Was das Expertengremium auf EU-Ebene zur Nutzung von „sozialen Medien“ im Kindesalter und in der Jugend zu sagen hat, entspricht im Wesentlichen den Empfehlungen der Kommission, die im April in Deutschland ihren Bericht vorgelegt hat. Die Grundlinien sind klar: Kleinkinder haben am Smartphone nichts zu suchen, danach sollte die digitale Welt nicht unkontrolliert über Kinder und Jugendliche hereinbrechen.Der Frage, ob dafür ein Verbot das geeignete Mittel wäre, war die deutsche Kommission ausgewichen, besser gesagt: Sie hatte die Frage an Eltern und Schulen zurückgegeben. Resolute Eltern und Schulen hatten längst für sich eine Antwort gefunden. Schließlich war mit Händen zu greifen, was Bildungsforscher nun im Auftrag der Politik zusammengetragen haben.Kontrollverlust in Schulen und ElternhäusernDoch die Sache selbst zu regeln, hatte nur begrenzte Durchschlagskraft. Besonders für Eltern bedeutete das Laissez-faire von Staat, Gesellschaft und Netzgemeinde, sich erst den Kontrollverlust einzugestehen, dann zu kapitulieren. Das Desinteresse der Digitalmagnaten tat ein Übriges. Auch die EU tut sich schwer damit, süchtig machende Algorithmen einzuhegen oder deren Verbot durchzusetzen.Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, sieht sich deshalb durch die Empfehlungen des Gremiums ermutigt, den Zugang zu „sozialen Medien“ nach Altersgruppen gestaffelt zu reglementieren. Entschieden ist in Brüssel offenbar schon, dass es ein Mindestalter geben wird, und es dürfte ebenso klar sein, dass es nicht bei drei oder vier Jahren, sondern eher bei 13 Jahren liegen wird.Ist das nun gut oder schlecht? Verfolgt man die Debatte seit gut zwanzig Jahren, muss man sagen: Ja, es ist gut. Kein digitales Neuland wurde so unerträglich idealisiert wie das der „sozialen“ Medien. Nun kommt die Quittung. Niemand wird es aber gutheißen können, dass Regeln und Verbote die Freiheit ersetzen, sich in einer neuen Welt in eigener Verantwortung und ohne staatliche Bevormundung einrichten zu können.
Neue Regeln sind die Quittung für digitales Laissez-faire
Die Zeichen in Brüssel stehen auf ein Social-Media-Verbot. Die Zeiten der unerträglichen Idealisierung sind vorbei. Die Freiheit bleibt auf der Strecke.














