Neulich am Lago di Bracciano, nahe Rom. Nach einer Weile am Strand ist die Wasserflasche leer, aber oben an der Straße ist ein Trinkwasserbrunnen. Und das Kind muss mal. Man will beides zusammen erledigen, schnappt sich also Flasche und Kind, zwei Stufen hoch, über den Zebrastreifen. Da fährt die Polizei rechts ran. Das Kind winkt begeistert. Die Polizistin auf dem Beifahrersitz aber schaut recht streng.Signora, sagt sie, so können Sie hier aber nicht rumlaufen. Man stutzt. Wie? Mit Flasche in der einen und Kind an der anderen Hand? Nein, nein, sagt die Polizistin, im Bikini! Das ist eine Straße! Der Verdacht, es hier mit einer besonders eifrigen Gesetzeshüterin zu tun zu haben, erhärtet sich im anschließenden Gespräch mit Freunden. Die finden ebenfalls, dass die Uferstraße ja praktisch noch Strand ist.Womit die Frau aber recht hat: Mit Badekleidung läuft man nicht durch den Ort. Non si fa, das macht man nicht, da sind sich Italienerinnen und Italiener weitgehend einig. Weil viele Touristinnen und Touristen es offensichtlich anders sehen oder die Italiener die Regel vergessen, sobald sie selbst im eigenen Land im Urlaub sind, gelten in vielen Badeorten Italiens mehr oder weniger strenge Vorschriften. Je nach Gemeinde können Bußgelder anfallen.Am Comer See, im einstigen Fischerörtchen Varenna, ist gerade eine neue Regel in Kraft getreten: Wer oberkörperfrei oder im Bikini im Dorf unterwegs ist, riskiert eine Strafe von bis zu 200 Euro.Häuser in Varenna am Comer See. BRIGITTE HAGEMANN/AFPVon „ungehobelten Urlaubern“ ist in italienischen Medien mal wieder die Rede, von „unzivilisiertem Verhalten“ und „modernen Barbaren“. Die Zeitung La Repubblica titelt sogar vom „Sommer der Verbote“ – führt aber gleichzeitig aus, dass viele Vorschriften schon länger gelten. In Gallipoli in Apulien etwa sind seit Jahren 500 Euro fällig für Strandkleidung jenseits des Strandes. Das gilt – Fans des Englischen Gartens aufgepasst – nun auch für Parks.Die italienische Regelfreude beschränkt sich nicht auf Nacktheit. Im ligurischen Portofino etwa darf man an bestimmten Stellen nicht stehen bleiben und fotografieren, bekannt als „Selfie-Verbot“. Sich einfach irgendwo hinsetzen und ein Panino auf die Hand essen, geht dort auch nicht, ebenso wenig am Markusplatz in Venedig oder der Spanischen Treppe in Rom. Und klar, im Trevi-Brunnen zu baden, ist ebenso verboten. Ende Mai hat es eine Touristin trotzdem wieder gewagt, der Anita-Ekberg-Moment war ihr offenbar die 450 Euro Strafe wert.Bei den Regelungen geht es darum, Denkmäler zu schützen, Müll zu vermeiden und darum, dass Einheimische sich nicht belästigt fühlen. Viele sind Reaktionen auf Overtourism: Varenna etwa hat, wie zuvor schon Capri, die Größe von Besuchergruppen begrenzt.Und dann gibt es Verbote, die niemandem so recht einleuchten. In Villasimius auf Sardinien wollte der Bürgermeister kürzlich an einem Strand allen zwischen zehn und 65 Jahren die Sonnenschirme verbieten. Aus Umweltschutzgründen. Auf Social Media fragten manche, ob sie sich jetzt Kinder ausleihen sollten oder immer die Oma mitnehmen müssten, um Hautkrebs zu vermeiden. Die Gemeinde hat die Regel dann noch mal überarbeitet: Sonnenschirme dürfen mit. Aber nur einer pro Familie oder Gruppe.
Italien: Wer in Varenna am Comer See in Badesachen rumläuft, muss Strafe zahlen
Im Bikini oder oberkörperfrei bitte nur am Strand. Es ist nicht die einzige strenge Regel für Touristen in Italien. Viele sind begründet.











