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Verteidigung: EU-Rekordausgaben für Waffen verschleiern zentrale Probleme Die Verteidigungsagentur EDA berichtet über Rekordinvestitionen der EU für Rüstung. Doch zentrale Probleme bei Beschaffung, Kooperation und Betrieb sind nicht gelöst.

Elisabeth Postl 16.07.2026 - 07:44 Uhr Artikel anhörenEurofighter-Abflug bei der ILA-Luftschau in Berlin: Die Rüstungsausgaben der EU-Mitgliedsstaaten steigen massiv an. Foto: BloombergBrüssel. Die Europäer rüsten im Rekordtempo auf. Das geht aus einer neuen Erhebung der Verteidigungsagentur European Defense Agency (EDA) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Jedoch zeigen sich auch finanzielle Fehlallokationen.1000 Euro pro EU-Bürger wurden demnach im Jahr 2025 für Verteidigung ausgegeben. 2014 waren es 500 Euro. Die Ausgaben aller EU-Mitgliedsländer stiegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 418 Milliarden Euro. Das entspricht 2,2 Prozent des gemeinsamen EU-Bruttoinlandsprodukts (BIP).Damit wird erstmals seit Jahrzehnten die Marke von zwei Prozent wieder übertroffen, die lange Ausgabeziel des Verteidigungsbündnisses Nato war. Inzwischen wurde das Nato-Ziel auf fünf Prozent des BIP erhöht. Pro aktivem Soldaten gaben die EU-Staaten 2025 rund 297.000 Euro aus, 2024 waren es noch 253.000 Euro.Prognosen für weiterhin starkes Wachstum2026 dürften der EDA-Analyse zufolge die Verteidigungsausgaben weiter wachsen: auf 2,4 Prozent des BIP, also auf 454 Milliarden Euro. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 wäre das ein Wachstum von 47 Prozent.36 Prozent der gesamten Verteidigungsausgaben dürften in sogenannte Rüstungsinvestitionen fließen: in den Ankauf von Ausrüstung und in Forschung und Entwicklung. 2025 machten Rüstungsinvestitionen bereits 32,2 Prozent der Gesamtausgaben der Verteidigungsetats aus. Im Jahr 2029, so die Einschätzung von EDA-Chef André Denk, könnten die Europäer 547 Milliarden Euro für ihre Verteidigung ausgeben.Die Aufrüstung der EU-Mitgliedsstaaten schreitet damit schneller voran, als die EDA in der Vergangenheit vorhergesehen hatte. „Beispiellos“ sei das, sagt Denk.Nationale Alleingänge bei der BeschaffungDie Zahlen verschleiern jedoch, dass ein großer Anteil der Gelder in das Schließen von Materiallücken ging. 85 Prozent der Rüstungsinvestitionen – 115 Milliarden Euro – flossen 2025 in den Ankauf von Ausrüstung. In den Jahren vor dem Ukraine-Krieg war wenig Geld in den Verteidigungssektor gegangen, die Ausrüstung der Streitkräfte war entsprechend veraltet.Eine strukturelle Verbesserung der Fähigkeiten bleibt dahinter zurück: Ausgaben für Verteidigungsforschung und -entwicklung stiegen zwar auf 17 Milliarden Euro an, machten aber nur vier Prozent der Gesamtausgaben aus. Die Personalausgaben stiegen nur um 3,8 Prozent.Auch die intereuropäische Zusammenarbeit läuft schleppender als geplant. Um ihre Verteidigungsfähigkeit schneller und effizienter zu erhöhen, wollen die EU-Staaten mehr gemeinsam investieren statt einzeln. Die EDA-Analyse zeigt jedoch, dass 2025 nur 24 Prozent der Rüstungsgüter gemeinsam mit EU-Partnern oder anderen befreundeten Staaten beschafft wurden.Auf rein europäische Kooperationen entfielen lediglich elf Prozent. Nationale Alleingänge schwächen nach Einschätzung der EDA jedoch Effizienz und Interoperabilität der europäischen Streitkräfte. Verwandte Themen Europäische UnionNATORüstungsindustrieEuropaForschungZudem scheint wenig Geld für den Unterhalt der neuen Systeme veranschlagt zu sein. Der Anteil der Ausgaben für Wartung, Logistik und Betrieb im Verteidigungsetat sank 2025 auf 23,4 Prozent. Europa kauft also möglicherweise Systeme, deren langfristiger Betrieb finanziell zur Herausforderung werden könnte.Die EDA formuliert das Problem nüchtern: Solange Beschaffung national bleibt, Wartung unterfinanziert ist und Forschung hinterherhinkt, sind mehr Ausgaben noch keine effizientere Verteidigung. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt