Es ist sieben Jahre her, dass Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder und seine Staatsregierung sämtliche Forderungen des Bienen-Volksbegehrens von ÖDP, Grünen und Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) übernommen haben. Der Grund: 1,7 Millionen Unterschriften für das Volksbegehren, das war nicht zu toppen. Hätten es CSU und Freie Wähler auf eine Volksabstimmung ankommen lassen, hätten sie damit rechnen müssen, dass die Wahlberechtigten sie zwingen würden, die Forderungen des Volksbegehrens zu akzeptieren. So eine Schmach wollten Söder und Co. auf keinen Fall hinnehmen. Also haben sie sich flugs den Forderungen angeschlossen.Was die zentrale Forderung des Volksbegehrens angeht, ist Schwarz-Orange inzwischen krachend gescheitert. Das ist das Ziel: 30 Prozent Bio-Landwirtschaft bis 2030. Das muss man so sagen, auch wenn es noch drei Jahre vor der Zeit ist. „Ziel ist, die landwirtschaftlich genutzten Flächen des Landes nach und nach, bis 2025 mindestens 20 Prozent und bis 2030 mindestens 30 Prozent, gemäß den Grundsätzen des ökologischen Landbaus (…) zu bewirtschaften“, heißt es in Artikel 1a des bayerischen Naturschutzgesetzes.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.2025, so kann man es auf der Internetseite der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nachlesen, wirtschafteten rund 10 700 bayerische Bauernhöfe beziehungsweise 10,9 Prozent aller Betriebe ökologisch. Zusammen bestellten diese etwa 417 500 Hektar Agrarland, das sind 13,4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Zwar ist das im Ländervergleich ein Spitzenwert. Aber zugleich ist es deutlich weniger als die gesetzlich fixierten 20 Prozent bis 2025, auch wenn im ersten Halbjahr 2026 die Zahl der Bio-Höfe und der Öko-Felder sicher wieder etwas angestiegen ist. Und in der Expertenwelt herrscht Einigkeit, dass der Rückstand nicht aufholbar ist.Aus Sicht der ÖDP-Vorsitzenden Agnes Becker, die mit ihrer Partei seinerzeit das Bienen-Volksbegehren gestartet hat, ist das überaus ärgerlich. Denn Bio sei nicht nur gut für die Bienen und die übrige Artenvielfalt. Sondern biete außerdem eine respektable Zukunftschance für die krisengebeutelte Landwirtschaft. Die Bauern und die Politik müssten sie nur ernsthaft ergreifen. Denn Bio boomt weiter bei den Verbrauchern, Wirtschaftskrise hin oder her.2025 ist der Umsatz von Bio-Lebensmitteln quer durch die Sortimente um acht bis zehn Prozent nach oben gegangen, insgesamt hat der Lebensmitteleinzelhandel nur ein Plus von drei Prozent verbucht. 2026 ist es ähnlich. „Da hat die Branche bisher erneut ein sattes Plus von knapp sieben Prozent hingelegt“, sagte Becker, als sie kürzlich wieder einmal eine Zwischenbilanz zur Umsetzung des Volksbegehrens zogen. Beim Lebensmittelhandel insgesamt waren es im zweiten Quartal 26 gerade mal 2,5 Prozent.Nach dem Waldbrand:Die schwarze Wüste in Bayerns BergenAnfang Mai brannte es am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen tagelang. Bis sich die Natur von der Katastrophe erholt, wird es Jahrzehnte dauern. Unterwegs mit Förstern im verbrannten Bergwald.Für Becker steht und fällt die Zukunft der Bio-Landwirtschaft in Bayern mit der Frage, ob die Staatsregierung endlich „zu Entscheidungen kommt“. Zum Beispiel „für eine Bio-Mindestquote von 30 Prozent in kommunalen Kantinen und anderen kommunalen und staatlichen Versorgungseinrichtungen“, wie sie sagt, „oder für die Intensivierung der Beratung von Landwirten, die ihren Hof von konventionell auf Bio umstellen wollen.“Die Staatsregierung hingegen scheint sich mit dem Scheitern ihres Bio-Ziels abgefunden zu haben. Das konnte man dieser Tage bei der Routine-Pressekonferenz nach der wöchentlichen Kabinettssitzung sehen. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) sprach da nicht nur ausgiebig über die neue Dachmarke „Genuss Bayern – Heimat des Guten“, die sie jetzt für die vielen regionalen Spezialitäten aus dem Freistaat installiert hat. Sondern stellte auch detailliert ein neues Förderprogramm für Steillagen-Winzer vor.Dann kam Kaniber kurz auf die Bio-Bauern zu sprechen. Genau gesagt, auf die Öko-Modellregionen, die 2014 von ihrem Amtsvorgänger Helmut Brunner (CSU) erfunden worden sind. Das sind regionale Zusammenschlüsse von Biobauern, lokalen Metzgern und Müllern und anderen Verarbeitern landwirtschaftlicher Bio-Produkte, Vermarktern und Verbrauchern. Sie sind ein großer Erfolg und werden von Kaniber sehr gefördert. Die Ministerin kündigte an, das auch in Zukunft zu tun. Dann sagte sie: „Alles andere werden wir nicht unterstützen.“ Ihr Grund: „Wenn Öko-Landbau von oben herab mit Zwang verordnet werden soll, kann es keinen Erfolg haben.“
Öko-Landwirtschaft in Bayern: Staatsregierung verfehlt ihr Bio-Ziel
Vor sieben Jahren haben CSU und FW gesetzlich verankert, dass es bis 2030 in Bayern 30 Prozent Öko-Landwirtschaft geben soll. Davon haben sie sich nun offenkundig verabschiedet.












