Den Irankrieg hatten Anleger in den vergangenen Wochen schon wieder ausgeklammert. Die Indizes erklommen Höchststände, auch der deutsche Leitindex Dax. Damit ist nun erst einmal Schluss. Der wieder aufgeflammte Irankrieg verunsichert die Marktteilnehmer.Besonders heftig hat es zum Wochenauftakt die Märkte in Asien erwischt. In Südkorea ist der Leitindex Kospi um knapp acht Prozent eingebrochen. Der Kurs von Samsung Electronics, dem nach Marktkapitalisierung größten börsennotierten Unternehmen des Landes, sank um über zehn Prozent. Am drastischsten ist der Kurs des Chip-Produzenten SK Hynix gefallen. Nachdem der Marktführer bei sogenannten HBM-Speicherchips (High Bandwidth Memory) noch am Freitag in einer Erstnotiz an der US-Börse Nasdaq 26,5 Milliarden Dollar einsammeln konnte, lag der Kurs von SK Hynix am Montag um über 13 Prozent im Minus. Auch die Börse in Tokio schloss deutlich im Minus. Der Nikkei 225 verlor knapp zwei Prozent.In dieser Deutlichkeit ging der deutsche Leitindex nicht in die Knie. Im Gegenteil, nachdem der Dax am Montagmorgen zunächst die Marke von 25.000 Punkten unterschritten hatte, stand zur Mittagszeit sogar ein leichtes Plus an der Kurstafel. „Schnäppchenjäger haben den Dax zurück über die Marke von 25.000 Punkten gekauft“, kommentierte Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst bei CMC Markets.Es zahlte sich aus, dass der deutsche Leitindex viel weniger technologieabhängig ist als etwa die Märkte in Asien. Das entspricht nämlich dem aktuellen Zeitgeist, wie Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der zur BNP Paribas gehörenden Consorsbank, denkt:„Je spezialisierter die Indizes sind, desto höher fallen die Verluste aus. Je breiter sie gestreut sind, desto besser stehen sie da. Das ist ein Hinweis darauf, dass Anleger weiterhin versuchen, ihre seit April aufgelaufenen, teilweise hohen Gewinne in Technologieaktien durch eine breitere Streuung ihrer Investments abzusichern. Wir sehen einen Siegeszug der Generalisten unter den Indizes gegenüber den Spezialisten“, sagt Stanzl.Neuausrichtung des Portfolios„Die Sommerzeit ist traditionell eine Phase, in der Investoren ihre Portfolios für das zweite Halbjahr neu ausrichten. In diesem Jahr scheint diese Neuausrichtung vor allem zulasten der zuletzt stark gelaufenen Technologie- und KI-Aktien zu gehen. Zugleich rücken zyklische Aktien und Value-Titel wieder stärker in den Blick“, sagt Stanzl der F.A.Z. Was vor gut einer Woche mit einer negativen Kursreaktion auf sehr gute Samsung-Quartalszahlen begonnen habe, setzte sich ungebremst in die neue Handelswoche fort: „Anleger haben gerade einfach keine Lust mehr auf KI-Aktien“, ist Stanzl überzeugt.Die Sektorrotation bedeute deshalb aus seiner Sicht aber nicht automatisch das Ende des Technologie-Bullenmarktes. Vielmehr versuchten Anleger, die seit April aufgelaufenen Kursgewinne zu schützen. „Ein klassischer Weg dafür ist Diversifikation: breitere Streuung über Regionen, Branchen und Indizes“, sagt Stanzl.Hinzu kommt, dass an den Börsen ab dem heutigen Dienstag wieder Fakten statt Erwartungen sprechen. Die Berichtssaison für das Juni-Quartal wird traditionell von den US-Banken eröffnet. Und die Aussichten sind günstig, glaubt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Die führenden US-Banken und -Investmenthäuser könnten ihre Gewinne laut Analysten um rund 17 Prozent im Vorjahresvergleich gesteigert haben.“ Rückenwind dürfte von den Kapitalmärkten gekommen sein: Hohe Handelsumsätze, zahlreiche Börsengänge sowie eine rege Aktivität bei Übernahmen und Kapitalmaßnahmen könnten das Investmentbanking belebt haben. Das klassische Bankgeschäft wiederum dürfte von einer robusten Wirtschaft und einer wachsenden Kreditvergabe, insbesondere bei Gewerbeimmobilien, profitiert haben.Ein Wechsel von KI- zu Bankaktien bietet sich aber nicht an. Denn Stephan weist darauf hin, dass vieles in den Bankwerten schon eingepreist sei. Denn der S&P-500-Banken-Sektor habe sich in den vergangenen zwei Monaten besser entwickelt als der Gesamtmarkt.