Als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, flohen viele Menschen nach Polen. Dort nahm man die Geflüchteten mit offenen Armen auf, unterstützte die Hilfsbedürftigen. Doch derzeit scheint die Stimmung zu kippen, die Regierungen Polens und der Ukraine sind in einen politischen Streit geraten. Nun häufen sich Berichte über Übergriffe auf in Polen lebende Ukrainerinnen und Ukrainer.

Großes Aufsehen erregte ein Zwischenfall in Bielsko-Biała im Südwesten Polens. In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen unflätig und verlangte, sie sollten in ihr Land zurückkehren.In Sosnowiec im Süden wurde nach Medienberichten vom Dienstag ein Mann verhaftet, der in den vergangenen Wochen dreimal Ukrainer angegriffen haben soll.In Łódź in Zentralpolen erstattete ein Pole Anzeige. Er war verprügelt und am Kopf verletzt worden, weil ein Angreifer ihn für einen Ukrainer hielt. Das meldet die Nachrichtenagentur PAP nach Polizeiangaben.Innenminister Marcin Kierwiński wirft der politischen Rechten vor, Stimmung gegen die etwa 1,5 Millionen Ukrainer in Polen zu machen. »Die Opfer sind sowohl Polen als auch Ausländer«, schreibt er auf dem Portal X . Die Polizei werde in allen Fällen entschlossen reagieren: »Null Toleranz!« Die linksliberale Zeitung »Gazeta Wyborcza« schreibt von einer Hetzjagd: »Ihr Ziel sind die Ukrainer, die angeblich für all unsere Probleme und Misserfolge verantwortlich sind.«