangig genutzt. Auch danach hätten die Meko-Fregatten gute Dienste, etwa in der Ostsee, leisten können.Nun setzt Berlin voll auf die Meko, die vom Hersteller ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel produziert wird.Effizientere Beschaffung versprochenGefährlich könnte die Causa für Pistorius werden, wenn drei Dinge eintreten: Damen erhält eine hohe Entschädigung, interne Akten widersprechen der öffentlichen Darstellung des Ministeriums, und auch die Meko-Ersatzbeschaffung wird teurer oder verzögert sich.Dann würde der Fall zu einem Beleg dafür, dass Deutschland zentrale Waffensysteme trotz stark steigenden Verteidigungsausgaben weiterhin nicht verlässlich beschaffen kann.Das wäre auch eine herbe Niederlage für Pistorius.Passend zum Artikel
Fregatte 126: Verteidigungsministerium droht Milliardenklage
Verteidigungsminister Boris Pistorius kommunizierte das Ende der Fregatte 126 als Befreiungsschlag. Doch eine drohende Milliardenklage macht den Rüstungsstopp nun zum Risiko.








