Der ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó wechselt zum chinesischen Elektroautokonzern BYD. Das teilte der Politiker am Mittwoch auf Facebook mit. Der Politiker war unter Viktor Orbán (beide Fidesz) zwölf Jahre lang Außenminister und in dieser Rolle maßgeblich daran beteiligt, dass BYD in Ungarn seine erste Fabrik in Europa baut. Er war zudem ein entschiedener Gegner von Zöllen auf chinesische Produkte.Szijjártó schrieb auf Facebook, er habe ein „äußerst attraktives Angebot eines weltweit führenden Unternehmens für eine internationale Position“ erhalten und werde bei BYD für externe Beziehungen und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zuständig sein. BYD zähle zu den größten Erfolgsgeschichten der Autoindustrie der vergangenen zwanzig Jahre. Für die neue Stelle legt Szijjártó der Mitteilung zufolge sein Mandat als Abgeordneter nieder. Als Außenminister war er nach der Wahlniederlage im Frühjahr ausgeschieden.Magyar schießt gegen Szijjártó und BYDDer neue Ministerpräsident Péter Magyar (TISZA) warf Szijjártó vor, schon zuvor „ausländische Interessen vertreten“ zu haben und sich als Außenminister für massive Subventionen für BYD eingesetzt zu haben. Szijjártó werde nun die gleiche Arbeit weitermachen. Der Unterschied bestehe nur darin, dass nicht mehr das ungarische Volk ihn bezahle, „sondern sein tatsächlicher Arbeitgeber“.Außer BYD investierten in seiner Amtszeit auch andere chinesische Konzerne in Ungarn. So hat CATL, weltgrößter Hersteller von Batterien für Elektroautos, seine größte Fabrik in Europa ebenfalls in Ungarn gebaut. Erst im vergangenen Jahr hatte BYD den Bau eines neuen Europazentrums in Ungarn bekannt gegeben. Szijjártó bezifferte das Investment damals auf umgerechnet rund 250 Millionen Euro. Den Fidesz-Wählern könne nun klar werden, wessen Interessen Szijjártó im Zusammenhang mit den Auto- und Batterieinvestitionen vertreten habe, schrieb Magyar weiter.Neben den engen Beziehungen zu China wird Szijjártó vorgeworfen, dass er den russischen Außenminister Sergej Lawrow regelmäßig über Ratssitzungen in Brüssel auf dem Laufenden gehalten habe. Die US-Zeitung „Washington Post“ schrieb, er habe in Sitzungspausen „Liveberichte“ nach Moskau geliefert. Szijjártó hatte den Bericht als „völlig falsch und proukrainische Propaganda“ zurückgewiesen.Zuletzt hatte es einige Berichte über Missstände auf der BYD-Baustelle in Ungarn gegeben. Li Qiang, chinesischer Arbeitsrechtsaktivist und Gründer der Organisation „China Labor Watch“, wirft dem Konzern Verstöße gegen ungarisches Arbeitsrecht vor. Viele Arbeiter dort hätten Schichten von zwölf Stunden und kein zur Arbeit berechtigendes Visum, sagte Li der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zudem gebe es viele Arbeitsunfälle, darunter auch einige Todesfälle. Viele lebten unter Bedingungen, die man als moderne Sklaverei bezeichnen könne. Er kritisierte zudem mangelnde Kontrollen der Behörden.Stella Li, Vizepräsidentin von BYD und für das internationale Geschäft verantwortlich, stritt die Vorwürfe gegenüber der F.A.S. ab. Was die Medien schrieben, stimme nicht. BYD sei ein internationaler Konzern und halte sich an internationale Standards.