Ein Expertengremium hat am Montag EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Gutachten zum Schutz Minderjähriger im Netz übergeben. In 156 Seiten empfiehlt es, Plattformen wie Meta durch eine Beweislastumkehr stärker in die Pflicht zu nehmen.

Zugleich spricht sich das Gutachten für ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren in der Europäischen Union aus. Dieses soll nicht nur für klassische soziale Netzwerke gelten. Unter dem Begriff „Social Media Plus“ fasst der Bericht auch Videoplattformen, App-Stores, Online-Spiele sowie KI-Chatbots und digitale Begleiter zusammen. Die Empfehlung entspricht dem Kurs, den von der Leyen seit Monaten verfolgt.

Im Laufe einer Pressekonferenz bekräftigte sie ihre Forderung nun erneut: „Wenn wir großen Technologieunternehmen weiterhin uneingeschränkten Zugang zu unseren Kindern gewähren, setzen wir eine weitere Generation psychischen Belastungen, Sucht und Leid aus.“

Im April hatte die EU-Kommission eine App zur Altersverifikation als „technisch fertig“ und mit „höchsten Datenschutzstandards“ vorgestellt. Ein Sicherheitsforscher hebelte die App jedoch binnen weniger Minuten aus. Zuvor hatten mehr als 400 Wissenschaftler aus 29 Ländern in einem Offenen Brief vor flächendeckenden Alterskontrollen ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage gewarnt. Auch der Deutsche Ethikrat lehnt ein pauschales Mindestalter für soziale Medien ab. Stattdessen empfiehlt er ein risikobasiertes Schutzkonzept und warnt davor, dass Altersbestimmungstechnologien Nebenwirkungen für alle Nutzer haben können.