«Las Malvinas son argentinas»: Der Falklandkrieg hat den Halbfinal zwischen Argentinien und England weit über den Schlusspfiff hinaus geprägtArgentiniens Spieler senden nach dem WM-Finaleinzug eine politische Botschaft. Nun könnte ihnen Ärger mit der Fifa drohen.16.07.2026, 13.40 Uhr4 LeseminutenAktualisiert«Las Malvinas son argentinas»: Die Argentinier halten nach dem Abpfiff das umstrittene Banner in den Händen.Jose Hernandez / Imago«Las Malvinas son argentinas» – «Die Falklandinseln sind argentinisch». Plötzlich war sie wieder da, die politische Dimension, die den WM-Halbfinal zwischen Argentinien und England zu mehr als einem Fussballspiel machte. Die Albiceleste hatte am Mittwoch in Atlanta einen Rückstand gedreht und durch späte Treffer von Enzo Fernández und Lautaro Martínez den Finaleinzug perfekt gemacht. Doch am Tag danach sprach kaum jemand über den dramatischen Spielverlauf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Stattdessen dominierten Bilder der jubelnden Argentinier, die auf dem Rasen ein Banner mit der Aufschrift «Las Malvinas son argentinas» präsentierten. Der Konflikt um die Falklandinseln überschattete das Duell bereits vor dem Anpfiff.Der Appell von Scaloni verpufftArgentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni hatte am Vortag noch versucht, genau das zu verhindern. Der Halbfinal gegen England sei «nur ein Fussballspiel», sagte er vor der Partie. «Politik damit zu vermischen, wäre Wahnsinn.» Seine Botschaft erreichte allerdings nicht alle Spieler.Das Banner war bereits während des Spiels auf den Zuschauerrängen zu sehen. Nach dem Abpfiff hielten Lisandro Martínez, Cristian Romero und Giovani Lo Celso das Transparent in den Händen. Damit bekannten sie sich zum argentinischen Souveränitätsanspruch auf die Inselgruppe, die in Argentinien Islas Malvinas heisst.Ein 74-tägiger Krieg mit rund 900 TotenZu welchem Land die Falklandinseln gehören, darüber streiten sich Argentinien und Grossbritannien seit Jahrzehnten. Beide Staaten beanspruchen die Inseln im Südatlantik. Sie sind seit 1833 ununterbrochen unter britischer Verwaltung. Damals vertrieb die britische Marine die argentinischen Truppen und übernahm die Kontrolle über den Archipel. Argentinien betrachtet diesen Schritt bis heute als völkerrechtswidrige Besetzung.Britische Soldaten kommen im Januar 1982 im Boot auf den Falklandinseln an.Imago1982 eskalierte der Konflikt. Die argentinische Militärjunta unter General Leopoldo Galtieri entschied sich, die Falklandinseln militärisch zu besetzen. Am 2. April 1982 landeten argentinische Truppen auf den Inseln und nahmen sie nahezu kampflos ein.Grossbritannien reagierte umgehend und entsandte eine Marine-Task-Force in den Südatlantik, um die Inseln zurückzuerobern. Nach heftigen See-, Luft- und Bodengefechten kapitulierten die argentinischen Streitkräfte am 14. Juni 1982. Der Krieg dauerte 74 Tage und forderte rund 900 Todesopfer, 649 auf argentinischer und 255 auf britischer Seite.Die Einwohner der Inseln sehen sich britischAn der territorialen Auseinandersetzung änderte der Krieg jedoch nichts: Die Falklandinseln stehen bis heute unter britischer Verwaltung, während Argentinien seinen Souveränitätsanspruch unverändert aufrechterhält.Auch in Buenos Aires ist der Konflikt präsent: Ein Mann läuft an einem Wandbild von Diego Maradona und Veteranen vom Falklandkrieg vorbei.Rodrigo Abd / APWie die Bewohner der Falklandinseln selbst über ihre Zugehörigkeit denken, machten sie 2013 deutlich. In einem Referendum sprachen sich 99,8 Prozent der 1672 Wahlberechtigten für einen Verbleib bei Grossbritannien aus. Die argentinische Regierung erkannte das Ergebnis allerdings nicht an.Wie tief der Konflikt in Argentinien bis heute wirkt, zeigte auch die rechtskonservative Vizepräsidentin Victoria Villarruel vor dem Spiel. Sie schrieb auf X über die Engländer: «Wir spielen gegen die Piraten-Usurpatoren.» Ihr Vater hatte im Krieg um die Falklandinseln für Argentiniens Militärdiktatur gekämpft.Wie reagiert die Fifa?Ganz anders fiel die Reaktion in England aus. «Falklands Fury» titelte die Boulevardzeitung «The Sun». Britische Medien forderten nach dem Halbfinal umgehend Sperren gegen die beteiligten Spieler. Weil Cristian Romero und Lisandro Martínez in der Premier League spielen, richteten sich Forderungen teilweise sogar an ihre Klubs Tottenham Hotspur und Manchester United.Die Briten berufen sich dabei auf die Regeln der Fifa. Sie verbietet Spielern und Offiziellen rund um die WM-Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. «Die Ausrüstung darf keine politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Aussagen oder Bilder enthalten», heisst es im Reglement des International Football Association Board (Ifab). Vor dem Halbfinal hatte die Fifa den Fans bereits untersagt, Fahnen, Transparente oder andere Gegenstände mit Bezug zum Falklandkrieg ins Stadion zu bringen. Trotzdem fand das Banner seinen Weg auf die Tribüne und später auf den Rasen.Argentinische Medien zogen in einem Akt der Verteidigung umgehend Parallelen zur Doppeladler-Affäre der Schweizer Nationalmannschaft an der WM 2018. Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner jubelten damals nach dem späten 2:1 vor den serbischen Fans und formierten ihre Hände zu einem Doppeladler, dem Nationalsymbol der Albaner. Die Serben empfanden das als Provokation. Die Fifa belegte die drei Schweizer in der Folge mit Geldstrafen. Ein ähnliches Strafmass könnte nun auch den argentinischen Spielern drohen. Ein Disziplinarverfahren hat der Weltverband bis jetzt allerdings noch nicht eröffnet. Er äusserte sich bisher auch nicht zum Vorfall.Für die Albiceleste wäre es nicht der erste Fall. Bereits 2014 präsentierten argentinische Nationalspieler vor einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien ein Banner mit der Aufschrift «Las Malvinas son argentinas». Damals belegte die Fifa den argentinischen Verband mit einer Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 30 000 Franken.Passend zum Artikel
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