Moderne Schifffahrt ist abhängig von Schweröl. In der aktuellen Ölkrise wird ihr das zum Verhängnis – doch ein altbewährter Antrieb könnte helfen.

Auf Knopfdruck lassen sich die Segel der „Grain de Sail 2“ an die Windverhältnisse anpassen

Fred Tanneau/afp

Bevor der Frachtsegler mit seiner Ladung den Hafen von Concarneau in der Bretagne verlassen kann, prüft Kapitän Hadrien Bissou noch mal persönlich die Frachträume. Er klettert die steilen Leitern in den Schiffsbauch hinab und begutachtet auf allen drei Etagen, ob die Paletten mit Spirituosen und anderen französischen Produkten so gelagert sind, dass sie auch einem hohen Seegang standhalten.

Es ist ein Tag im Sommer 2024 und Hadrien Bissou steht ein erstes Mal bevor. Bissou ist bisher nur Öltanker gefahren, dieses Mal aber transportiert er Waren mit einem Frachtsegler. Und auch für dieses Schiff, die „Anemos“, ist es fast so was wie eine Jungfernfahrt. Erst mal überquert sie in den darauffolgenden Tagen den Atlantik. Dadurch wird sie zum ersten Schiff im 21. Jahrhundert, das diese Strecke mit über tausend Tonnen Fracht an Bord allein mit einem altbekannten Hauptantrieb zurücklegt: dem Wind.