Selenski stellt seine Regierung radikal um – und löst damit Empörung ausDer ukrainische Präsident nominiert einen Energiemanager als neuen Regierungschef. Viel höhere Wellen schlägt aber die Entlassung des Verteidigungsministers Fedorow. War er Selenski zu reformfreudig und zu populär?16.07.2026, 10.46 Uhr5 LeseminutenAnhänger des entlassenen Verteidigungsministers Michailo Fedorow protestieren in Kiew gegen die Regierungsumbildung.Thomas Peter / ReutersEin Manager aus der Energiewirtschaft soll künftig die ukrainische Regierung führen. Präsident Wolodimir Selenski gab am Mittwochabend bekannt, dass er dem Parlament Serhi Korezki, den Geschäftsführer des staatlichen Rohstoffunternehmens Naftogaz, als neuen Regierungschef vorschlagen werde. Die Bestätigung durch die Abgeordneten soll am Donnerstag stattfinden und gilt als Formsache.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Blick auf den nächsten WinterKorezkis Name zirkulierte in den Medien, seitdem Selenski am Sonntag überraschend Ministerpräsidentin Julia Swiridenko entlassen hatte. Swiridenko war exakt ein Jahr im Amt gewesen. Selenski begründete den Schritt mit neuen politischen Prioritäten, für die es neue Gesichter brauche.Der Präsident hat die Regierung seit Kriegsbeginn bereits mehrmals umgestellt. Neuwahlen sind unter geltendem Recht im Kriegszustand nicht möglich. Kritiker sagen, dass mit diesen Umbesetzungen im Kabinett eine Erneuerung nur vorgetäuscht werde, während sich an den wahren Machtverhältnissen nichts ändere. Seit dem russischen Grossangriff laufen alle Fäden im Präsidentenpalast zusammen.Korezki ist seit über zwei Jahrzehnten in der Energiewirtschaft tätig und gilt als fähiger Manager. In der Vergangenheit strukturierte der 48-jährige Volkswirt aus der westukrainischen Stadt Luzk unter anderem den Ölproduzenten Ukrnafta um, nachdem das zuvor oligarchisch geprägte Unternehmen im Herbst 2022 verstaatlicht worden war. Davor hatte er die von ihm mitbegründete Centurion-Gruppe geleitet, ein im Rohstoffhandel tätiges Unternehmen mit Sitz in Genf.Serhi Korezki soll neuer Regierungschef der Ukraine werden. Seine Bestätigung durch das Parlament gilt als Formsache.Andrew Kravchenko / Bloomberg / GettyMit Korezkis Nominierung unterstreicht Selenski die Bedeutung der Energiesicherheit für die Ukraine. Der Präsident sagte am Mittwoch, dass sich das Land für den nächsten Winter wappnen müsse. Korezki sei die am besten geeignete Person für diese Aufgabe. Als CEO von Naftogaz hat er im zurückliegenden, äusserst schwierigen Winter die Versorgung Kiews mit Gas sichergestellt.Seit Kriegsbeginn zerstört Russland gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine. In diesem Jahr waren die Auswirkungen wegen der extremen Kälte in der Ukraine besonders dramatisch. Obwohl Selenski immer wieder von der Möglichkeit spricht, den Krieg noch in diesem Jahr zu beenden, stellt sich Kiew auf eine Fortsetzung des Kampfes ein.Der populärste Minister muss gehenWeitaus höhere Wellen als der Wechsel an der Regierungsspitze schlägt jedoch eine andere Personalie. Ebenfalls am Mittwochabend bestätigte Verteidigungsminister Michailo Fedorow Gerüchte, dass auch sein Posten neu besetzt werde. Diese hatten bereits in den vergangenen Tagen grosses Kopfschütteln und – besonders in jungen, reformorientierten Kreisen – einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Am Donnerstagmorgen versammelten sich Anhänger des geschassten Ministers für einen Protest vor dem Parlamentsgebäude.Der 35-jährige Fedorow ist das jüngste und populärste Mitglied der Regierung. An die Spitze des Verteidigungsministeriums rückte er erst vor sechs Monaten im Rahmen einer grossen Umbesetzung in den Sicherheitsstrukturen. Davor hatte er das Digitalisierungsministerium geleitet. Als sein grösster Erfolg aus dieser Zeit gilt die Einführung der Smartphone-App Dija, mit der sich eine Vielzahl von Behördengängen online erledigen lässt. Ausserdem war er eine treibende Kraft hinter dem für den Überlebenskampf des Landes so wichtigen Drohnenprogramm.Seine Ernennung zum Verteidigungsminister weckte die Hoffnung auf eine Modernisierung des trägen, noch immer von Sowjetstrukturen geprägten Ministeriums, das durch das riesige Rüstungsbudget in Kriegszeiten weiter aufgebläht wurde. Diese Hoffnungen haben sich nun zerschlagen.Verteidigungsminister Michailo Fedorow galt in reformorientierten Kreisen als Hoffnungsträger. Jetzt hat ihn Präsident Selenski entlassen.Joel Hunn / NZZViel erreicht in kurzer ZeitIn einem Beitrag in den sozialen Netzwerken listete Fedorow auf, was er in seiner kurzen Amtszeit erreicht oder zumindest angestossen hat. Dazu zählen der Ausbau der Produktionskapazitäten, vor allem im Drohnenbereich, sowie die Beschaffung zusätzlicher Mittel für Rüstungsprogramme, auch durch die Umwidmung von Geldern, die eigentlich für Gehälter vorgesehen waren.It has been a great honor to serve the Ukrainian people as the Minister of Defense.Here is what our team managed to achieve:1. Disabled Starlink access for Russian forces.2. Took over a Ministry of Defense with zero budget, took a risk, reallocated funds from payroll from… pic.twitter.com/18B5QQaeqL— Mykhailo Fedorov (@FedorovMykhailo) July 15, 2026
Selenski entlässt Verteidigungsminister: Was steckt dahinter?
Der ukrainische Präsident nominiert einen Energiemanager als neuen Regierungschef. Viel höhere Wellen schlägt aber die Entlassung des Verteidigungsministers Fedorow. War er Selenski zu reformfreudig und zu populär?










