Vater Staat geht großzügig in Vorleistung, wenn Väter und seltener auch Mütter nach einer Trennung der Unterhaltspflicht für ihre Kinder nicht nachkommen. Wohlgemerkt nur in Vorleistung: Der sogenannte staatliche Unterhaltsvorschuss ähnelt einem zinslosen Darlehen. Die säumigen Elternteile müssen den Vorschuss zurückzahlen.Im Idealfall, wenn jeder dieser Verpflichtung nachkäme, hätte der Staat also nur einen Verlust in Höhe der entgangenen Zinseinnahmen. Das ließe sich leicht verkraften. Der Verpflichtung kommen allerdings nur die wenigsten nach: In den vergangenen Jahren bekam der Staat auf diese Weise jeweils um die zwanzig Prozent des vorgestreckten Geldes zurück, 2025 wurden 18 Prozent des Geldes zurückbezahlt.Warum schafft es der Staat nicht, sich das Geld zurückzuholen?In der Debatte, die sich nun an den Plänen von Bundesfamilienministerin Karin Prien entzündet hat, diesen Vorschuss zu kürzen, kommt die mangelnde Zahlungsmoral jedoch nur am Rande vor. Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner nennt Priens Sparpläne eine „Schweinerei“, weil damit der Haushalt auf dem Rücken von Alleinerziehenden saniert werde. Der Kinderschutzbund spricht von einem „Skandal“.Aber ist die eigentliche „Schweinerei“ nicht, dass die meisten Männer sich einen schlanken Fuß machen und den Vorschuss nicht zurückzahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind? Und besteht der „Skandal“ nicht darin, dass der Staat es offenbar nicht schafft, dieses Geld wieder einzutreiben?Es mag triftige Gründe dafür geben. Ein Teil der Väter dürfte das Geld für den Unterhalt schlicht nicht haben, aus welchen Gründen auch immer.Nicht ohne Weiteres vorstellbar ist jedoch, dass dies für so viele säumige Väter zutreffen soll. Und wenn es so wäre, dann wäre der Unterhaltsvorschuss der falsche Weg, um Armut zu bekämpfen. Man wüsste auch gerne, warum sich der Staat so schwer damit tut, seinen Vorschuss wieder einzutreiben. Das alles wäre erklärungsbedürftig. Danach kann die Debatte losgehen.