Mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten an der rechtsrheinischen Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf bei Bonn ist auch der Schienenersatzverkehr (SEV) der Deutschen Bahn angelaufen. Die purpurfarbenen Busse sind am Montagmorgen im Berufsverkehr nicht nur aufgrund ihres einheitlichen Erscheinungsbildes leicht zu erkennen, sondern auch überwiegend pünktlich. Die Fahrgäste sind von der fünf Monate dauernden Sanierung nicht begeistert – aber viele hoffen, dass die Rheingaulinie künftig zuverlässiger und besser wird.Es ist kurz vor 8 Uhr, Jörg Schomaker will mit dem SEV-Bus nach Mainz zu seinem Arbeitsplatz. Der Eltviller ist entspannt und sieht den Ersatzverkehr gelassen. „Viel schlechter als mit der Bahn kann es eigentlich nicht laufen.“ Schomaker muss nicht umsteigen, weil der Bus der Linie SEV 10A direkt nach Mainz fährt. Der Mitarbeiter der dortigen Universität hat sich die Fahrpläne im Internet angeschaut, die Aushänge an der Ersatzhaltestelle an der Rheingauer Straße in Eltville findet er nicht sehr übersichtlich.Bus „ist pünktlich und leer“Schomaker ist leidgeprüft, denn normalerweise fährt er mit der Rheingaulinie. „Ich hoffe, dass die Züge der RB10 nach der Sanierung pünktlicher fahren“, sagt er und berichtet von Zügen, die oft überfüllt waren und deren Klimaanlagen manchmal nicht funktionierten. Während Schomaker noch erzählt, kommt der große purpurfarbene Gelenkbus pünktlich an die Haltestelle. „Er ist pünktlich und leer – ein echter Fortschritt“, sagt der Eltviller und steigt ein.Am Eltviller Bahnhof treffen derweil um 8 Uhr die ersten Bautrupps ein, und auf der gesperrten Strecke passiert ein Materialzug den Bahnhof. Dass die Strecke gesperrt ist, heißt nicht, dass dort gar keine Züge fahren. Während der Arbeiten sind nach Angaben der Bahn immer wieder Bau-, Arbeits- und Logistikzüge auf allen Streckenabschnitten unterwegs, um Material und Maschinen zu transportieren. Deshalb warnt die Bahn auch eindringlich davor, die gesperrte Bahnstrecke zu betreten. Das sei lebensgefährlich.Der Bahnhof in Eltville ist zum Teil eingerüstet, noch haben die Arbeiten dort nicht begonnen. Zunächst muss nach möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht werden. Andreas Kuhnt ist mit einer Kollegin im Einsatz, die beiden Österreicher warten darauf, dass ihr Auftraggeber ihnen mitteilt, wonach sie genau suchen sollen. „Wir haben unterschiedliche Suchmethoden, Oberflächensondierung, Bohrlochsondierung und Georadar, außerdem gibt Metall- und Eisendetektoren“, sagt Kuhnt. Es werden nicht alle Bahnhöfe auf der rechtsrheinischen Strecke auf Blindgänger untersucht, nur jene, bei denen eine Gefährdung vorliegen könnte. Aber bevor der Kampfmittelräumdienst seine Arbeit nicht gemacht hat, wird auch nicht gebaut.Anwohner der Rheingaustrecke sind seit Jahren Kummer gewohntAuf dem Bahnhofsvorplatz steht Ahed Alahmad, auch sie fährt normalerweise mit der RB10. Die Schülerin hat an diesem Morgen erst einmal den falschen Bus nach Wiesbaden genommen, ist mit dem nächsten zurückgefahren und wartet jetzt auf die Verbindung nach Kiedrich. Die Hattenheimerin findet die Sanierung und die Streckensperrung zwar „blöd“, weiß aber auch, dass kein Weg daran vorbeiführt. „Ich hoffe, dass alles besser wird und die Arbeiten im Dezember fertig sind“, sagt sie.Mittlerweile ist es 8.40 Uhr, und an der Ersatzhaltestelle an der Rheingauer Straße in Eltville stehen nun mehr Fahrgäste, die auf die SEV-Linie 10B nach Wiesbaden warten. „Ich bin nicht begeistert, aber es muss ja gemacht werden. Es ist so viel defekt gewesen, und jedes Mal gab es eine andere Störung am Signal, am Gleis, das konnte doch so nicht weitergehen“, sagt Marion Hönicke. „Ich hoffe nur, dass die Bahn die Sanierung in einem halben Jahr schafft. Ich habe da so meine Zweifel.“ Hönickes Ersatzbus ist fast pünktlich und ebenfalls mit nur wenigen Fahrgästen besetzt.Dass viele Pendler angesichts von Sperrung und Ersatzverkehr so entspannt sind, hängt vermutlich damit zusammen, dass sie auf der Rheingaustrecke seit Jahren Kummer gewohnt sind. Die RB10 ist in der Vergangenheit immer wieder wegen massiver Verspätungen oder Ausfälle in die Kritik geraten.„Ich war pünktlich in Mainz“Wer nun den Ersatzverkehr nutzen möchte, muss darauf achten, dass an den Bahnhöfen keine Fahrkarten mehr gekauft werden können, da diese geschlossen sind. Auch die Fahrkartenautomaten des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) an den Bahnhöfen werden abgebaut. Die Bahn empfiehlt daher, die Tickets online zu erwerben. Sollte das nicht möglich sein, können die Fahrgäste sie am Ziel- oder Umsteigeort kaufen.Das Rheintal ist stellenweise sehr eng und dort, wo es nicht möglich sein wird, Material mit Zügen zu transportieren, setzt die Bahn sogar Hubschrauber ein. Vorrangig geht es darum, neue Signale zu liefern und alte abzutransportieren. Dies wird auf der gesamten Strecke an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten der Fall sein. In Rüdesheim und Eltville sind diese Arbeiten für die Zeit vom 24. bis 27. August geplant. Die Hubschrauberflüge können laut Bahn erheblichen Lärm und wegen der Rotoren starke Luftströmungen verursachen. Anwohnern wird deshalb geraten, Gegenstände in ihren Gärten sowie auf Terrassen und Balkonen vorsorglich zu sichern.Die Arbeiten an der Bahnstrecke werden auch den Autoverkehr beeinträchtigen, zahlreiche Bahnübergänge entlang der Strecke werden zumindest zeitweilig gesperrt. So wird es beispielsweise im Wiesbadener Stadtteil Schierstein vom 6. August bis zum 11. August und vom 20. August bis zum 27. August nicht möglich sein, den Bahnübergang an der Freudenbergstraße zu passieren. In Rüdesheim wird der Bahnübergang an der Bundesstraße 42 von Mittwoch, 15. Juli, an bis einschließlich Sonntag, 28. Juli, voll gesperrt und der Straßenverkehr über Lorch und Presberg umgeleitet. Von dieser Sperrung ist auch der Schienenersatzverkehr betroffen. Die SEV-Linie 10X hält in dieser Zeit nicht in Assmannshausen und die Fahrtdauer zwischen Koblenz und Wiesbaden erhöht sich um acht Minuten. Im Wiesbadener Stadtteil Biebrich ist der Bahnübergang an der Gibber Straße vom 24. Juli bis zum 19. November geschlossen.In Eltville ist es am Montagmorgen mittlerweile 9 Uhr. An der Ersatzhaltestelle stehen drei Schülerinnen, die nach Mainz fahren möchten. Eine von ihnen hat den Ersatzverkehr schon am Sonntag genutzt. „Der Bus kam pünktlich hier an, und ich war pünktlich in Mainz“, berichtet sie und ist guter Dinge, dass das auch in den nächsten Tagen so gut funktioniert.