PfadnavigationHomeSportFußballWMZettelwirtschaft„Ich schweige lieber“ – so bereitet sich ein TV-Kommentator auf ein WM-Spiel vorVon Matthias MarburgStand: 12:49 UhrLesedauer: 3 MinutenSpanien zieht ins WM-Finale ein. Frankreich hat Glück, dass Olise nicht früh mit Rot vom Platz fliegt, doch auch mit elf Mann bleiben die Franzosen viel zu harmlos. Ein Elfmeter fungiert als Dosenöffner für die Spanier. Sehen Sie die Highlights hier im Video.Vor einem Spiel wälzt WM-Kommentator Christian Straßburger Datenmappen, alte Vorbereitungszettel und arbeitet mit einem befreundeten Taktikexperten zusammen. Seine Idealvorstellung: „Am allerliebsten verwende ich gar keine der Informationen.“Wer das WM-Halbfinale Spanien gegen Frankreich (2:0) auf Magenta TV verfolgte, hörte die Stimme von Kommentator Christian Straßburger. Und dessen Informationen über Spieler und Formationen. Aber woher weiß der Mann das eigentlich alles?Er bereitet sich gewissenhaft vor, druckt sich Fakten über die beteiligten Kicker auf kleine Zettel aus. Nach dem Halbfinale stellte Straßburger der „Bild“ seine Zettelwirtschaft zur Verfügung. Und sagt: „Die kleinen Zettel sind meine Grundarbeit – wie alt ist der Spieler? Wo spielt er? Was hat er vorher gemacht? Teile der Informationen suche ich raus, andere Teile kommen aus den Datenmappen von Dienstleistern. Ich filtere die Teile heraus, die mich interessieren und von denen ich glaube, dass sie die Zuschauer interessieren.“Die Zettel klebt er dann auf ein großes Blatt, und ordnet sie in der taktischen Formation an. „Sie sind extra klein, weil die Leute das Spiel auch genießen sollen. Ich will nicht das Gefühl haben, ihnen zu jeder Zeit unbedingt noch was erzählen zu müssen. Am allerliebsten verwende ich gar keine der Informationen, das heißt dann nämlich, dass es ein tolles Spiel ist“, sagt er.Während des Spiels hat er bei der WM einen Assistenten, den er sich selbst aussuchen darf. Aktuell ist das Daniel Flottmann aus dem Trainerteam von Werder Bremen II. Straßburger: „Wir kennen uns schon lange, er lässt mich das Spiel verstehen. Ich selbst habe nie hoch gespielt.“Die Zusammenarbeit während der 90 Minuten beschreibt er so: „Wir drücken eine Taste, die uns für die Zuschauer auf stumm schaltet. Dann reden wir miteinander. Meist stelle ich ihm dann Fragen: Warum wechselt der? Stellt der die Taktik um? Ich bitte ihn, dass er mir das noch einmal aufschreibt und als Notiz rüberreicht. Ich baue die Information dann ein, wenn es passt.“TV-Kommentator erklärt, wie er sich vorbereitetAusgegangen sind ihm die Informationen noch nie. Eher im Gegenteil: „Wir bereiten so viel vor, meistens sind rund 30 bis 40 Prozent der Infos für die Tonne. Und sollte es doch mal eng werden, dann schweige ich lieber, als dass ich auf Teufel komm raus was erzähle.“Lesen Sie auchStraßburger arbeitet seit rund zehn Jahren bei Live-Fußballspielen am Mikrofon. Aktuell arbeitet er für Sky und Magenta: „Die Vorbereitung auf ein Zweit- oder Drittligaspiel und auf ein WM-Spiel ist zu 90 Prozent gleich. Wobei ich beim deutschen Fußball natürlich mehr drin bin. Über die Mannschaften lese ich täglich, da hat die Vorbereitung keinen Anfang und kein Ende. Hier beim Turnier mache ich England gegen Panama und muss mich erstmal in den 26er-Kader von Panama einlesen. Florian, ein guter Freund von mir, hilft da bei der Vorbereitung. Der sagt mir, wenn ein Panama-Spieler irgendwas Besonderes bei Instagram macht oder so was in der Art.“Lesen Sie auchUnd was passiert mit seinen Zetteln? „Ich habe viele noch zu Hause. Die hole ich vielleicht raus, wenn ich älter bin“, sagt Straßburger.