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Frankreich: Unternehmer stellen sich auf RN ein – doch sie fürchten Le Pen Der Schock sitzt tief: Statt des unternehmerfreundlichen Jordan Bardella tritt für den RN nun doch Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen an. Mit ihr kehrt in der Wirtschaft die Angst vor mehr Staat und weniger Europa zurück.

Tanja Kuchenbecker 15.07.2026 - 17:58 Uhr Artikel anhörenMarine Le Pen bei einem Wahlkampfauftritt: Die Spitzenkandidatin des rechtsnationalen RN verunsichert die Wirtschaft. Foto: REUTERSParis. Marine Le Pens letztlich überraschende Präsidentschaftskandidatur sorgt für einen Schock bei Frankreichs Unternehmern. Nachdem der 57-Jährigen im vergangenen Jahr wegen Veruntreuung das passive Wahlrecht entzogen worden war, hatte sich die Wirtschaft auf Jordan Bardella (30) eingestellt – und damit auch auf einen Sieg des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) bei den Wahlen im kommenden Frühjahr.Bardella, Chef der in Wahlumfragen führenden Partei, gilt als wirtschaftsnah, europafreundlicher und versöhnlicher als die Fraktionschefin. Und auch wenn er das Parteiprogramm für die Wahl ausarbeitet: Sein Einfluss auf die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen bleibt fraglich.Es ist Le Pens vierter Anlauf auf den Élysée-Palast. Sie war vor einigen Tagen vor dem Pariser Berufungsgericht wegen Veruntreuung von öffentlichen Geldern verurteilt worden, die Richter reduzierten aber die Dauer ihrer Unwählbarkeit für öffentliche Ämter. Damit ließen sie ihr die Möglichkeit, bei den Wahlen im Frühjahr 2027 anzutreten. Sie erklärte noch am selben Abend, dass sie für den RN antreten wird. Und geht das Risiko ein, mit einer elektronischen Fußfessel in den Wahlkampf zu ziehen.Le Pen legte danach in den Umfragen sogar vier Punkte zu und ist mit 35 Prozent Wahlabsichten im ersten Wahlgang laut einer Umfrage des Instituts Elabe genauso stark wie Bardella zuvor. Jüngste Umfragen zeigen, dass ein Sieg von Le Pen im zweiten Wahlgang, der Stichwahl, nicht mehr ganz unwahrscheinlich ist, egal, wer ihr Gegner ist.Die Wirtschaftsbosse geben sich misstrauisch, scheuen angesichts des möglichen Wahlerfolgs aber auch den Kontakt zu beiden nicht. Le Pen etwa hat vor einigen Monaten 15 französische Firmenchefs, darunter Bernard Arnault von LVMH, zu einem Abendessen eingeladen, um für ihre Partei zu werben. Jordan Bardella war beim Arbeitgeberverband Medef zu Gast. Das wäre im vergangenen Wahlkampf noch undenkbar gewesen.Le Pen will ein anderes EuropaDie Wirtschaft hat aber auch ihren Favoriten gefunden. Ein Unternehmer erklärte im Gespräch mit der französischen Zeitung „Le Figaro“: „Jordan Bardella hat sich gegenüber Marine Le Pen abgesetzt. Er ist europäischer, liberaler, offener gegenüber Unternehmen und einer Union der Rechten.“ Mit Le Pen dagegen komme die Rückkehr der historischen Werte der Ultrarechten: antiliberal und antieuropäisch.Sie will ein anderes Europa, ein Europa der Nationen. Eine Kooperation mit Deutschland kommt dabei nicht vor, was sich auch negativ auf die engen Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder auswirken würde. Auch ihre Ideen zur Energiepolitik kommen nicht gut an – sie forderte 2024 einen Ausstieg aus dem europäischen Strommarkt. Le Pen kämpfte jahrelang gegen Wirtschaftseliten und forderte in der Energiekrise Sonderabgaben für Unternehmen.Frankreich Was Le Pens überraschende Kandidatur für Deutschland und die EU bedeutet Und Bardella? Im Gegensatz zu Le Pen will er nicht wieder die Rente mit 62 Jahren einführen und warnt vor neuen Steuern für Unternehmen. Das ist bei Arbeitgebern anschlussfähig. Bardella wird in Frankreich schon mit der ebenfalls rechtsnationalen italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verglichen, die nach der Wahl Beobachter unter anderem damit überraschte, dass sie eine aktive Rolle in der EU-Politik übernahm und mit ihrer Wirtschaftspolitik für Wachstum sorgt.Es gibt aber auch weiter große Skepsis gegenüber dem RN, auch bei der Wirtschaftsagenda. Arbeitgeberchef Patrick Martin erklärte, er wisse nicht, wofür der RN wirtschaftspolitisch steht: „Wir warten auf die politischen Programme.“ Französischen Medienberichten zufolge glauben die Unternehmer aber, dass Le Pen sich nicht sehr geändert hat. So sei sie weiterhin für Staatseinmischung.Le Pen bringt die VolksnähePatrick Démurger, Chef des Versicherers MAIF und Co-Präsident der Unternehmerorganisation Mouvement Impact France, sagte deutlich: „Viele Manager wissen, dass das Wirtschaftsprogramm des RN katastrophal ist. Es wäre der Ruin für Frankreich.“ Le Pens Unerfahrenheit in wirtschaftlichen Themen hat sie schon bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen 2017 und 2022 den Sieg gekostet, als sie jeweils Emmanuel Macron unterlag.Welche Rolle Bardella spielen wird, der in den vergangenen Monaten der Star der Umfragen war, ist unklar. Bisher heißt es im RN, es herrsche Einigkeit: Sollte Le Pen gewählt werden, wird sie Präsidentin und Bardella Premier. Dabei könnten sie als Tandem sogar stark sein, heißt es in Frankreichs Wirtschaftswelt.Rassemblement National Jung, smart, rechts – wird dieser 30-Jährige Frankreichs nächster Präsident? Verwandte Themen EuropaFrankreichEmmanuel MacronLVMHIm französischen Fernsehsender Public Senat analysiert Benjamin Morel, Spezialist für öffentliches Recht an der Universität Paris-Panthéon Assas: „Marine Le Pen ist das Fundament, Bardella erweitert den Horizont.“ Während Le Pen eher volksnah sei, könne Bardella das gehobene Bürgertum für sich gewinnen. Das könne in der Kampagne nützlich sein. Doch Le Pen sei die Chefin und treffe die Entscheidungen – auch, wenn sie mehr dem ultrarechten Profil des RN entsprächen.Frankreichs Unternehmer hoffen deshalb auf einen starken Gegenkandidaten aus dem Lager der bürgerlichen Mitte. Doch die Mitte von links bis rechts ist uneinig und es sind zu viele Kandidaten im Rennen um die Macron-Nachfolge. Der aussichtsreichste wäre derzeit Édouard Philippe, ehemaliger Premierminister, der politisch Mitte-rechts einzuordnen ist. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt