Der andere BlickDie Grünen haben ein Männerproblem. Zum männlichen Geschlecht fallen ihnen nur Klischees einMänner sind vielen Linken grundsätzlich suspekt. Sie gelten ihnen als aggressiv, laut und rücksichtslos. Die Grünen wollen nun mit einem Manifest gegensteuern. Doch das macht es nur schlimmer.14.07.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenMänner am Genfersee in LausanneLaurent Gillieron / KeystoneSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Morten Freidel, stellvertretender Chefredaktor der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In linken Kreisen gilt der Mann schon lange als Problemfall. Nicht etwa nur, weil er möglicherweise falsch erzogen wurde und breitbeiniges Auftreten verwechselt mit Autorität. Sondern schon aufgrund seiner vermeintlichen Wesensmerkmale. Er ist aggressiv und damit latent gewalttätig, er ist laut und damit latent verletzend, er ist rücksichtslos und damit latent asozial.Dieses Denken ist auch unter Grünen verbreitet. Unvergessen, wie die frühere Bundessprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, sich einmal lustig machte über Männer, die sich an Silvester mit Böllern die Finger abgesprengt hatten. Die könnten dann, schrieb sie, zumindest keine Frauen mehr schlagen. Dafür entschuldigte sie sich später. Doch zeigt der Beitrag exemplarisch, wie tief bei einigen die Verachtung reicht.All das hat politische Folgen, vor allem für junge Männer. Bei der vergangenen Bundestagswahl war die beliebteste Partei unter ihnen mit grossem Abstand die AfD, mehr als 25 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wählten sie. Das Wahlergebnis für die Grünen hingegen brach in dieser Altersgruppe um mehr als acht Prozentpunkte ein, von 19,7 auf 11,1 Prozent. Wer Männer pauschal unter Verdacht stellt, muss sich nicht wundern, wenn sie sich abwenden.Nun möchte die Partei ihren Fehler korrigieren. Mit einem Manifest wollen grüne Politiker Männern ein positives Identifikationsangebot unterbreiten. Der Abgeordnete Julian Joswig sagte dazu, die Partei müsse raus aus ihren «Hygienezonen». Dorthin also, wo Männer pumpen gehen, aufgemotzte Autos fahren und Nackensteaks grillieren. Das soll fortan in Ordnung sein, solange sie ihr Kreuz bei der richtigen Partei machen.Nur: Ist das nicht selbstverständlich? Es gibt sowohl lastenradfahrende Machos als auch fürsorgliche Ehemänner mit tiefergelegtem BMW. Wo ein Mann politisch steht, hat mit Äusserlichkeiten wenig zu tun. Letztlich belegt die ganze Diskussion nur, wie oberflächlich die Grünen über die Geschlechter sprechen.Das Misstrauen gegenüber dem MannHinzu kommt: Selbst dieser missratene Versuch, sich breitere männliche Wählerschichten zu erschliessen, stiess auf Widerstand. Parteiinterne Kritiker waren entsetzt. Sie befürchteten, damit Frauen zu verschrecken. Offenbar fühlen sich grüne Wählerinnen schon herausgefordert, wenn Männer mit definiertem Oberkörper geneigt sein könnten, ihre Stammpartei zu wählen.Das passt ins Bild. Eine Untersuchung vor einigen Jahren ergab, dass Grüne von allen deutschen Parteien das geschlossenste Wählermilieu haben, weit homogener noch als die AfD. Man bleibt unter sich, man pflegt den gleichen Lebensstil, man hat die gleiche Wärmepumpe. Andere Lebensentwürfe stören da nur, egal wie kompatibel sie mit der Politik eines Robert Habeck sein mögen.Es wird deswegen nicht helfen, wenn die Grünen ihre Schablone vom modernen Mann um ein paar andere erweitern. Sie müssen sich grundsätzlicher hinterfragen. Früher kämpften Linke gegen Geschlechterstereotype und dafür, dass Frauen Hosenanzüge tragen und wie Männer in der Finanzwelt Karriere machen können. Heute sind die Stereotype zurückgekehrt, nur in umgekehrter Form. Was früher die Frau war, die vermeintlich schlecht parkieren konnte, ist heute der Mann, der breitbeinig im Bus sitzt.Die Grünen müssen erkennen, wann sie damit angefangen haben, ein verzerrtes Bild vom männlichen Geschlecht zu verbreiten. Erst wenn sie ihr grundsätzliches Misstrauen gegenüber dem Mann überwinden, können sie ihn ausserhalb ihres Milieus erreichen. Das hätte noch weitere Vorteile. Sie könnten sich dann wieder auf ihre politischen Kernanliegen konzentrieren. Die Gleichberechtigung zum Beispiel.Passend zum Artikel
Grüne und Männer: Zum männlichen Geschlecht fallen ihnen nur Klischees ein
Männer sind vielen Linken grundsätzlich suspekt. Sie gelten ihnen als aggressiv, laut und rücksichtslos. Die Grünen wollen nun mit einem Manifest gegensteuern. Doch das macht es nur schlimmer.











