Gewerkschaftsproteste gegen Sparpläne in der Autobranche helfen nicht. Die Verlagerung von Autoproduktion aus Deutschland ist längst im Gange und kostet Beschäftigungschancen. Zuletzt wurde die Produktion des Volkswagen Passat von Emden nach Tschechien zu Škoda verlegt. Der traditionelle Volkswagen Transporter, ehemals in Hannover gebaut, wird nun in einer Ford-Fabrik in der Türkei hergestellt. Für die ehemals in Wolfsburg produzierten erhöhten Golf-Modelle, zuletzt unter dem Namen Sportsvan, gibt es einen Nachfolger aus Portugal, den T-Roc. Er nimmt in der Absatzstatistik die Position des zweitwichtigsten Volkswagens auf dem deutschen Markt ein.Audi, die Premiummarke des Volkswagen-Konzerns, hat kürzlich zudem die Produktion des bisher kleinsten in Deutschland gefertigten Modells ersatzlos eingestellt, das SUV Q2. Das nächstgrößere SUV Q3 kam ohnehin nie aus Deutschland, aktuell aus Ungarn.Erfolgs-BMW kommt aus Ungarn, Mercedes-Motoren aus ChinaAuch die beiden anderen deutschen Autokonzerne zieht es über die Grenzen. BMW freut sich, dass die Jahresproduktion 2026 des neuen Elektromodells iX3 schon früh ausverkauft war. Dieses Erfolgsmodell wird aber in einer neuen Fabrik in Ungarn gefertigt. Auch Mercedes baut seine Produktion in Ungarn aus. Dort soll vom zweiten Halbjahr an die kompakte A-Klasse vom Band laufen, nachdem jahrelang das Werk in Rastatt diese Aufgabe übernommen hatte. Aus Ungarn kommen auch weitere Elektro-Mercedes, das SUV GLB und die neue elektrische C-Klasse. Die Benzinmotoren etwa für das Mittelklassemodell CLA werden nun in China gebaut.Neben der offiziellen, Schritt für Schritt vollzogenen Verlagerung der Produktion einzelner Modellreihen ins Ausland gibt es auch noch einen schleichenden Verlust von Produktion und Wertschöpfung: In früheren Jahren krönten die drei deutschen Premium-Marken die Modellpalette jeweils mit einer großen Limousine, die einen sechsstelligen Preis und eine attraktive Gewinnmarge hatte. Doch der Absatz dieser Luxuslimousinen hat sich in den vergangenen Jahren halbiert zugunsten großer Luxus-SUV. Das Problem für den Standort Deutschland liegt darin, dass die Luxuslimousinen mit schwindenden Verkaufszahlen in Deutschland gebaut werden, die gefragten Luxus-SUV dagegen in den USA und in der Slowakei.Auch der Verbrenner-Golf zieht bald weg aus WolfsburgDeutschland hat schon lange die Produktion und damit die Wertschöpfung der Kleinwagen verloren. Nach dem geplanten Umzug der Fertigung des Verbrenner-Golfs nach Mexiko bliebe auch nichts mehr übrig vom Kompakt-Segment. In der langfristigen Planung wurde seit Jahren immer wieder gegen den Standort Deutschland entschieden und damit gegen eine langfristige Zukunft der Auto-Arbeitsplätze in Deutschland, ob bei den Herstellern oder ihren Zulieferern.Zur neuen Realität passt die alte Erwartungshaltung von Arbeitnehmern und Gewerkschaften nicht mehr. Zu den Selbstverständlichkeiten gehörten bisher kontinuierliche Lohnerhöhungen mit Kaufkraftzuwachs, ebenso tendenziell sinkende Arbeitszeiten und lange Zeit auch günstigere Regeln für Renteneintritt und Rente. Angesichts der wirtschaftlichen Lage erscheinen solche Privilegien nun aus der Zeit gefallen.Mit Rabatt kostet das chinesische Modell die HälfteSelbst auf dem Heimatmarkt erwächst deutschen Produkten neue Konkurrenz. So wird das Mittelklasse-SUV Volkswagen Tiguan mit Plug-in-Antrieb zum Listenpreis ab 53.000 Euro verkauft, der gleich große BYD Seal U mit Listenpreis 39.990 Euro abzüglich 11.000 Euro Rabatt. Deutsche Gewerkschaften stehen daher in einer Mitverantwortung, die Produkte aus heimischer Fertigung konkurrenzfähig zu halten.Vorübergehend, bis manche Modelle aufgefrischt sind und die bisher schleppende Nachfrage nach Elektromodellen wächst, wäre an Kurzarbeit mit Viertagewoche zu denken. Ein Vorbild für manche Projekte könnte auch der ehemalige Personalvorstand Peter Hartz liefern, der 2001 Autoproduktion in Wolfsburg mit einer Sondervereinbarung sicherte, damals mit dem Angebot von 5000 Arbeitsplätzen zu einem untertariflichen Lohn von 5000 D-Mark.Langfristig muss die Wettbewerbsposition deutscher Autowerker im Grundsatz neu justiert werden. Der Autostandort Deutschland ist nicht mehr so einzigartig wie noch vor zehn Jahren. Auch in anderen Ländern weiß man längst, wie Autos gefertigt werden. Das ist eine schmerzhafte Tatsache, muss aber nun berücksichtigt werden. Ein Gehaltsverzicht wäre dennoch bei Beschäftigten deutscher Autohersteller kaum durchsetzbar. Doch eine andere Option bestünde in der Verlängerung der Arbeitszeit, zum Beispiel um 30 Minuten am Tag – ohne finanziellen Ausgleich. Deutsche Gewerkschaften können nicht länger auf Privilegien pochen, sondern müssen deutsche Arbeitsleistung auf dem Weltmarkt positionieren, bei Faktoren wie Bezahlung, Flexibilität und Arbeitszeit.